Wittenförden : Kleine Mathestunde im Gemeindehaus

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Matthias Eberhardt erklärt den Wittenfördenern die Finanzlage ihres Dorfes

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15. April 2018, 23:00 Uhr

Zahlen. Zahlen. Zahlen. Wer hört schon gern zu, wenn der Chef vom Finanzausschuss über den Gemeindehaushalt referiert. Wenn er über Hebesätze, Schlüsselzuweisungen und über Pro-Kopf-Verschuldung spricht. Und das auch noch am Wochenende, wo man ausschlafen und mit der Familie ausgiebig frühstücken könnte. Doch in Wittenförden ist am Sonnabendmorgen der Gemeindesaal voll, als Bürgermeister Manfred Bosselmann und sein Stellvertreter und Finanzexperte Matthias Eberhardt punkt 10 Uhr zur Einwohnerversammlung begrüßen.

„In den Gemeindevertretersitzungen sind wir ja meistens unter uns“, sagt Bosselmann. „Wir finden es aber wichtig, dass auch die Menschen im Dorf erfahren, wie es um die Gemeinde steht. Wie viel Geld in unserem Topf ist und wofür wir es ausgeben wollen.“

Die gute Nachricht schickt er gleich vorweg: „Wir sind dauerhaft leistungsfähig. Das ist uns aus Schwerin bescheinigt worden“, sagt Bosselmann. Die schlechte Nachricht folgt: Wittenförden muss in diesem Jahr mit 600 000 Euro weniger als im Vorjahr auskommen. Das daraus resultierende Minus im Haushalt von 273 000 Euro könne man aber aus Rücklagen ausgleichen.

Warum Wittenförden weniger Geld zur Verfügung hat, erklärt Matthias Eberhardt, Leiter des Finanzausschusses, mit dem anhaltenden Rückgang der Einwohner. Heute leben in Wittenförden 2549 Menschen, das sind 10 Prozent weniger als im Jahr 2005. Jeder Einwohner weniger bedeute weniger Steuereinnahmen und Landeszuweisungen. Allein in diesem Jahr, so Eberhardt, gehen dem Dorf bei der Einkommenssteuer etwa 100 000 Euro verloren. Außerdem halte die Gemeinde an ihren moderaten Hebesätzen für die Gewerbesteuer der 189 ortsansässigen Unternehmen fest.

Trotz der schlechteren Haushaltslage will Wittenförden dieses Jahr investieren: der Schulhort muss erweitert werden, die Kita braucht einen Anbau, die Schule bekommt neue Smartboards für 29 000 Euro, für die Wartung der Rogahner Straße und der Straße zum Hof Wandrum sind 25 000 Euro eingeplant, am alten Pumpenhaus soll für 20 000 Euro eine neue Bushaltestelle mit Wartehäuschen entstehen. Wieder sind 15 000 Euro für die Erstausstattung für Familien mit Neugeboren vorgesehen, und auch an der Schul-tütenprämie von 50 Euro für jedes eingeschulte Kind will die Gemeinde festhalten.

Wegen des Platzproblems im Hort soll es nun kommenden Donnerstag eine Sondersitzung geben. Bosselmann: „Dann müssen wir entscheiden: Kaufen wir Container oder bauen wir an.“




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