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Biberwanderung : „Kleiner Förster“ mit gutem Biss

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auch an der Stör bei Consrade sind die Biber zuhause – Entlang des Ufers zeugen Dutzende Fraßspuren von ihrer täglichen Arbeit

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erstellt am 16.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Der Winter hat die Lewitz mit einer dichten weißen Schneeschicht bedeckt. Doch wird es bald noch kälter? „Das wird uns der Biber verraten“, sagt Marcus Rudolf und führt 22 Leute bei bestem Sonnenschein und knackig frostigen Temperaturen durch die Wiesen hinter Consrade in Richtung Stör. Zur Biber-Tour hat der Naturschutzbund (Nabu) eingeladen. Ob sich der „kleine Förster“, wie Rudolf ihn nennt, auch zeigt, sei ungewiss. Immerhin ist er nicht gerade für seine gute Sehkraft bekannt, aber einen feinen Geruchssinn und ein gutes Gehör habe der Biber durchaus. Rudolf, Experte in Sachen Biber, hat schon reichlich Erfahrung mit dem Tier gesammelt. „Wenn der Wind günstig steht, dann kann man ihm ganz nah kommen, denn der Biber ist extrem kurzsichtig“, weiß der Nabu-Mitarbeiter.

 Die Kälte am Sonnabend und der starke Frost, der den Schnee unter den Schuhen laut knacken und knirschen lässt, minimiert die Chancen, den Biber zu Gesicht zu bekommen. Doch Rudolf hat vorgesorgt. In dem kleinen grünen Rucksack, den er auf den Rücken geschnallt hat, ist alles rund um das Tier in Bild, Gips und auch kleinen Döschen festgehalten. „Das ist das sogenannte Bibergeil“, sagt er und öffnet eine kleine Dose mit beige-braunen Klumpen. Ein stechender Geruch wie altes Maschinenöl entströmt. „Früher wurde es als Heilmittel bei Potenzstörungen und vielen anderen Dingen genutzt. Heute findet es noch Anwendung in der Homöopathie“, erklärt Rudolf. Der Biber nutze das fetthaltige Sekret zur Fellpflege und zum Markieren seiner Reviergrenze. Ein Raunen geht durch die Reihen, als er zum Vergleich Vorder- und Hinterpfoten als Gips-Abdrücke zeigt.

Acht Minuten braucht der Biber für fünf Zentimeter dicke Stämme.
Acht Minuten braucht der Biber für fünf Zentimeter dicke Stämme. Foto: Katja Müller

„Wie groß ist denn so ein Biber überhaupt?“, fragt Gerda Schrank. Sie und ihre Bekannte Manuela Ullrich-Hermenau hatten sich spontan für die Biberwanderung entschieden, denn die Fraßspuren hat sie oft bestaunt, aber einen Biber selbst noch nie live gesehen. Das blieb ihr zwar auch am Sonnabend verwehrt, doch nun weiß die Consraderin, dass ein ausgewachsenes Tier gut 1,35 Meter lang werden kann. „Und davon sind dann 35 Zentimeter allein der Schwanz“, erläutert Rudolf. Je älter der Biber, desto größer sei er. Biber würden ihr ganzes Leben wachsen und das sei zwischen 12 und 20 Jahre lang. Es sei denn, dem Nager werde vorher der Garaus gemacht. Denn der Biber habe neben den natürlichem Feind wie beispielsweise dem Wolf, nur noch einen Gegner: den Menschen.

#Auch Marcus Rudolf kennt die Vorbehalte gegen den Biber, kennt die Probleme von angefressenen Harthölzern wie beispielsweise bei Gädebehn. „Das ist sehr ärgerlich für die Forstwirtschaft, aber der Biber gehört zur Natur dazu. Er würde auch nie sein Revier komplett zerstören“, sagt der Naturschützer. Rudolf gibt auch zu bedenken, dass nicht alle Schäden in einem Biberrevier auch von diesem stammen: „Wo Biber wohnen, da sind Fischotter nie weit. Fraßspuren an Bäumen können zudem durch Hasen entstehen. Die Schuldfrage ist nicht immer mit einem Blick zu klären“, betont er. Für geplagte Forstleute hat Rudolf dennoch einige Tipps: „Die Bäume könnten mit einem Maschendraht gesichert werden, ein Elektrozaun würde helfen, denn der Biber läuft nur maximal 20 Meter von seiner Burg weg zur Futtersuche und es gibt noch ein Mittel, dessen Geruch den Biber fern halten soll.“ Hundertprozentige Garantien gäbe es allerdings nicht.

Dass auch nicht alle Landwirte dem großen Nager gegenüber freundlich eingestellt sind, kann Rudolf ebenso verstehen. „Sicher ist es ärgerlich, wenn Wiesen überflutet werden, doch mit einer Art Drainage lässt sich auch dieses Problem lösen“, sagt er und merkt zugleich an, dass zunächst der Bauer den Schaden zu tragen hat. „Aber das ist nun einmal Natur“, schiebt Rudolf hinterher.

Und was ist nun mit dem Winter? „Der Biber hat ordentlich Schlamm auf die Burg gepackt und alles verschmiert“, sagt Rudolf. Das sei ein klares Zeichen dafür, dass es demnächst noch kälter wird.

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