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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 01:17 Uhr

Historisches Schwerin : Klein-Klein Rogahn in Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kurioses und Außergewöhnliches in der Landeshauptstadt – heute: eine Exklave im Westen der Stadt

von
erstellt am 15.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Jeder Einwohner glaubt natürlich, seine Stadt zu kennen. Uns Schwerinern geht es nicht anders: Das Schloss, die Sport- und Kongresshalle, das Werderholz, die Lankower Berge – alles wohl bekannt. Doch überall gibt es Kurioses, Außergewöhnliches, Unbekanntes. Auch in der Landeshauptstadt. Ein Fluss unter Wohnhäusern, ein Flugzeugmotor im Wohnzimmer, merkwürdige Haunummerierungen sind solche Kuriositäten. Auch einen Klein Rogahner Exklave gehört dazu.

Wer auf der Umgehungsstraße zwischen Görries und Neumühle unterwegs ist, verlässt Schwerin für eine kurze Zeit, fährt 500 Meter durch Klein Rogahn und ist dann wieder in Landeshauptstadt. Bemerken kann man das nicht – es gibt keine Ortseingangsschilder. Ein Blick auf die Karte zeigt aber: auf dem Schweriner Stadtgebiet gibt es eine gut zwölf Hektar große Fläche, die zu Klein Rogahn gehört. Und über dieses Areal verläuft nicht nur die Umgehungsstraße, hier gibt es auch einige Kleingärten, die zur Sparte Nuddelbach gehören.

Die Klein Rogahner Exklave ist ein Überbleibsel der mecklenburgischen Verwaltungsstruktur von vor 1918. Görries und das benachbarte Klein Rogahn waren Domanialdörfer, gehörten also dem Großherzog und waren meist verpachtet. Das gut 500 Einwohner zählende Görries wurde im Jahr 1917 nach Schwerin eingemeindet. Dadurch wäre es dazu gekommen, dass Klein Rogahner Domanialland auf Schweriner Stadtgebiet gelegen hätte. Das aber war rechtlich nicht möglich. Deshalb wurde die Klein Rogahner Exklave gebildet.

Jahrzehntelang störte dieser Zustand niemanden. Erst Mitte der 1990er-Jahre unternahm der damalige Oberbürgermeister den Versuch, die kommunale Zuständigkeit für die Fläche nach Schwerin zu holen. Das Eigentum an den etwa zwölf Hektar sollte bei der Gemeinde Klein Rogahn bleiben. Doch da spielte die Klein Rogahner Gemeindevertretung nicht mit. Sie befürchtete, von der Landeshauptstadt übervorteilt zu werden. Es war die Zeit, als Schwerin erstmals laut über Eingemeindungen nachdachte und die Umlandgemeinden der Stadt nicht sehr wohlwollend gegenüber standen.

Aktuell soll das Thema auch nicht noch einmal angefasst werden, ist aus der Stadtverwaltung zu hören. Wenn es an der Stelle allerdings irgendwann Planungen der Stadt geben sollten, wird es schwierig. Denn dann muss Klein Rogahn die Zustimmung geben. Umgekehrt ist es genauso.

So beeinflusst ein Klecks auf der Landkarte aus Großherzogs-Zeiten noch heute das Agieren einer Kommune.

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