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Bürgerinitiative spricht sich gegen geplante Anlagen aus : Kraak: Gegenwind für Windpark

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Dass sich in Nähe ihres Wohnortes Windräder drehen sollen, lehnt Grit Schumacher ab. Gemeinsam mit anderen Kraakern hat sie einen Initiativkreis gegründet und eine Unterschriftensammlung gegen einen Windpark gestartet.

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erstellt am 25.Jun.2013 | 10:58 Uhr

Kraak | Dass sich in Nähe ihres Wohnortes Windräder drehen sollen, lehnt die Kraakerin Grit Schumacher ab. Gemeinsam mit anderen Bewohnern hat sie den Initiativkreis "Kraak gegen Windkraft" gegründet und eine Unterschriftensammlung gegen einen Windpark gestartet. Die Liste soll Rolf Christiansen, Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, erhalten. "Mit dieser Aktion erhoffen wir uns, dass unser Protest ernst genommen wird und wir bei diesem Projekt mitreden und mitentscheiden können", erläutert die 40-Jährige. Geplant ist bei Kraak ein Windkraftpark auf einer Fläche von 75 Hektar. Auf der Gemarkung sollen sechs bis acht Windkraftanlagen mit einem Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohnhäusern entstehen. Die so genannte Nabenhöhe der Windräder soll 135 Meter betragen. Derzeit prüft der Regionale Planungsverband Westmecklenburg anhand 32 landeseinheitlicher Kriterien geeignete Flächen in Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim und Schwerin. Bis zum Herbst sollen die Gebiete feststehen.

Bedenken gegen dieses Vorhaben hat Grit Schumacher noch aus einem weiteren Grund. Das Dorf sei mit seiner Nähe zur A 24 bereits vorbelastet - mit Lärm. Jetzt droht weiterer Krach. Eine Windkraftanlage habe einen Geräuschpegel in Rotornähe von etwa 105 Dezibel. Hinzu komme noch dem Schattenwurf. Und wegen der enormen Höhe der Windkraftanlagen ist eine Kennzeichnung durch rot blinkende Signale nötig, was einen massiven Eingriff in das Landschaftsbild darstelle. "Außerdem steckt in unserem Haus Vergangenheit. Meine Uroma hat schon hier gewohnt. Hier findet man noch Idylle pur. Ich denke, dass unsere Grundstücke und Häuser an Wert verlieren würden", verdeutlicht Grit Schumacher.

Um Gebiete auszuweisen, hat der Regionale Planungsverband Westmecklenburg Kriterien ausgearbeitet und diese um die Sicherstellung der gemeindlichen bzw. gesellschaftlichen Teilhabe ergänzt. "Danach prüfen wir, welche Flächen für Windanlagen geeignet sind. In einem nächsten Schritt benachrichtigen wir die Gemeinden. Wünschenswert ist, dass es unter den Interessenten ein Gleichgewicht gibt", erläutert Gabriele Hoffmann, Geschäftsführerin des Planungsverbandes. Einen gemeindlichen Konsens zu finden, werde nicht leicht sein. Wichtig sei Hoffmann jedoch die Transparenz. Zu den Ausschlusskriterien, die die Windkrafteignung bestimmen, zählen Gebiete, die der Erholung, dem Tourismus und der Gesundheit dienen, das Landschaftsbildpotenzial oder auch Nistplätze von Großvögeln. Ebenso ist ein ausreichender Abstand zu Siedlungen festgelegt.

Welche Auswirkungen nach Festsetzung der Kriterien auf die Dörfer der Gemeinde Rastow zukommen, interessiert auch Wolfgang Utecht vom Amt Ludwigslust-Land. Er kann sich vorstellen, dass im Gebiet Hoort und Kraak insgesamt 21 Anlagen entstehen könnten. "Aber vor 2016 wird sich dort nichts drehen. Bis die Gebiete ausgewiesen sind und wie die Anlagen schließlich aussehen werden, kann bisher ohnehin niemand verbindlich sagen", erklärt der Leitende Verwaltungsbeamte. Dass es für das Vorhaben verschiedene Projektentwickler gibt, sei etwas Besonderes. Und: "Je größer die Anlage, desto höher fällt die Gewerbesteuer aus." Einnahmen daraus würden sich jedoch erst nach sieben bis acht Jahren rechnen.

Auch Hartmut Götze wartet auf die offizielle Ausweisung der Gebiete. Denn als Bürgermeister der Gemeinde Rastow ist er direkt betroffen. Die Gemeinde selbst besitze kein Land. Derzeit führe er mit potenziellen Bewerbern, Eigentümern, Planern und Investoren Gespräche. "Wichtig ist mir, dass die Bürger mitbestimmen können und die Gemeinde generell Mitspracherecht bei der Ausweisung hat", betont Hartmut Götze. Auch wenn es keine einheitlichen Meinungen zum Vorhaben gibt, wolle er Kompromisse für die Kommune und die Bürger finden.

Grit Schumacher hält es für notwendig, dass die betroffenen Einwohner aus Kraak rechtzeitig über konkrete Sachstände und Vorstellungen informiert werden und in die Planungen einbezogen werden. Letztlich sei zu prüfen, ob die Kriterien für oder gegen den Ausschluss eines Windparks bei Kraak sprechen und zu beweisen, ob die Region von der Energieerzeugung aus Windkraft profitiere.

Der Kreistag Ludwigslust-Parchim hat mittlerweile seinen Sonderausschuss Windenergie mit Abgeordneten und sachkundigen Bürgern besetzt. Am morgigen Mittwoch um 18 Uhr gibt es außerdem zum Thema Windkraft eine große Informationsveranstaltung im Friedrichsruher Gemeindezentrum. Experten des Regionalen Planungsverbandes und des Amtes für Raumordnung und Landesplanung sind eingeladen.

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