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Schwerins Nahverkehs-Chef hört auf : Klatt: „Solides Unternehmen übergeben“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Norbert Klatt beendet vorzeitig seinen Geschäftsführer-Vertrag beim Schweriner Nahverkehr und geht Ende August in den Ruhestand

von
erstellt am 19.Jan.2017 | 21:00 Uhr

„Ich habe überhaupt keinen Rentenplan. Aber ich freue mich darauf, dass ich tun kann, was ich möchte“, sagt Norbert Klatt und lächelt. Was für fast alle völlig überraschend kam, hat sich der Chef des Schweriner Nahverkehrs reiflich überlegt. Der dienstälteste Geschäftsführer eines kommunalen Unternehmens wird am 31. August seinen Sessel im Haselholz räumen und „bis dahin meinem Nachfolger ein solide aufgestelltes Unternehmen übergeben“.

Ende vergangener Woche hatte Klatt die beiden Gesellschafter des Unternehmens, die Stadt und die Stadtwerke Schwerin, informiert, dass er seine Geschäftsführertätigkeit zum 31. August aus persönlichen Gründen vorzeitig beenden möchte. Sein Vertrag als Geschäftsführer würde regulär erst 2019 enden. Am Mittwoch hat der Aufsichtsrat der Nahverkehr Schwerin GmbH und der Mecklenburgischen Verkehrsservice GmbH Schwerin in einer Sondersitzung seinem Wunsch entsprochen, vorzeitig aus den Unternehmen auszuscheiden.

Parallel hat der Aufsichtsrat die notwendigen Beschlüsse zur Gewinnung eines neuen Geschäftsführers gefasst und einen Personalausschuss gebildet. Der Ausschuss wurde mit der Durchführung des Auswahlverfahrens beauftragt. Die Geschäftsführer-Stelle wird öffentlich ausgeschrieben.

Dem Personalausschuss gehören neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Gert Rudolf (CDU), dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Bemmann (SPD), der Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Josef Wolf und der Geschäftsführer der städtischen Beteiligungsverwaltung, Matthias Dankert, an.

Für Norbert Klatt sollte der neue Geschäftsführer vor allem „ein Mensch sein, der den Nahverkehr lebt“. Das kommunale Unternehmen bräuchte keinen Verwalter, „sondern einen Chef, der weiß, wovon er redet“. Dass ein geeigneter Bewerber gefunden werde, daran hat Klatt keinen Zweifel, sagt er. „Der Schweriner Nahverkehr ist ein attraktives Unternehmen und Schwerin bietet ein hervorragendes Umfeld zum Leben“, so Klatt, der 1995 vom Hauptabteilungsleiter Bus zum Geschäftsführer des Unternehmens aufgestiegen war.

Damals war der Nahverkehr weit entfernt davon, als solides Unternehmen bezeichnet zu werden. 28 Millionen Mark Defizit standen zu Buche. Kaufinteresse am Anlagevermögen gab es. Die Zukunft war unsicher. Heute ist gerade zum dritten Mal die Busflotte auf den neuesten Stand gebracht worden. Sämtliche Stromleitungen für die Bahnen und alle Weichen sind neu, der Betriebshof ist in bestem Zustand, im vergangenen Jahr gab es gerade erneut eine Steigerung der Fahrgastzahlen um eine halbe Million und das Drittgeschäft – unter anderem Werkstattarbeiten beispielsweise für die SAS oder das Bewirtschaften von Parkflächen für Stadt und Land – spült Geld ins Unternehmen und gleicht so die Defizite aus dem Bus- und Bahnverkehr aus. „Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören“, sagt Klatt. „Jetzt kann ich gesundheitlich noch alles machen. Und ich kann meinem Nachfolger etwas Ordentliches übergeben.“

Vor drei Jahren, als er in der Kritik stand, weil Ehefrau, Sohn, Tochter und Schwiegersohn im Unternehmen beschäftigt sind, wollte Klatt nichts vom Aufhören wissen. „Ich gehe lieber, wenn alles in Ordnung ist“, sagt Klatt, der sämtliche der damaligen Vorwürfe der Vetternwirtschaft ausräumen konnte (SVZ berichtete). „Und das ist jetzt.“

Und dann? Garten und Gesellschaftsspiele? „Ich bin kein Spiele-Typ“, sagt Klatt lachend. „Aber ich werde garantiert nicht an Langeweile sterben.“

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