Basthorst : Krebs und Schnäpel in einem Teich

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In diesem Teich hält Steffen Teufel Krebse und Ostseeschnäpel. Tochter Blanca hilft hin und wieder beim Füttern. Fotos: Heidrun Pätzold (2)

Der Edelkrebs und der Ostseeschnäpel vertragen sich. Das ist die gute Nachricht, die Steffen Teufel verkünden kann. Jetzt will er verstärkt mit der Zucht dieser Fische beginnen. Zwei Jahre lang hat er daran geforscht.

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08. Mai 2012, 09:53 Uhr

Basthorst | Der Edelkrebs und der Ostseeschnäpel vertragen sich. Das ist die gute Nachricht, die Steffen Teufel verkünden kann. Jetzt will er verstärkt mit der Zucht dieser Fische beginnen. Zwei Jahre lang hat er in Basthorst experimentiert und geforscht, welche Fische am besten mit Edelkrebsen (Astacus astacus) auskommen. Der Grund: Bei der Aufzucht von Krebsen, die er seit Jahren in Basthorst betreibt, bleibt das Wasser weitgehend ungenutzt. Denn der Flusskrebs lebt am Grund des Gewässers. Teufel suchte also nach Fischen, die das Freiwasser nutzen können. Unterstützt wurde er dabei von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei. "Wir haben herausgefunden, dass sich der Ostseeschnäpel dafür am besten eignet", erklärt er. Der Fisch, im Volksmund als Steinlachs bekannt, ist eine Maräne und lebt sowohl in Salz- als auch in Süßwasser.

"Der Ostseeschnäpel braucht die Bewegung, schwimmt in Schwärmen zügig hin und her. Der Edelkrebs hingegen ruht am Gewässerboden. Krustentiere und Fische kommen sich so nicht ins Gehege, können sich normal entwickeln. Der Schnäpel frisst als Jungfisch vor allem Plankton, keine Krebse", erklärt Teufel. Versuche, die Edelkrebse mit Karpfen in den Teichen zu halten, waren zuvor weniger erfolgreich. Karpfen machen sich an junge Krebse heran, ebenso Hechte und Aale. Geklärt ist inzwischen auch, dass die Aufzucht der kleinen Schnäpel in den Krebsteichen besser funktioniert als in einem künstlichen Langstrombecken mit Krebsen, die zur Anlage in Basthorst gehören. In dem Becken sank die Überlebenschance der Fische, in den Teichen hingegen hielten sich die Verluste in Grenzen, die Fische entwickelten sich gut.

Die Ostseeschnäpel bezieht Steffen Teufel von der Bimes Schwerin. Sie kultiviert den Schnäpel bereits. Die Binnenfischerei zieht Jungfische im Cambser See auf. Als Futtergrundlage dient Plankton. Wenn die Ostseeschnäpel drei bis vier Zentimeter groß sind, werden sie an Interessenten abgegeben.

Die ersten Schnäpel in einer überschaubaren Menge will Teufel dieser Tage ernten und beim Tag der offenen Tür am

17. Mai in seinem Krebsgarten anbieten - geräuchert. Einen Test habe er schon gemacht. Das Ergebnis sei hervorragend gewesen. Am Tag der offenen Tür führt der Basthorster interessierte Besucher durch den Krebsgarten und erläutert ihnen die Anlage. Geöffnet ist von 10 bis 16 Uhr.

Nach diesem Sommer haben die restlichen Ostseeschnäpel nach zwei Jahren ein Gewicht von etwa 350 bis 500 Gramm und sind so schwer wie eine durchschnittliche Forelle, erläutert der Fachmann. Der Fisch sei fettarm und schmackhaft. Unter den Gourmets gilt der Schnäpel als Delikatesse.

Damit künftig mehr Fische dieser Art auf den Tisch kommen, will Steffen Teufel die Aufzucht nach dem erfolgreichen Versuch nun vorantreiben. Ende nächsten Jahres, so hofft er, kann er dann eine größere Menge auf den Markt bringen. Von seinen Erfahrungen auf diesem Gebiet sollen Dritte profitieren. Auch das ist Inhalt der Zusammenarbeit mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, betont er.

Die Heimat des Ostseeschnäpels ist eigentlich - der Name verrät es - die Ostsee. Auf Grund der verminderten Wasserqualität der Ostsee in den 1980er und 1990er Jahren ging der Bestand so dramatisch zurück, dass der Schnäpel fast vor dem Aussterben stand. Durch ein Zuchtprogramm, unterstützt vom Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern und finanziert mit Fördermitteln der EU konnte sich der Bestand aber wieder erholen.

Da der Schnäpel auch im Süßwasser gut zurechtkommt, eigne er sich bestens für die Aqua-Kultur, meint Steffen Teufel. Gleichzeitig aber betont er: Auch wenn sein Augenmerk in den vergangenen Monaten stark auf den Ostseeschnäpel gerichtet war, so bleibt die Zucht von Edelkrebsen der Schwerpunkt. Seit 2006 widmet sich der 45-Jährige dieser Aufgabe - im landwirtschaftlichen Nebenerwerb. Denn Teufel, studierter Ingenieur für Maschinenbau, arbeitet hauptberuflich als selbstständiger Computerfachmann. In Basthorst züchtet er im Jahr an die 15 000 Edelkrebse - für die Gourmetküche, aber auch für die Wiederansiedlung in heimischen Gewässern. Denn der Astacus astacus war vom Aussterben bedroht. So habe er einen Beitrag gegen das Aussterben dieser aquatischen Kultur geleistet und gleichzeitig ein exotisches Geschäftsfeld erschlossen, erklärt der Basthorster rückblickend.

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