Unruhestand : „Klausi – geht nicht, gibts nicht“

Die letzten Handgriffe: Die Infotafeln für den Schlosspark Willigrad müssen noch fertig werden. Sie sind der letzte Großauftrag für Klaus Dombrowski.
Die letzten Handgriffe: Die Infotafeln für den Schlosspark Willigrad müssen noch fertig werden. Sie sind der letzte Großauftrag für Klaus Dombrowski.

Mit der ersten Bewerbung bei der PGH Werbung hat der Schweriner 49 Jahre im gleichen Betrieb gearbeitet– heute ist aber Schluss

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27. August 2015, 21:00 Uhr

„Ich bin doch noch nicht gebrechlich. Jetzt schon Rentner, das geht nicht“, scherzt Klaus Dombrowski. Seine blauen Augen leuchten. Viele Nächte hat er wachgelegen und gegrübelt. Zu sehr hängt sein Herz am Betrieb. Aber heute ist es nun doch so weit: Nach 49 Jahren verabschiedet sich der Schweriner aus dem Arbeitsleben der Werbeunion im Schweriner Ziegeleiweg. Am 1. September 1966 hat er seine Lehre bei der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Werbung begonnen. „Bei den Malern. Das war damals noch neben dem Marstall“, erinnert sich der 63-Jährige. Ebenso wie an seinen Lehrausbilder. „Burmeister. Das war damals schon ein alter und sehr strenger Mann. Aber wir haben viel gelernt“, sagt Dombrowski. Einen Satz hat er über all die Jahrzehnte beherzigt: „Klausi – geht nicht, gibts nicht. Das hat er mir eingetrichtert“, sagt er und muss lachen.

Denn mit diesem Satz im Hinterkopf hat Klaus Dombrowski so manche Bredouille erfolgreich gemeistert. „Zu DDR-Zeiten war das Material oft knapp. Da wurde aus der Not eine Tugend“, erklärt der Schweriner. Ob das auch sein Erfolgsrezept für die 49 Jahre in einem Unternehmen sind? Klaus Dombrowski zuckt mit den Schultern. „Wirklich toll ist nur, dass ich in meinem Leben bisher nur eine einzige Bewerbung geschrieben habe. Die für meine Lehrstelle.“ Auch eine Kündigung hat er noch nie in den Händen gehalten. Lediglich unter neun verschiedenen Chefs gearbeitet. Angefangen hat Klaus Dombrowski mit seiner Lehre 1966 bei der damaligen PGH Werbung. 1972 übernahm die Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft (Dewag) das Unternehmen. Nach der Wende wurde aus dem Betrieb mit Malern, Schriftenmalern, Tischlern und Messebauern die Werbeunion. „Ja, man hat so einiges mitgemacht. Aber es waren schöne Zeiten, ich bin stets gern zur Arbeit gekommen“, versichert Dombrowski, der neben vielen großen erfolgreichen Aufträgen auch eine sehr kurze Liste an Krankentagen vorweisen kann. „Wann ich das letzte Mal krank war? Ich weiß es gar nicht“, betont der 63-jährige Lankower.

In seiner Freizeit spielt der Sport eine große Rolle. „Ich fahre viel Rad, jogge und war des Öfteren beim Fünf-Seen-Lauf dabei“, erzählt Dombrowski. Im nächsten Jahr geht er wieder an den Start. Dafür will er seine neugewonnene Freizeit auch nutzen. „Endlich mehr Sport“, sagt er und klatscht freudig in die Hände.

Im nächsten Moment schaut er sehr nachdenklich. „Ich werde meine Kollegen vermissen, die Farben, das Arbeiten mit den Leuten. Es wird mir schon fehlen. So wirklich mag ich nicht dran denken“, sagt Klaus Dombrowski. So ganz aufhören, das könne er nicht. Deshalb hat er auch mit seinem Chef, Ronald Zorn hat die Werbeunion 2003 übernommen, eine weitere Beschäftigung ausgehandelt. „Ich werde als geringfügig Beschäftigter hier weitermachen – aber als Hausmeister“, erzählt er und sein Lächeln kehrt zurück. Und eines werde aber bleiben: seine Erinnerungen. „Es waren stets schöne Zeiten, ob Montagen in Moskau und im Palast der Republik zu DDR-Zeiten oder die Großaufträge der vergangenen Jahre. Ich war immer mit Enthusiasmus dabei.“ Und auch heute noch nimmt sein geschultes Auge jede kleine Abweichung war. „Hängt etwas nur einen Millimeter zu hoch oder zu tief – ich sehe das genau“, versichert er. Auch jetzt, im Ruhestand, werde er bei jeder Tafel und jedem Werbeaufkleber genau hinschauen – mit seinen strahlend blauen Augen.

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