Eiserner Hochzeit : Kornblumen statt Brillanten

Glücklich und zufrieden: Johanna und Heinz Ehmke werden auch heute, an ihrem Ehrentag, ein Tänzen wagen.
Glücklich und zufrieden: Johanna und Heinz Ehmke werden auch heute, an ihrem Ehrentag, ein Tänzen wagen.

Johanna und Heinz Ehmke aus Hundorf verbindet eine tiefe Liebe: Heute feiert das Paar seinen 65. Hochzeitstag

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21. April 2015, 16:00 Uhr

Wenn die ersten Töne der Polka Rosamunde im Radio erklingen, dann stimmt Heinz Ehmke sofort mit ein. Denn der 89-Jährige ist zwar nicht verliebt in Rosamunde, sondern seit mehr als sechs Jahrzehnten in seine Johanna, aber dennoch verbindet er mit dem Lied viele schöne Erinnerungen. Auf den Tag genau vor 65 Jahren hat er seine große Liebe geheiratet. Heute feiert das Paar aus Hundorf Eiserne Hochzeit. „Dass wir es gemeinsam so lange geschafft haben, das ist wahrlich ein wunderbares Geschenk“, sagt der Jubilar und hofft auf weitere, viele schöne Jahre.

Kennen gelernt haben sich beide in Breesen bei Neubrandenburg. „Eigentlich beginnt die gemeinsame Zeit schon viel früher. Unsere Eltern haben sich schon gekannt, dann kam der Krieg. Flucht und Vertreibung haben uns von Pommern nach Breesen gebracht“, erinnert sich Johanna Ehmke. Nachdem ihr Mann aus englischer Kriegsgefangenschaft wiederkam und auf dem Gut anfing zu arbeiten, ist er ihr im März 1948 das erste Mal aufgefallen. Sie haben sich bei der Arbeit kennen und wenig später auch lieben gelernt. „Damals gingen wir alle gemeinsam zum Tanz auf den Kornboden und später am Abend pärchenweise nach Hause. Ich ging mit Heinz“, erzählt Johanna Ehmke und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Warum sie an ihn ihr Herz verloren hat? „Er hatte so schöne dunkle Locken“, kommt es wie aus der Pistole. Die dunklen Locken sind mit den Jahren verschwunden. Ihre Liebe aber ist geblieben, gewachsen. „Das ist eben der Unterschied zur heutigen Zeit. Wir hatten damals nicht viel. Aber wir hatten uns. Das schweißt zusammen“, erklärt die heute 85-Jährige. Gern denkt sie zurück an die Zeiten, in denen die beiden Kinder klein waren. „Es gab immer viel Arbeit, keine großen Reisen, aber wir haben es uns dennoch schön gemacht.“ Und statt großer Geschenke gab es einen handgepflückten Blumenstrauß. „Ich seh’ ihn noch vor mir, wie er über die Gräben springt und die schönsten Korn- und Mohnblumen für mich pflückt. Es müssen keine Brillanten sein. Wichtig sind die kleinen Dinge im Leben“, versichert Johanna Ehmke. Und obwohl Brautkleid und Anzug damals geliehen waren, hat ihre Liebe gehalten. „Klar gab es auch mal ein lautes Wort, aber nie bösen Streit“, betonen sie. Warum es vielen Paaren heute nicht mehr gelingt, ein Leben lang zusammen zu sein? „Den Leuten geht es zu gut“, sind sich die Jubilare nach kurzer Überlegung einig.

Beide haben stets viel Wert auf die Familie gelegt, sind vor 20 Jahren aus Breesen nach Hundorf zur Tochter gezogen. „Diesen Schritt haben wir nie bereut. Das Leben hier schön und der Sohn ist in Mölln und die Enkel sind nicht weit entfernt. Wir haben es gut hier“, sagt Heinz Ehmke.

Heute wird gefeiert. „Erst geht es in die Kirche nach Alt Meteln und dann ins Restaurant am Paulsdamm. Und dann wird sicher auch wieder getanzt. Wozu? „Na wie vor 65 Jahren – zu Rosamunde“, sagt Heinz Ehmke.

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