Bahlenhüschen : Köhler kehren zurück in die Lewitz

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Holzkohle wird geerntet: Nachdem der Meiler geöffnet wurde, verteilen die Köhler das Material zum Löschen und Abkühlen. Werner Mett (3)

So muss es auch vor 300 Jahren in der Waldlewitz gerochen haben: Freunde der Forstscheune Bahlenhüschen und Fachleute aus dem Harz beleben alte Handwerkstradition neu - die Herstellung der Holzkohle.

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18. Juni 2012, 10:44 Uhr

Bahlenhüschen | So muss es auch vor 300 Jahren in der Waldlewitz gerochen haben: Starker Räucherduft zieht vom Holzmeiler über den Forsthof Bahlenhüschen. Qualm umhüllt die in Schwarz und Rot gekleideten Frauen und Männer ein, während sie den Meiler öffnen und die Holzkohle auseinander ziehen. In der Neuzeit verfolgen zahlreiche Schaulustige das Spektakel, das im 21. Jahrhundert erst zu drittem Mal hier zu erleben ist. Anfang der 18. Jahrhunderts war der Köhler wahrscheinlich unbeobachtet und ganz allein, als er Brennstoff für die Glashütte herstellen musste. "Wir wollen eine Handwerkstradition neu beleben, die zur Waldlewitz gehört", sagt Cornelia Weiß, Vorsitzende des Vereins Forstscheune Bahlen hüschen. 2007 gab es die Premiere, im Vorjahr eine Wiederholung und nun die dritte Auflage. Inzwischen ist bei den 35 Mitgliedern des Vereins die Leidenschaft erwacht, einige haben sich beim Köhlern schon eine Menge von den Profis aus dem Harz abgeschaut. "Das ging in diesem Jahr super", erzählt Hartmut Thienen vom Köhlerverein aus der Harzstadt Hasselfelde. Mit seiner Ehefrau Brigitte war er für eine Woche in die Waldlewitz gekommen, um gemeinsam mit den Mecklenburgern den Meiler aufzuschichten, zu entzünden, zu überwachen, abzulöschen und die Holzkohle zu ernten. Zwischen dem Anfeuern am vorigen Montag und dem Öffnen des Meilers am Sonnabend gaben die Fachleute aber auch Schülern, Seniorengruppen und Tagesgästen auf dem Forsthof Bahlenhüschen gerne Auskunft über das Herstellen von Holzkohle auf diese traditionelle Art. "Der Harz ist dafür auch heute noch eine Hochburg", erzählt Hartmut Thienen. Vier- bis fünfmal im Jahr ist der 68-Jährige aber auf Achse, köhlert bei Freunden anderer Vereine. "An der Forstscheune fühle ich mich richtig wohl - wir sind eine große Familie."

Dass es am Sonnabend beim Öffnen des Holzmeilers nun gerade heftig regnete, konnte die Stimmung nicht trüben. "Die Kohle ist super geworden", sieht der Fachmann auf den ersten Blick. Allerdings hätte die Menge größer ausfallen können. Ein Viertel der im Meiler aufgeschichteten Erlenscheite ist nicht verkohlt. Das Holz muss aussortiert werden. Thienen verwundert das nicht. Denn jeder Brand ist anders. Und mit Erlen hat der 68-Jährige keine Erfahrung. "Keiner bei uns im Köhlerverein hat je mit Erlen gearbeitet", ergänzt er. Doch in der Waldlewitz gehört die Erle zu den charakteristischen Bäumen. Und solche Holzkohle wurde in der Glashütte hier verwendet. Überliefert ist, dass das Waldglas aus solchen Bränden einen bläulichen Schimmer hat. Deshalb wollte der Forstscheunen-Verein gern mit Erle arbeiten. Im Winter hatte die Mitstreiter bei minus 20 Grad das Holz dafür geschlagen. Die in der Neuzeit hergestellte Holzkohle ist aber nicht für eine Glashütten bestimmt. Sie landet auf dem Grill. Als Wermutstropfen empfanden es zahlreiche Besucher beim Köhlerfest am Sonnabend, dass sie die Kohle nicht gleich kaufen konnten. Schuld daran waren die Regentropfen. "Die Kohle muss trocken sein, bevor wir sie eintüten können", erläutert Thienen. Der Verkauf wird jetzt über das Forstamt Friedrichsmoor organisiert. Der Erlös dient zur Deckung der Kosten. "Das steht aber nicht im Vordergrund", betont Cornelia Weiß. Uns geht es um die Traditionspflege." Die Vereinsvorsitzende will sich noch nicht festlegen, ob es 2013 wieder ein Köhlerfest gibt. Das werden die Vereinsmitglieder im Herbst entscheiden.

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