Ohne einkommen : Knapp bei Kasse in die Rente

Das Schweriner Jobcenter am Margaretenhof betreute im Dezember 3819 der insgesamt 4796 arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer in der Landeshauptstadt.
Das Schweriner Jobcenter am Margaretenhof betreute im Dezember 3819 der insgesamt 4796 arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer in der Landeshauptstadt.

Von der Arbeitslosigkeit in den Ruhestand: Jobcenter-Kunden müssen in der Übergangszeit zwei Monate von Hartz IV leben

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12. Januar 2016, 23:11 Uhr

Sie solle sich doch ein finanzielles Polster anlegen. Diesen Rat bekam eine Schwerinerin im Jobcenter der Landeshauptstadt. Am 1. März wechselt die dann 63-Jährige vom Hartz-IV-Bezug in die  Rente. Das Problem: Die erste Rentenzahlung erfolgt erst Ende März.  Anfang Februar bekommt die Schwerinerin zum letzten Mal  Hartz IV. „Wie soll ich mit dem Geld zwei Monate auskommen?“, fragt sie.

Etwa 500 Euro  hat die noch 62-Jährige im Monat zur Verfügung – aus einem kleinen Job und ergänzender  Leistung vom Jobcenter.  Mit dem Geld komme sie einen Monat lang gerade so über die Runden, berichtet sie. „Ein finanzielles Polster kann ich mir davon aber auf keinen Fall anlegen.“

Was also tun? „Das Jobcenter kann in solchen Fällen auf Antrag ein Darlehen gewähren“, erklärt der Sprecher des Schweriner Jobcenters, Ronald Wenk. Viele Betroffene scheuten allerdings die Antragstellung, weil das Darlehen selbstverständlich zurückgezahlt werden müsse – von einer Rente, die unter Umständen auch nicht gerade üppig sei. Auch die 62-jährige Schwerinerin möchte nicht mit Schulden in den Ruhestand starten. „Ich hoffe noch auf eine andere Regelung“, sagt sie.

Dass das Jobcenter versucht, Hartz-IV-Bezieher, Arbeitslose oder Aufstocker „in  Rente zu schicken“, sobald sich die Möglichkeit bietet, sei durchaus gängige Praxis, schildert Silvia Piechowski vom Schweriner Arbeitslosenverband. Und das Problem, das der Schwerinerin im beschriebenen Fall so großes Kopfzerbrechen bereitet, stelle sich fast jedes Mal. „Es ist  bedauerlich, dass  Jobcenter-Kunden auf dem Weg in die Rente in diesen finanziellen Engpass gebracht werden“, kritisiert Piechowski. Dabei gäbe es doch eine  einfache Lösung: Jobcenter und Rentenkasse müssten sich auf einen einheitlichen Zahlungstermin verständigen.

Kommentar: Unnötige Hängepartie

Wer in Rente geschickt wird,    taucht  nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf, braucht kein Hartz IV mehr. Klar, dass das Jobcenter diesen  Weg beschreitet, gesetzlich auf der sicheren Seite. Erwerbslose müssten bei einer vorzeitigen Rente sogar Abschläge akzeptieren, urteilte jüngst das Bundessozialgericht. Schmerzlich für die Betroffenen. Dass freilich bereits der Übergang in den Ruhestand zu einer finanziellen Hängepartie wird, weil Jobcenter und Rentenkasse  unterschiedlich zahlen, darf nicht sein.

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