Schwerin : Kongresshalle im Mini-Format

Wenn Jörg Moll das Modell der Kongresshalle präsentiert, wirkt er fast wie Gulliver bei seiner Reise auf die Insel Liliput. Im jahr 1958 wurde das gute Stück in Rostock gebaut, schätzt er.
Wenn Jörg Moll das Modell der Kongresshalle präsentiert, wirkt er fast wie Gulliver bei seiner Reise auf die Insel Liliput. Im jahr 1958 wurde das gute Stück in Rostock gebaut, schätzt er.

Verborgene Kostbarkeiten im Museums-Lager: Stadtarchivar suchte eigentlich alte Akten, als er das Präsentations-Modell entdeckte

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03. September 2015, 12:00 Uhr

Als Jörg Moll das Modell der denkmalgeschützten Sport- und Kongresshalle fand, war er eigentlich auf der Suche nach Papieren. Das ist Jörg Moll meistens, denn er ist Mitarbeiter im Schweriner Stadtarchiv. Sein Büro liegt in der alten Kita in der Willi-Bredel-Straße. Viel Papier und alte Sachen gibt es hier, aber wenig Menschen, kurze Öffnungszeiten, kaum Publikumsverkehr. Wenn Jörg Moll die Tür aufschließt, dann gehört die kleine Kongresshalle zu den ersten Dingen, die er sieht. Sie steht auf einem Holztisch gleich neben der Tür.

„Als mir das Modell vor zehn Jahren gezeigt wurde, lag darauf eine Zentimeter dicke Staubschicht“, erinnert er sich. Damals war er eigentlich auf der Suche nach Akten der Sportstättenverwaltung. „Man konnte nur erahnen, was sich darunter verbirgt.“ Der Experte schätzt das Baujahr „seiner“ Halle auf 1958. „Es sieht aus wie ein Präsentationsmodell, angefertigt vom Rostocker Architektenkolletiv, das die Halle entwarf.“ Erbaut wurde die Schweriner Sport- und Kongresshalle zwischen 1958 und 1962. Sie ruht auf vier Stahlbetonpfeilern und wird von Stahlfachwerk überspannt. Das Aluminiumdach umfasst 5600 Quadratmeter, das Gesamtgewicht beträgt 500 Tonnen.

Entworfen hat die Halle Hans Fröhlich im VEB Industrieprojektierung Nord, Betriebsteil Rostock. Paul Peters, Erwin Beckmann und Fritz Breuer haben sie konstruiert. In den 1960er-Jahren zählte die Halle in ihrer architektonischen Gestaltung zu den modernsten der DDR. Von Mai bis Oktober 2009 gab es umfangreiche Umbauarbeiten, bei denen unter anderem die Deckentragfähigkeit erhöht wurde, was große Fernsehproduktionen und effektvolle Bühnenshows ermöglicht. Die Sport- und Kongresshalle hat heute 5184 feste Sitzplätzen. Bei maximaler Auslastung – zum Beispiel bei Konzerten von Andrea Berg – fasst sie jedoch bis zu 8120 Menschen. 1958, als das Modell gebaut wurde, gab es im Lambrechtsgrund die Sportarena, aber noch wenig weitere Bebauung. Das Hochhaus folgte 1961 bis 1963, Ende der 60er-Jahre kamen Poliklinik und „Teekessel“, das Panorama-Restaurant dazu.

Die kleine Kongresshalle wurde bislang übrigens nur gereinigt und nicht weiter aufgearbeitet. „Ich glaube, wir haben einen von den kleinen Bäumen ersetzt“, sagt Jörg Moll. Genießen können diesen Anblick Stadtarchiv-Besucher, die zumeist alte Bauunterlagen einsehen wollen, weil sie z.B. gerade ein Haus sanieren. Wer selbst einen Blick riskieren möchte: Die Außenstelle Weststadt hat geöffnet dienstags von 13 bis 16 sowie donnerstags von 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr.

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