Bauvorhaben in Schwerin : Kopfschütteln über Straßenbau

Das neue Pflaster wird für die Umverlegung der Gleise schon wieder aufgenommen.
Foto:
Das neue Pflaster wird für die Umverlegung der Gleise schon wieder aufgenommen.

Die geplante Verlegung der Straßenbahngleise am Wittenburger Berg stößt auf viel Kritik – Baudezernent verteidigt das Vorhaben

von
19. September 2015, 07:30 Uhr

SVZ-Leser Joachim Groening ist empört. „Das Geld da zu verbraten, ist ja wohl bekloppt“, sagte er am Heißen Draht dieser Zeitung. Der Anlass: Das Vorhaben der Stadtverwaltung, die Straßenbahngleise am Wittenburger Berg auf die andere Straßenseite zu verlegen. „Die Lübecker Straße ist bis zur Ecke Wittenburger gerade neu gemacht worden. Warum soll schon wieder alles aufgerissen werden?“ Das Geld solle man lieber für die Sanierung der Arsenalstraße am Südufer des Pfaffenteiches ausgeben.

Bissige Kommentare finden sich auch im Internet. Da heißt es: „Bei den Umlegungsarbeiten werden dann so viele China-Pflastersteine kaputt gemacht, dass man anschließend den ganzen Marienplatz neu pflastern muss, weil unbedingt ein einheitliches Erscheinungsbild wieder hergestellt werden muss. Ich halte dieses nicht für unmöglich – schon gar nicht in Schwerin.“ Und ein anderer Leser schreibt: „Während sich Nottebaum um Schönheitsoperationen an prächtig sanierten Straßen kümmert, entwickeln sich Wohngebietsstraßen wie die Ratzeburger in Lankow zu Konjunkturprogrammen für Kfz-Werkstätten. Schwerin – immer eine Posse wert!“

Auch in der Politik schlägt das Vorhaben hohe Wellen. „Ein Schildbürger-Streich“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Schweriner Freien Demokraten, Michael Schmitz, zu den Umbauplänen am Wittenburger Berg. „Erst vor zwei Jahren wurde dieser Bereich mit Kosten in Millionenhöhe fertig gestellt. Jetzt soll dies alles zerstört werden, nur damit in einer einspurigen Einbahnstraße die Straßenbahn auf der rechten statt der linken Seite fährt – eine unglaubliche Verschwendung.“

Die bündnisgrüne Stadtfraktion findet die geplante Umverlegung der Gleise gut. „Es ist richtig, am Wittenburger Berg die Straßenbahn auf der rechten Straßenseite fahren zu lassen und deshalb die Gleise umzulegen“, sagt der stellvertretende Fraktionschef Arndt Müller. Doch dann kommt die Kritik an der „planlos wirkenden Verkehrsplanungen in Schwerin“. Von langfristig strategischer und finanziell überlegten Plänen könne keine Rede sein. „Nun wird die sorgfältig sanierte Zufahrt vom Wittenburger Berg zum Marienplatz wieder aufgerissen, welch ein Irrsinn! Bereits 2005 – bei einer größeren Schienenbaumaßnahme am Wittenburger Berg – wäre Gelegenheit gewesen, die Schienen anders zu verlegen“, so Müller. Die Fehlplanungen gingen zu Lasten der Stadtfinanzen. „Dafür hat angesichts unserer prekären Finanzsituation niemand in Schwerin Verständnis.“

In der Verkehrsbehörde findet die Kritik kein Verständnis. Es müssten nur 30 Meter des neuen Pflasters in der Lübecker Straße aufgenommen werden, hieß es. Erst jetzt, mit dem Neubau der Brücke, sei die Chance gegeben, die Gleise nach rechts zu verlegen. Es mache nur Sinn, das Vorhaben in einem Zuge zu realisieren. Und Baudezernent Bernd Nottebaum sagt: „Die Rechtsverlegung bringt deutliche Vorteile für den Fahrradverkehr. Wir möchten den Anteil des Radverkehrs deutlich erhöhen. Die Wittenburger Straße ist in Richtung Neumühle eine Katastrophe für Radfahrer.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen