Abwasserstreit Schwerin : Kleingärtnern stehts bis zum Hals

Auch in den Gärten am Fernsehturm kochen die Gemüter der Pächter hoch.
Auch in den Gärten am Fernsehturm kochen die Gemüter der Pächter hoch.

Nächste Runde im Abwasserentsorgungs-Streit: Gruben sind voll, werden von der WAG aber nicht geleert / Termine erst im Oktober

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05. Juni 2015, 08:00 Uhr

Abwasserentsorgung – das Wort was Schwerins Kleingärtner in Rage bringt. Sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Es brodelt in den Vereinen. Denn: Nicht nur die nun höheren Kosten für die Leerung der Sammelgruben durch die Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft (WAG) sorgen für Ärger, sondern besonders die Terminfindungsschwierigkeiten mit dem Unternehmen. Täglich laufen bei uns in der Redaktion die Telefone heiß, täglich beschweren sich Schweriner über die neue Handhabe.

„Früher hat es auf Zuruf mit Schuldt Senior geklappt. Heute sollen Termine mit zehn Tagen Vorlauf vereinbart werden“, sagt Hertha Kutschewski. Doch auch das klappe nicht. Sie habe mit der WAG telefoniert und einen Termin für Oktober vorgeschlagen bekommen. „Das Schlimme ist: Meine Nachbarin möchte Mitte Juni ihren 70. Geburtstag feiern. Sie bekommt sehr viele Gäste. Wo sollen die auf Toilette gehen? Die Behälter sind voll.“ Außerdem sei es auch eine Kostenfrage. Nicht jeder Rentner habe mal eben so viel Geld übrig. Früher sei es unkompliziert gewesen. „Wir haben bar gezahlt“, erklärt die Gärtnerin.

Genau das sagt auch Wolfgang Donner. „Wir haben eine Quittung bekommen und immer bar bezahlt.“ Und Donner berichtet außerdem, dass sein Gartenfreund Gerd Jankowski bereits im April einen Termin für sechs Gärten mit der WAG vereinbart hätte. „Der Termin wurde auch bestätigt, aber am Dienstag standen wir nun da und keiner kam.“ Einige der Kleingärtner hätten extra Urlaub genommen. „Wir haben von 8 bis 16 Uhr vergebens gewartet. So geht es doch nicht“, beschwert sich Donner.

Die Vorstandsmitglieder des Gartenvereins Erlengrund berichten von ähnlichen Problemen: „Kaum zu glauben, aber wahr, es ist nicht einfacher oder gar preiswerter geworden. Nein. Sogar viel teurer und vor allen Dingen organisatorisch ein Desaster.“ Die Verantwortlichen seien einfach nicht in der Lage, kurzfristig zu reagieren. Bei den verlangten Preisen müsse die Entsorgung wie früher auf Zuruf erfolgen. „Es ist absolut nicht möglich die Sammelgrube eines Kleingartens zu einem Abfuhrtermin nachzumelden.“ Das bringe die Planung bei der WAG durcheinander. Ein Termin an einem Sonnabend wurde einfach nicht eingehalten. „Der Termin wurde extra für die Berufstätigen vereinbart und die WAG hat ihn ohne Vorwarnung zum Platzen gebracht“, so das Vorstandsmitglied Frank Haidan.

Ein weiterer Kleingärtner ärgert sich darüber, dass früher die Firma Schuldt das Abwasser abgefahren hätte. „Es war der Senior und heute fährt die gleiche Firma ab, nur für die WAG. Das ist Abzocke.“

Mit diesem Irrtum kann Bernd Nottebaum, stellvertretende Bürgermeister, aufräumen: „Herr Schuldt jun. ist Mitarbeiter der WAG. Also fährt nicht das gleiche Unternehmen wie früher ab. Sondern die WAG, die einfach das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat und damit auch den Zuschlag.“ Außerdem vermute er vorsichtig, dass in der Vergangenheit auch Abfahrten unter der Hand stattgefunden hätten. Deswegen wäre es vielleicht kostengünstiger gewesen.

Kommentar der Autorin: Die Blase drückt

Der Sommer steht vor der Tür. Die Kleingärtner wollen grillen. Gemütlich zusammensitzen. Und das im liebevoll hergerichteten Garten. Doch die  Zeit zu genießen fällt schwer, wenn die Blase drückt und die Toilette nicht genutzt werden kann. Die Gruben sind voll, werden aber von der WAG nicht abgefahren. Termine soll es erst im Oktober geben – schlimmer als einen Arzttermin zu bekommen. Bei der Vergabe an die WAG spielte anscheinend ein gewisses Organisationstalent keine Rolle.

Streit in der Kleingartenanlage "Einigkeit": Höhere Kosten und kaum Termine für Abwasser-Abfuhr verärgern die Parzellenbesitzer.

Posted by Zeitung für die Landeshauptstadt - News aus Schwerin & Umgebung on Mittwoch, 3. Juni 2015

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