Kleidung aus Zeitungspapier : Kleine Modemacher im Museum

Leonie, Hendrik und Aliena (v.l.) basteln sich Sandalen.
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Leonie, Hendrik und Aliena (v.l.) basteln sich Sandalen.

In der Galerie Alte Meister entdecken Ferienkinder Kunst auf ganz besondere Weise

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30. Juli 2014, 22:00 Uhr

„Natürlich könnte ich mit der Gruppe in den Malsaal gehen. Aber hier sehen sie die Gemälde und in dieser Atmosphäre sollten sie sich auch ausprobieren können, das ist ein ganz neuer Lernort“, sagt Daniela Melzig, freie Mitarbeiterin des Staatlichen Museums, und schaut in die Runde. Unter dem fast 250 Jahre alten Bild der englischen Königin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz sitzen die Mädchen und Jungen aus dem Rostocker Hort Augustenstraße auf kleinen Kissen im Kreis und lauschen aufmerksam. Die Sieben- bis Zehnjährigen sind alle zum ersten Mal in der Galerie der Alten Meister des Staatlichen Museums. Die Kunst an den Wänden soll die Kleinen zu einer Zeitreise verleiten und ihnen anschaulich zeigen, wie sich die Menschen in vergangenen Epochen gekleidet haben – und dann selbst loslegen.

Die Atmosphäre des Museums greift schnell auf die Kinder über. Aufmerksam hören sie zu und erfahren von Daniela Melzig, dass es früher nicht nur Funktionalkleidung gab, so wie wir es heute kennen, sondern auch Kleidung entsprechend der Standesunterschiede. Sie erklärt den Kindern ein Korsett und den typischen Reifrock, der fast 200 Jahre lang die Mode bestimmte.

Und dann geht es schon selbst ans Gestalten – mit Papier. Das hat das Museum aus dem Verlagshaus unserer Zeitung bekommen, Papier, das nicht mehr für den Druck geeignet war. „Für viele Kinder ist es neu, Papier zu falten, zu reißen, in Form zu bringen“, berichtet Melzig aus ihrer Erfahrung. Auch diese Übungen seien ein museumspädagogischer Ansatz. Ganz nebenbei erwerben die Vorschüler noch Sozialkompetenz: Wie verhalte ich mich richtig im Museum ? Zum zunächst langweiligen, trockenen Museumsbesuch wird durch das spielerische Entdecken von Bildaussage und das eigene Nachmachen ein positiver Bezug hergestellt. „Und wir können einen Beitrag zur Entwicklung und Festigung der Feinmotorik der Kinder leisten“, erklärt Melzig. Hinzu komme das Kunsterlebnis: Die Kinder können in den Gemälden auf eine Reise in die Vergangenheit gehen und Vergleiche zum heutigen Leben ziehen. „Die Kinder gehen auf Spurensuche, aber sie hinterlassen auch selbst Spuren, indem sie gestalten“, erklärt sie. Und das machen die Mädchen und Jungen mit Freude.

Ihre Aufgabe: Eine Sandale aus Papier soll entstehen. Unter alten Gemälden sitzend, knicken, reißen, falten und kleben die Kinder das Zeitungspapier. „Sie lernen dabei auch durch eigenes Handeln, dass etwas Schönes entstehen kann, selbst wenn es nichts kostet“, sagt Museums-Mitarbeiterin Daniela Melzig. Sie animiert die Kinder, den zweiten Schuh zu Hause selbst herzustellen oder noch einmal ins Museum nach Schwerin zu kommen. Und sie sollen ihre Sandale weiter verschönern – sie beispielsweise besticken und anmalen oder eine Gummisohle darunter kleben. Und auch die Horterzieherinnen fordert sie auf, die Kinder dabei zu unterstützen. „Wenn sie heute wieder nach Hause fahren, dann haben sie mit ihrer selbst gebastelten Sandale auch ein Stück Museum dabei, das sie in ihre normale Umgebung bringen“, erklärt Melzig stolz. Und genau das ist der Ansatz, den das museumspädagogische Ferienprogramm hat. Und beim nächsten Mal stehen vielleicht Röcke auf der Bastelliste. Das Programm heißt schließlich „Vom Hut bis zur Sohle“.

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