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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 13:17 Uhr

Lübstorf : Kleine Körner für den Weltmarkt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bringt der Weizen gute Qualitäten, wird in die weite Welt verschifft – Lübstorfer Agrargenossenschaft verkauft 90 Prozent ins Ausland

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Regen, Regen und noch mehr Regen. Alles keine guten Aussichten für den Weizen auf den Feldern in der Region. „Was der Regen an Masse gebracht hat, haben jetzt die Pilze gefressen“, sagt Hansjörg Rotermann mit etwas sarkastischem Unterton. Der Wettergott ist den Landwirten derzeit alles andere als hold. Doch Rotermann und seine Mitstreiter von der Agrargenossenschaft Lübstorf  sind Regenzeiten im Sommer gewohnt. „Ist ja nun auch nicht das erste Mal, dass wir einen nassen Sommer haben. Wird schon werden“, meint der Zickhusener. Immerhin sei der Weizen noch nicht schwarz. Und das, so Rotermann, gebe ihm und seinen mecklenburgischen Berufskollegen doch noch Hoffnung auf  gute Erträge. Gegen einen Ernte-Start in wenigen Tagen  hätte er jedoch nichts einzuwenden.

 1500 Hektar der Agrargenossenschaft Lübstorf wurden im vergangenen Herbst mit Weizen bestellt. Dessen Ähren stehen  jetzt in einem teilweise noch grün-goldigen Ton dicht an dicht auf den Feldern unter Dauerberegnung. Als so genannter B-Weizen kam das Saatgut in die Erde, als Brotweizen soll das Getreide  in wenigen Tagen  das Land verlassen. „Wir produzieren für den Weltmarkt. Deutscher Weizen ist gefragt, weil wir hohe Qualitäten erzielen, die andere Länder gar nicht erreichen können“, erklärt Rotermann. Besonders gute Absatz-Chancen für hochwertigen Weizen gebe es im Mittleren und Nahen Osten wie  in Teilen Afrikas. In Ländern wie Saudi Arabien und dem Jemen, aber auch in Nigeria oder Südafrika werde deutscher Weizen geschätzt und gut bezahlt. Mit einer der Hauptgründe, warum  90 Prozent des Lübstorfer Weizens aufs Schiff gehen und dann in die weite Welt reisen.

Welche Preise mit dem Weizen erzielt werden, hänge von Verhandlungen, Verkaufszeit und  stark von der Qualität ab. Für ein Drittel der Ernte hat Rotermann bereits Vorkontrakte abgeschlossen – eine feste Abnahme und vor allem einen festen Preis ausgemacht. „Wir warten jetzt  die Ernte ab und schauen uns die Preise an. Sind die gut, verkaufen wir das nächste Drittel sofort“, sagt der Landwirt. Das letzte Drittel werde eingelagert.

Forderungen nach regionalen Märkten hält der Bauer  für „absoluten Blödsinn“. Hansjörg Rotermann weiß, dass in Deutschland viel mehr Getreide angebaut als benötigt wird. „Das ist auch gut so. Wenn wir die Menschen in den benachteiligten Ländern nicht versorgen, kommen noch mehr her“, sagt er mit Nachdruck  und reagiert ungehalten auf Vorwürfe, wie  beispielsweise von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter,  die deutsche Landwirtschaft sei für die Flüchtlingskrise verantwortlich. „Ich diskutiere gern mit Leuten, die Ahnung haben. Aber wenn keine Kompetenz vorhanden ist, sollen die sich bitte   raushalten. Ich mische mich doch auch nicht in medizinische Angelegenheiten ein und sage einem Arzt, was er zu tun hat“, betont der Landwirt.

Läuft die Ernte gut, könnten  mit dem Ertrag auf seinen Flächen   39 Prozent der Haushalte in MV mit dem durchschnittlichen Brot-Bedarf versorgt werden. Denn dieser ist mit rund 46 Kilogramm pro Haushalt  im Jahr (2015) angegeben. Der Durchschnitts-Ertrag von einem Quadratmeter Getreidefeld liegt bei 16 000 Körnern. Diese sind nötig, um ein 1-Kilogramm-Brot zu backen, allerdings nur mit Weizenmehl. Bei all der Theorie setzt Hansjörg Rotermann  allerdings lieber auf die Praxis, wartet auf Sonne und gute Weizenpreise. Denn momentan liegt dieser bei 169,50 Euro pro Tonne. „Wir hoffen auf  Erträge zwischen  acht  und neun  Tonnen pro Hektar.“   Er hofft wirklich, denn am Wetter kann auch Hansjörg Rotermann nichts ändern.

 

 

 

 

 

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