Crivitz : Kleine Stadt mit vielen Geschichten

Zahlreiche Crivitzer nutzten die Gelegenheit, um mit den SVZ-Mitarbeitern – hier Redakteurin Katja Frick (2. v. l.) und Janette Schilling vom Vertrieb (r.) – ins Gespräch zu kommen.
Zahlreiche Crivitzer nutzten die Gelegenheit, um mit den SVZ-Mitarbeitern – hier Redakteurin Katja Frick (2. v. l.) und Janette Schilling vom Vertrieb (r.) – ins Gespräch zu kommen.

Die SVZ-Umlandredaktion war auf ihrer Tour zu Gast in Crivitz. Die Stadtbewohner erzählten von sich und was sie bewegt.

svz.de von
12. Juli 2018, 05:00 Uhr

Wir hatten am Mittwoch unseren Stand auf dem Marktplatz in Crivitz noch nicht ganz aufgebaut, da standen schon die ersten SVZ-Leser vor uns. Sie waren unserer Bitte gefolgt und hatten ihre Geschichten mitgebracht. Günther Schierling erzählte, dass er in der Großen Straße, in der wir uns gerade befanden, vor fast 86 Jahren geboren wurde, in dem Haus neben der Apotheke. Bis auf sieben Jahre sei er immer in Crivitz geblieben. Er ist einer der letzten Einwohner, die noch bewusst das Kriegsende miterlebt haben in der Kleinstadt, in deren Nähe die russischen und amerikanischen Truppen im Mai 1945 die Reste der Deutschen Wehrmacht aufrieben. „Einige Bomben sind auch auf Crivitz gefallen. Den ersten Toten habe ich als Dreizehnjähriger vor dem Alten Postamt liegen sehen. Eine andere Bombe ist auf die Stelle gefallen, wo heute das Gebäude mit der Raiffeisenbank steht.“ Als russische Soldaten in Crivitz am 2. Mai einmarschierten, sei er mit seinen Freunden dorthin gelaufen. Andere Einwohner hätten Angst gehabt und sich das Leben genommen, er selbst weiß von zehn. Schade sei, dass von den 40 Mitschülern, mit denen er zusammen 1945 die Schule in Crivitz besucht habe, inzwischen nur noch drei übrig seien.

A. Grambow berichtete uns, wie sie Ende der 60-er Jahre an jedem Sonntagabend auf dem Fahrrad die zwölf Kilometer samt Gepäck aus ihrem Heimatdorf Demen zur Erweiterten Schule nach Crivitz fuhr und am Sonnabendnachmittag wieder zurück. „Meine Eltern hatten ja wie die meisten DDR-Bürger kein Auto. Deshalb war ich froh, die Woche über im Internat zu sein. Das war eine tolle Zeit. Wir haben viel zusammen unternommen .“ In Crivitz habe sie dann auch ihren späteren Mann kennengelernt und sei dorthin gezogen.

Helmuth Schröder, der zweite stellvertretende Bürgermeister, der sich gerade für die Aufstellung einer Friedensglocke auf dem Gasberg stark macht, blickte für uns auf die Zeit der DDR-Friedensbewegung in Crivitz zurück. „Auf dem Armeegelände in Demen waren in Hallen die russischen Raketen mit Atomsprengköpfen stationiert. Altbischof Heinrich Rathke, einer der wichtigsten Protagonisten der DDR-Friedensbewegung, war ab 1983 Pfarrer in der Crivitzer Stadtkirche. Bei den Montagsdemos in Schwerin liefen im Block aus Crivitz immer 60 bis 80 Menschen mit.“

Alle SVZ-Leser, die wir fragten, lobten die regionale Berichterstattung der Umlandredaktion seit unserer Lokaloffensive.

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