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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. September 2017 | 22:34 Uhr

Traditionspflege : Kohle-Ernte in Bahlenhüschen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Rauch ist weg, die Holzkohle ist da – und das wird am Sonnabend beim 4. Köhlerfest rund um den Meiler an der Forstscheune gefeiert

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 23:31 Uhr

Rauch in drei verschiedenen Farben – Hartmut Thienen hat ihn beobachte. Ganz genau. Tag und Nacht. Alle zwei Stunden. Hätte er das nicht gemacht, dann wäre die ganze Arbeit mit dem Meiler vielleicht umsonst gewesen. Dann wäre von dem speziell aufgeschichteten Buchenholz nicht die erwartete Tonne Holzkohle übrig geblieben. Dann läge unter der Abdichtung aus Heu- und Erde vielleicht nur noch Asche.

Hartmut Thienen hat Rauchlöcher in den Meiler gestoßen, immer und immer wieder. Und er hat sie verschlossen, immer und immer wieder. Weder durfte er den Meiler erlöschen, noch durfte er ihn durch zu viel Luftzufuhr abbrennen lassen. „Weißer Rauch“, sagt der Köhler aus dem Oberharz, „das ist Wasserdampf.“ Ist der Kohleprozess im Gange, dann sind die Rauchschwaden grau-braun. Der blaue Rauch signalisiert: Die Kohle ist fertig. Thienens Meiler am Rande der Forstscheune in Bahlenhüschen ist nicht erloschen – und abgebrannt ist er auch nicht. Der Meiler hat seine Arbeit verrichtet. Der Köhler fast auch. Am Sonnabend kann die Kohle geerntet, eingesackt und beim Köhlerfest verkauft werden.

„Eine Kunst des Köhlers ist es, im Gehen schlafen zu können“, sagt Hartmut Thienen. Auch wenn der Schlaf in den letzten neun Tagen viel zu kurz kam: Der Köhler wird nicht müde zu erklären, wie früher Holzkohle gewonnen wurde. Und Zuhörer sind zur Genüge in die Waldlewitz gekommen. Während der Bildungswoche besuchten 236 Kinder und Jugendliche von drei Kindergärten und sieben Schulen die Forstscheune und den Meilerplatz und beschäftigten sich mit den Themen Ökosystem Wald – nachhaltige Nutzung, Natur und Umwelt sowie mit dem Köhler-Handwerk.

In der Forstscheune riecht es nach Kräutern und Gemüse. Es gibt eine Köhlersuppe, die über dem Feuer köchelt. Die Achtklässler der Haupt- und Realschule Domsühl helfen an diesem Vormittag mit, die Suppe zuzubereiten. Mit den Kräutern haben sie sich schon zuvor beschäftigt. Holz haben sie auch schon gesucht, um Zeichenkohle herzustellen. Und genutzt wird diese auch. Zu den Themen Köhlerei, Naturschutz, Forstwirtschaft und Tierwelt entstehen Zeichnungen, die übermorgen beim Köhlerfest prämiert werden sollen.

Während sich der Nachwuchs auch noch im Flötenschnitzen übt, hat Hartmut Thienen seinen Meiler immer noch fest im Blick. Eingesackt ist dieser, hat seit dem Entzünden am 27. April durch die Verkohlung des Holzes über ein Drittel seiner Höhe eingebüßt. Die entstandenen Hohlräume hatte Thienen immer wieder mit Spezialwerkzeug eingedrückt. „Nicht ungefährlich“, sagt er. Früher, fügt er hinzu, sei es oft zu schweren Unfällen gekommen. Der 70-Jährige kennt sich gut aus mit der Geschichte rund ums Köhler-Handwerk. Seit zwölf Jahren betreibt er dieses zeitintensive Hobby, ist Mitglied im Harzer Köhlerverein und baut Meiler mit seiner Frau Brigitte überall dort auf, wo es gewollt ist. So wie in Bahlenhüschen, wo der Verein Forstscheune Bahlenhüschen in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Friedrichsmoor bereits zum vierten Mal zum Köhlerfest einlädt. „Ich bin jetzt zum dritten Mal hier. Im Laufe der Zeit haben sich richtige Freundschaften entwickelt“, sagt Köhler Thienen. In den Nächten, in denen er über den Meiler wachte, hatte er oft Besuch. Vereinsmitglieder waren da, Menschen aus den Dörfern ringsherum, sogar zwei Ehepaare von der Insel Rügen. Der Köhler, der vor der Rente als Maschinenbaumeister arbeitete, erzählte ihnen, dass schon vor 7000 Jahren geköhlert wurde, die Holzkohle früher gebraucht wurde, um Erz zum Schmelzen bringen zu können. Thienen empfindet es als wichtig, dass dieses Handwerk nicht in Vergessenheit gerät. Oft saß er zwischen Meiler, Waldarbeiterhütte mit Schlafbank und Wassertank auch ganz allein. Dann lauschte er einfach nur den Vögeln. „Das Köhlern“, sagt er, „ist nicht nur harte Arbeit. Es ist auch romantisch“.

Das Köhlerfest am 10. Mai startet um 10 Uhr. Rund um den Meiler gibt es ein buntes Markttreiben. Parkplätze sind vorhanden.

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