Weltkulturerbe-Serie : Köstlichkeiten für die Tafel

Nach der Sanierung und nach der Gartenschau: Das historische Warmhaus mit den markanten Türmen ist heute vermietet. Die Gartenfläche davor liegt noch brach. Fotos: Reinhard Klawitter
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Nach der Sanierung und nach der Gartenschau: Das historische Warmhaus mit den markanten Türmen ist heute vermietet. Die Gartenfläche davor liegt noch brach. Fotos: Reinhard Klawitter

SVZ stellt in einer Serie die Teile des Residenzensembles vor – Teil 22: Küchengarten und Hofgärtnerhaus

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01. August 2016, 09:29 Uhr

Der Küchengarten am Franzosenweg ist ein Sahnestückchen für potenzielle Bauherren und Investoren, die immer mal wieder ihre Fühler in diese Richtung ausstrecken. Konkrete Verträge oder einen Bebauungsplan gibt es aber noch nicht. Bei der Bundesgartenschau 2009 standen hier die Blumenhallen, lockten Rosen- , Stauden- und Gemüsebeete tausende Besucher. Nur spärliche Reste sind von dieser Pracht erhalten geblieben. Das etwa 2,5 Hektar große Areal scheint sich in Warteposition zu befinden.

Im 18. Jahrhundert versorgte vor allem der Dominalhof Ostorf mit seiner Hofanlage auf der Krösnitz die herzogliche Tafel mit Milch, Butter, Fleisch, Gemüse, Küchenkräutern und Obst. Er bewirtschaftete zahlreiche Flächen am Ostorfer Hals. Als der Hof nach seinem Ludwigsluster Intermezzo im Jahr 1837 zurückkehrte nach Schwerin, wurde dann in Schlossnähe Exotisches angebaut. Der Küchengarten fügte sich ein in den von Theodor Klett neu gestalteten Landschaftspark, der Nützliches und Ästhetisches vereinte. Martina Krüger zitiert in ihrer „Geschichte des Schlossgartenviertels“ aus einem 1886 erschienenen „botanischen Rundgang durch die Großherzoglichen Gärten zu Schwerin“ von R. Ruben: „…in dem in verschiedenen Häusern prachtvolle Weinreben und Pfirsiche im Herbst ihre Früchte reifen lassen. Ein Bromeliacenhaus dient zur Ananas-Cultur. In vielen Mistbeeten und kalten Kasten sieht man mannigfaltige Sorten von Kürbissen, Gurken und alle möglichen Arten Gemüsesämereien.“ An mehrere Stellen seien Spargelbeete angelegt, in Töpfen würden Feigen gezogen, an Spalieren rankten Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Äpfel, Birnen – optisch unterbrochen von bunten Sommerblumen.

Erhalten geblieben sind zwei in Fachwerk errichtete Weintreibhäuser (Kalthäuser) aus den Jahren 1876 und 1890 sowie das Orangenhaus (Warmhaus) von 1852. Hermann Willebrand plante sie. Er ließ das langgestreckte Warmhaus für kälteempfindliche, exotische Pflanzen im Sichtbereich des Schlosses auf den Gewölben eines Vorgängerbaus errichten. Das Haus ist im italienischen Landhausstil gehalten, soll einen südländischen Eindruck vermitteln. Die Form der Schornsteine, die Fenster, die gesamte Gliederung und der damalige Bewuchs mit Rank- und Schlingpflanzen erinnerten an Bauten englischer Landschaftsgärten. Dominant sind zwei Türme, die erst zur Bundesgartenschau anhand von historischen Fotos rekonstruiert wurden. Zu DDR-Zeiten wurde das Orangenhaus als Büro genutzt. „Die Farbigkeit aller drei Gebäude orientiert sich an den restauratorischen Befundgutachten“, schreibt Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach. „Bei den Arbeiten kam unter dem größeren der beiden Kalthäuser ein Gewölbekeller des 17. Jahrhunderts zu Tage, der wohl zu einem der ersten Bauten innerhalb des ehemaligen Küchengartens zählt und von der langen Nutzungskontinuität des Areals für die Bedürfnisse des Hofes zeugt.“

Der obere Hofküchengarten mit Weinberg, massiven Treib- und Konservierhäusern war indes weniger ertragreich und sollte Ende des 19. Jahrhunderts abgestoßen werden. Verpachtungsversuche um 1876 scheiterten aber. Stattdessen bekundeten finanzkräftige Bürger ihr Interesse, hier Häuser zu bauen. Im Dezember 1906 wurde ein Bebauungsplan für das Gebiet vorgelegt.

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