Hilferufe ans Jugendamt : Kontrolle machen andere

Unterstützung durch Finanzministerin Heike Polzin (M.): Dass Power für Kids durch ein ehemaliges Mitglied in die Kritik geriet, habe mit der wichtigen Arbeit des Vereins nichts zu tun.
Unterstützung durch Finanzministerin Heike Polzin (M.): Dass Power für Kids durch ein ehemaliges Mitglied in die Kritik geriet, habe mit der wichtigen Arbeit des Vereins nichts zu tun.

Kindesmissbrauch-Skandal zeigt: Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung gehen lediglich Freie Träger nach

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20. Januar 2016, 08:00 Uhr

Der Skandal um den Kindesmissbrauch durch den Mitarbeiter des Vereins Power for Kids, Peter B., bewegt auch vor der Bildung eines Sonderausschusses durch die Stadtvertretung die Politik.  In die Kritik gerät dabei zunehmend auch das gängige Prozedere im städtischen Jugendamt, wobei Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung nicht durch Mitarbeiter des Amtes, sondern von Freien Trägern  nachgegangen wird. Entsprechende Vereinbarungen zwischen Stadt und Trägern gibt es dafür.

Ein Problem droht allerdings, wenn das Jugendamt am Ende nicht mehr nachkontrolliert.  So war es auch im Fall von Peter B, der sich in 62 Fällen über mindestens acht Jahre an 15 Kindern vergangen haben soll (SVZ berichtete). Als sich zwei Kinder einem Schulsozialarbeiter anvertraut hatten und dieser das Jugendamt einschaltete, erhielt der Freie Träger Internationaler Bund den Auftrag, dem Fall nachzugehen. Das Ergebnis ist bekannt: Peter B. konnte noch ein weiteres halbes Jahr unbehelligt mindestens ein Kind missbrauchen.

Silvio Horn, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Bürger: „Die Vereinbarungen mit den Trägern dürfen nicht dazu führen, dass die Wächterfunktion des Jugendamtes an externe Stellen insgesamt ausgegliedert wird und der Staat sich blind auf Dritte verlässt. Das Jugendamt trägt die Letztverantwortung und muss unabhängig urteilen. Im Fall Peter B. hat sowohl der Träger als auch letztlich das Jugendamt offenbar eine falsche Einschätzung getroffen. Der Fall macht deutlich, dass sowohl die Fachkompetenz der Träger als auch des Jugendamtes verbessert werden müssen.“

Dabei ist die Rechtslage klar im Sozialgesetzbuch geregelt, was für alle Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe – ob bei Freien Trägern oder in den Amtsstuben – Arbeitsgrundlage ist: „Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte abzuschätzen“, heißt es im Paragraf 8. Und weiter: „Ist ein sofortiges Tätigwerden erforderlich und wirken die Personensorgeberechtigten oder die Erziehungsberechtigten nicht mit, so schaltet das Jugendamt die anderen zur Abwendung der Gefährdung zuständigen Stellen selbst ein.“

Daran haben sich weder die Verantwortlichen im Jugendamt noch beim Freien Träger gehalten. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wurden informiert, nicht einmal der Verein Power for Kids, in dem Peter B. den Kontakt zu seinen Opfern fand.  „Wenn derartige Vorfälle nicht bearbeitet oder weitergeleitet werden, liegt innerhalb der Verwaltung mehr im Argen, als noch im schrecklichen Fall von Lea-Sophie“, sagt FDP-Politikerin Cecile Bonnet-Weidhofer mit Blick auf das 2007 verhungerte Mädchen. AfD-Stadtvertreterin Petra Federau fordert schon den Rücktritt der Oberbürgermeisterin. Auch Silvio Horn sieht einen deutlichen Verstoß: „Beim Schutz des Kindeswohls geht es primär zwar nicht um Strafverfolgung. Aber hier lag der Fall anders, weil die anderen Kinder im Jugendtreff den Übergriffen noch ausgesetzt waren. Es war also zur Abwendung der Kindeswohlgefährdung für eine unbekannte Anzahl von Kindern erforderlich, externe Stellen wie Polizei und Staatsanwaltschaft einzuschalten.“

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