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Industriebrachen in Schwerin : Klärwerk im Dornröschenschlaf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Industriebrachen in Schwerin – heute: Die Kläranlage an der Bornhövedstraße könnte zum Wohn- oder Freizeitstandort entwickelt werden

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erstellt am 10.Mär.2017 | 10:00 Uhr

Einst gingen Hunderte dort zur Arbeit, die Produktionsstätten waren aus dem Alltag der Schweriner nicht wegzudenken. Heute sind es nur noch dem Verfall preisgegebene Industriebrachen. In dieser Woche nehmen wir fünf davon unter die Lupe – heute: die Kläranlage in der Bornhövedstraße.

Unsere Altvorderen wussten genau, was sie tun: Das erste Klärwerk Schwerins wurde an der tiefsten Stelle der Stadt gebaut – an der Bornhövedstraße. Es ging 1908 in Betrieb.

Doch die Kläranlage funktionierte nicht immer einwandfrei. Ältere Schweriner Wassersportler können sich noch gut an unappetitliche Dinge erinnern, die vor dem Ufer auf dem Wasser dümpelten. Das änderte sich auch nicht, als 1974 die Kläranlage in Süd in Betrieb ging. Denn die war für die Reinigung der Abwässer der Industriebetriebe und aus den Plattenbauten auf dem Dreesch konzipiert. Erst der Bau einer Druckleitung von der Bornhövedstraße nach Süd brachte einige Entlastung. Erst 1994 – die Kläranlage in Süd war auf dem neuesten Stand der Technik – ging das alte Klärwerk in der Werdervorstadt endgültig außer Betrieb.

Heute wird nur noch ein ehemaliger Sandfang als Rückhaltebecken genutzt, in einem unscheinbaren Gebäude laufen die Druckpumpen, die das ankommende Abwasser nach Süd befördern. Die historischen Backsteinbauten aber stehen leer. Der Hof wird als Parkplatz genutzt. Einzig das ehemalige Verwaltungsgebäude direkt gegenüber der Einmündung der Walther-Rathenau-Straße wird derzeit zum Wohnhaus umgebaut.

„Wir könnten auf unsere Anlagen in der Bornhövedstraße verzichten“, sagt Lutz Nieke, Werkleiter der Schweriner Abwasserentsorgung. Dann könnte das Gelände entwickelt werden. Doch davon ist derzeit keine Rede.

Vor Jahren noch gab es Diskussionen um die Entwicklung des attraktiven Wassergrundstücks. Wohnen, Wassersport, Freizeitanlagen – vieles war im Gespräch. Stichwort: Schwerin ans Wasser heran bauen. Doch es gab immer wieder ein Aber. Denn die Stadt hat keinen freien Zugriff auf das Klärwerksgelände.

Vor Jahren wurden alle Abwasseranlagen der Stadt an Investoren in den USA verleast und dann zurück gemietet. Dadurch sparten die US-Firmen Steuern. Sie gaben einen Teil ihres Gewinns an die Stadt weiter. Das spülte immerhin mehr als 20 Millionen D-Mark in die chronisch leere Stadtkasse. Ein so genanntes Cross-Boarder-Leasing-Geschäft. Will die Stadt jetzt aber irgend etwas auf dem Klärwerksgelände an der Bornhövedstraße verändern, muss sie die Amerikaner fragen.

„Die Verträge umfassen nur ,notwendige Anlagen’“, sagt Lutz Nieke. „Die jetzt noch in Betrieb befindlichen Becken sind aber nicht mehr zwingend ,notwendig.“ Sie könnten aus dem Leasing-Vertrag herausgenommen werden. „Das ist möglich, aber zeitaufwändig“, so der Werkleiter. Denn es müsste mit den Anwälten in den USA verhandelt werden. Geschätzte Dauer: etwa zwei Jahre. Ein überschaubarer Zeitraum. Doch Baudezernent Bernd Nottebaum sagt:„Der Standort Bornhövedstraße hat als Entwicklungsareal für die Stadt derzeit keine Priorität.“

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