Die Nähgruppe von Nebenan : Kleine Kunstwerke aus Stoffresten

Haben Spaß beim Nähen: Inge Pietsch, Katrin Staak, Gabi  Heitmann, Karin Offen, Gerda Czilwa und Sabine Peters (v.l.).
1 von 2
Haben Spaß beim Nähen: Inge Pietsch, Katrin Staak, Gabi Heitmann, Karin Offen, Gerda Czilwa und Sabine Peters (v.l.).

„Wittenfördener Patchwork-Schachteln“ pflegen traditionelles Handwerk und treffen sich jeden Dienstag im Gemeindehaus

svz.de von
18. Dezember 2013, 16:00 Uhr

Vornehmlich Weihnachtssterne und Elche wollen die Frauen der Patchwork-Gruppe Wittenförden in diesem Monat anfertigen. „Das sind weihnachtliche Motive, die kommen im Familienkreis immer gut an“, meint Katrin Staak. Sie leitet die Gruppe, der weitere sechs Frauen angehören: Elfriede Malotka, Karin Offen, Karin Heitmann, Sabine Peters, Inge Pietsch und Gerda Czilwa. Drei sind aus Wittenförden, zwei aus Schwerin und zwei aus Sülte bzw. Retgendorf.

Die „Wittenfördener Patchwork-Schachteln“, wie sie sich selbst nennen, gibt es seit zwei Jahren. Die meisten aus dieser Runde haben sich während eines Kurses in Schwerin kennen gelernt. Jede von ihnen wollte an der Volkshochschule ihre Patchwork-Kenntnisse vertiefen. Doch der Lehrgang brachte nicht das, was sie eigentlich erwartet hatten. So haben sich die Frauen spontan zusammengefunden. Katrin Staak: „Wir haben unsere Gruppe vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Seitdem treffen wir uns jeden Dienstagnachmittag im Gemeindehaus Wittenförden. Jeder bringt seine Nähmaschine mit. Andere wichtige Utensilien wie Bügelbrett, Bügeleisen, Schneidematte, Lineal oder Rollschneider haben wir uns gemeinschaftlich angeschafft. Das dürfen wir im Gemeindehaus aufbewahren, um das Ganze nicht jedes Mal mitnehmen zu müssen.“

Und weil Katrin Staak in der Gruppe die meisten Patchwork-Erfahrungen hat, bringt sie die meisten Ideen und Vorschläge ein. Nicht nur das. Sie gibt auch praktische Ratschläge. Und wenn erstmal die Nähmaschinen surren, ist schon vieles geschafft. Denn das eigentliche Nähen der Einzelteile, aus denen später das „Flickwerk“ entsteht, nimmt längst nicht die Zeit in Anspruch wie die Vorbereitung. „Ein Motiv zu finden, die Stoffe auszuwählen und auszuschneiden, das Füllmaterial zurechtzulegen – all das braucht wesentlich mehr Zeit“, weiß die Wittenfördenerin.

Das Nähen macht ihr seit frühester Kindheit Spaß. „Ich habe schon mit fünf an der Nähmaschine gesessen. Und in der 10. Klasse konnte ich in der Schule sogar einen Nähkurs besuchen. Dort habe ich erstmals nach Schnittmuster gearbeitet“, erinnert sich die heute 47-Jährige. Ihre Leidenschaft fürs Nähen führte dazu, dass Katrin Staak Täschnerin wurde. Genau genommen Facharbeiterin für Lederverarbeitung. Den Beruf hat sie in Berlin gelernt. Gearbeitet hat Katrin Staak als Täschnerin allerdings nicht. Warum? „Weil das Kreative dabei zu kurz kommt.“ Die Berlinerin war beim Rat des Stadtbezirks Prenzlauer Berg in der Verwaltung angestellt, nähte aber abends gern zu Hause Kindersachen. Das machte sie auch später noch gern, nachdem sie zu ihrem Mann nach Demen gezogen war. Dort schneiderte sie sogar Kostüme für die Karnevalisten.

Aber irgendwann wollte Katrin Staak etwas Neues ausprobieren. Sie fing an, sich mit Patchwork zu beschäftigen, einer Form der Textiltechnik, bei der Stoffreste verarbeitet werden, um Neues anzufertigen. Ein erster Kurs an der Volkshochschule half ihr dabei. Der zweite später nicht mehr. Inspirationen für ihr Hobby holt sie sich heute aus Zeitschriften oder im Austausch mit anderen Gleichgesinnten. Mit ihrem Patchwork-Virus hat sie die Frauen der Dienstags-Runde längst angesteckt. „Wir sind nur nicht so flink wie sie“, meint Karin Offen (66). Ansonsten sei dies eine schöne Freizeitbeschäftigung, die jede von ihnen auch zu Hause pflegt. Zu sehen, wie aus Einzelstücken ein kleines Gesamtkunstwerk entsteht, das macht auch Elfriede Malotka (74) aus Schwerin Freude. In der Vergangenheit entstanden so schon Eulen, Igel, Katzen als Deko-Figuren, aber auch Gänse-Türstopper, Kissen und Platzdeckchen. Die Frauen schmücken mit ihren Patchworkarbeiten Brotkörbe, Taschentuch-Boxen und diverse Behälter für Stifte, für Blumentöpfe…

Die Deko-Sachen sind für das eigene Heim bestimmt oder bereiten anderen eine Freude. Katrin Staak bietet ihre Arbeiten zudem auf Märkten an. „Ich nähe nach wie vor gern und auch viel.“ Sie sei fast jeden Abend im eigenen Nähzimmer zu Hause, ihr Mann leiste ihr auf der Couch Gesellschaft und nebenher laufe der Fernseher. „Von den Patchworkerinnen gibt es ja den Spruch, dass sie süchtig nach Stoff sind und an der Nadel hängen“, sagt sie 47-Jährige scherzhaft. Apropos Stoff. Der Verbrauch kann enorm sein. Um nicht immer neuen kaufen zu müssen, nutzen die Frauen ausrangierte Männerhemden, Blusen oder Hosen. Als Füllstoff dienen in der Regel Watte oder Stoffreste. Den entstandenen Figuren ist die Herkunft des Stoffes keineswegs anzusehen. Wer ahnt zum Beispiel, dass der Stoff für die liebreizenden Deko-Igel oder -Schnecken aus einem Oberhemd stammen. Eine Auswahl ihrer Patchwork-Arbeiten zeigte Katrin Staak beim Adventsmarkt im Gemeindehaus Wittenförden, den sie selbst initiierte. Der sei so gut angekommen, dass sie nun überlege, im Frühjahr einen Ostermarkt zu veranstalten.

Gemeinsam haben die Patchworkerinnen auch schon 130 Herz-Kissen für Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, genäht. Diese Kissen können unter den Arm geklemmt werden und lindern dort den Wundschmerz. Gefreut über diese Spende haben sich Patientinnen der Schweriner Helios-Kliniken.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen