Musikstunde : Klassik in der Turnhalle

Gruppenbild mit Cello: Ella van Poucke und die Viertklässler der Fritz-Reuter-Schule Fotos: Taken (4)
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Gruppenbild mit Cello: Ella van Poucke und die Viertklässler der Fritz-Reuter-Schule Fotos: Taken (4)

Zwischen ihren Festspiel-Auftritten gibt Cellistin Ella van Poucke ein Intermezzo für die Crivitzer Fritz-Reuter-Grundschüler

svz.de von
06. Juli 2014, 12:00 Uhr

Klassik im Klassenzimmer, nein, diese Unterrichtsräume sind zu klein, wenn alle Jungen und Mädchen der Crivitzer Fritz-Reuter-Schule Ella van Poucke kennen lernen wollen. Aber die Turnhalle des Horts nebenan, die reicht aus für eine kleine Lehrstunde in Sachen Klassik. Ella van Poucke sitzt auf einem Stuhl, hält ihr Cello fest und konzentriert sich. Dann streicht sie den Bogen über die vier Seiten und entlockt dem Instrument Töne, die Johann Sebastian Bach vor knapp 300 Jahren für seine sechs Suiten zu Papier gebracht hat. Der Klang füllt die Turnhalle aus, die Schüler der vierten Klasse sind mucksmäuschenstill. Klassische Musik, live, gespielt von einer Musikerin, die mit ihren 20 Jahren gerade einmal doppelt so alt ist wie die Vierklässler, die jetzt aufmerksam zuhören.

Es ist ein ungewöhnliches Gastspiel, das die Cellistin aus Amsterdam in der mecklenburgischen Kleinstadt gibt. Gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Klavierspieler Nicolas van Poucke, ist sie zum dritten Mal Gast bei den Festspielen MV und hat jetzt zwei Auftritte in der Nachwuchsreihe „Junge Elite“. Zwischen den Konzerten im Schloss Basthorst und dem Auftritt in der Schweriner Schelfkirche hat sie noch Zeit für dieses Intermezzo in der Schule. „Eines der Ziele dabei ist es“, sagt Christoph Forsthoff, „die Kinder an klassische Musik heranzuführen“. Christoph Forsthof ist Initiator des gleichnamigen Cellofonds und hat die Verbindung zwischen Schule und Musikerin hergestellt. Jetzt sorgt er dafür, dass die Jungen und Mädchen viel über Ella und ihre Musik erfahren. „Ella steht am Anfang einer großen Karriere und gehört zu den vielversprechendsten Cellistinnen ihrer Generation“, lässt er den Nachwuchs wissen.

Ella erzählt, dass sie aus einer musikalischen Familie stamme. Der Vater ist ein Trompeter, die Mutter spielt Bratsche, die Schwester Geige, ein Bruder Klavier. „Und mein anderer Bruder ist Tänzer“, sagt sie. Mit vier Jahren habe sie angefangen, Geige zu spielen, mit sechs Cello. „Das fand ich spannender“. Spannend finden auch die Schülerinnen Lian und Cecilia die junge Künstlerin. Und sie haben – wie viele andere Viertklässler auch – viele Fragen. „Wann hast du dein erstes Konzert gegeben?“, will Lian wissen. „Da war ich acht Jahre alt“, sagt die Niederländerin, die derzeit in der Cello-Akademie im hessischen Kronberg studiert. Die Kinder erfahren, dass sie als Sechsjährige ihr erstes Cello bekommen hat. Ein Viertel-Cello, nicht sehr viel größer als eine Geige. Sie erfahren auch, dass Ella im Schnitt fünf Stunden am Tag übt, rund 50 bis 60 Konzerte im Jahr spielt, gerne auch mal Pop- oder Rockmusik hört und das es früher gar nicht so einfach war, mit dem größeren Bruder gemeinsam zu spielen. „Das hat erst nicht gut geklappt, aber dann haben wir festgestellt, dass wir gut miteinander musizieren können“, erzählt die bereits preisgekrönte Musikerin, die schon in vielen großen Häusern Europas gespielt und vor vier Jahren selber mit ihrem Bruder ein Kammermusikfestival in Amsterdam gegründet hat.

Für die stellvertretende Schulleiterin Ines Becker ist dieser Besuch etwas außergewöhnliches: „Klassik kann man am besten entdecken, wenn man sie mal live erlebt hat“, sagt sie. Ella van Poucke live erleben, das konnten an diesem Vormittag auch die Erst- und Zweitklässler, die in den Genuss einer Unterrichtsstunde der besonderen Art gekommen sind. Nur die Drittklässler, die waren schwimmen. Aber vielleicht kommt die Niederländerin ja noch mal zu den Festspielen und nach Crivitz. Klassik in der Turnhalle – gegen eine Wiederholung hätte keiner etwas einzuwenden.

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