Duale Ausbildung in Schwerin : Kitas müssen Erzieher ausbilden

Kitas sind begehrt. Damit es auch genügend qualifizierte Erzieher gibt, soll es künftig eine verkürzte duale Ausbildung geben.
Kitas sind begehrt. Damit es auch genügend qualifizierte Erzieher gibt, soll es künftig eine verkürzte duale Ausbildung geben.

Per Gesellschafterbeschluss hat OB Rico Badenschier angewiesen, dass die Kita gGmbH Plätze für neue Ausbildung anbieten muss

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29. Juni 2017, 05:00 Uhr

Will Oberbürgermeister Rico Badenschier jetzt per Dekret und ohne die gewählten Stadtvertreter im Vorfeld zu informieren die Stadt regieren? Jedenfalls hat er mit einem so genannten Gesellschafterbeschluss die städtische Kita gGmbH verpflichtet, mindestens neun Plätze für die neue duale Erzieherausbildung bereitzustellen. Wie der Oberbürgermeister selbst sagte gegen den Widerstand von Geschäftsführerin Anke Preuß. Badenschiers Argument: Es gäbe in Schwerin 13 Bewerber für diese Ausbildung, aber nur vier hätten einen Ausbildungsplatz. Damit könne in der Landeshauptstadt keine Berufsschulklasse aufgemacht werden. Das dürfe nicht sein. In den anderen größeren Städten sei das schon jetzt möglich.

Für die neue Erzieherausbildung – ein von der SPD vorangetriebenes Projekt – gibt es bisher noch keine gesetzliche Grundlage. Es ist noch nicht geklärt, wie lange die Lehrlinge in der Berufsschule und wie lange in der Kita sind. Ob in den Kindertagesstätten spezielle Ausbilder vorhanden sein müssen, wie bei anderen Berufsausbildungen – unklar. Ebenfalls offen: Wer übernimmt die Kosten? Als Lehrlingsgeld sind 850 Euro im Gespräch, dazu kämen die Gemeinkosten des Arbeitgebers. Ob das Land die Kosten trägt, steht nicht fest. Diese Bedenken und das Risiko für die Kita gGmbH hatte Anke Preuß dem Oberbürgermeister nach dessen eigenen Worten vorgetragen. Doch der hatte die Einwände offenbar vom Tisch gewischt mit dem Hinweis, es werde Durchführungsbestimmungen geben. So lange es aber kein Gesetz gibt, gibt es die auch nicht.

Dass er den Gesellschafterbeschluss gefasst hat als die Geschäftsführerin im Urlaub war, begründete Rico Badenschier mit „einem gewissen Zeitdruck“. Am 1. Juli müssten die Ausbildungsklassen stehen, so der OB. Warum er die Geschäftsführerin nicht per Mobiltelefon informierte, sagte er nicht.

Auf SVZ-Nachfrage gestand Badenschier ein, dass die Kita gGmbH auch perspektivisch gar keinen Fachkräftebedarf hat – die Ausbildung also über den eigenen Bedarf hinaus erfolgen würde. Und dass es noch viele Unklarheiten gibt, ist er bereit hinzunehmen. „Dann haben wir eben einen holprigen Start.“

Angesprochen auf die Kosten für die duale Ausbildung und wer sie übernehmen wird, konnte Badenschier keine Auskunft geben. „Die Zusatzkosten kann ich nicht beziffern.“ Aber die Kita gGmbH könne die problemlos übernehmen. „Das ist ein hoch liquides Unternehmen.“ Das ändert aber nichts daran, dass die Kosten – nur für das Lehrlingsentgeld wären das rund 100 000 Euro im Jahr – in die Kita-Gebühren eingerechnet werden müssten.

Auch in der Stadtvertretung sorgt die OB-Entscheidung für Unmut. Die neue Ausbildung gehe zu Lasten der Kinder, sagte Helmut Holter von den Linken. „Sie lassen sehenden Auges zu, dass das Bildungsniveau in der Kita gGmbH den bach runter geht“, so CDU-Vertreterin Susanne Herweg.

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