Erzieher-Ausbildung in Schweriner : Kita-Träger sorgt sich um Qualität

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Schweriner Kita gGmbH will sich an geplanter dreijähriger Erzieher-Ausbildung im Land vorerst nicht beteiligen

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13. Juni 2017, 05:00 Uhr

Die Neuregelung ist noch nicht in Kraft,
aber für die städtische Kita gGmbH steht bereits fest: Sie wird sich an der geplanten dreijährigen Ausbildung von Erziehern vorerst nicht beteiligen. Der Personalbedarf werde mit Kräften gedeckt, die die bisherige vierjährige Ausbildung durchlaufen hätten, sagt die Pädagogische Leiterin der Kita gGmbH, Anke Bruhn-Kokles. Zu groß seien die Bedenken gegen das neue Modell. Die Entscheidung der Kita gGmbH hat Gewicht: Mit gut 20 Einrichtungen und mehr als 300 Mitarbeitern ist sie der mit Abstand größte Träger von Kindertagesstätten in der Landeshauptstadt.

Am Sonnabend hatten in Rostock etwa 200 Kindergärtner, Pädagogen und Gewerkschaftsmitglieder gegen die von der Landesregierung noch in diesem Jahr geplante Einführung einer verkürzten Fachkraftausbildung für Erzieher protestiert (SVZ berichtete). Hauptkritikpunkt der Gewerkschaften: Die Ausbildung wäre deutschlandweit einzigartig, eine Anerkennung des Abschlusses in anderen Ländern nicht sicher, junge Leute würden absichtlich weniger qualifiziert, damit sie im Land blieben.

„Die Landesregierung plant ein Spargesetz zu Lasten der Erzieher und der Kinder“, moniert Gabriele Will, langjährige Kita-Leiterin und Betriebsrätin bei der Kita gGmbH. Sie sieht durch die vorgesehene Novellierung des Kindertagesstättenförderungsgesetzes die Qualität der Ausbildung und der Arbeit in den Kitas in Gefahr.

Bislang ist die Erzieherausbildung in MV rein schulisch organisiert und dauert vier Jahre. Bei der geplanten so genannten Praxisintegrierten Ausbildung sollen Erzieher nur noch drei Jahre lang ausgebildet werden, um für die Arbeit mit Kinder bis zehn Jahren befähigt zu sein. Geplant sind von Anfang an eine Einbindung in den betrieblichen Alltag in der Kita und eine Ausbildungsvergütung. Dafür sollen die Auszubildenden aber auch auf den Personalschlüssel angerechnet werden.

Ein Azubi mit 16 Jahren könne jedoch noch nicht die Verantwortung für eine Kita-Gruppe übernehmen, kritisiert Bruhn-Kokles. Außerdem würden die Auszubildenden an den Tagen, an denen sie zur Berufsschule gingen, den Einrichtungen nicht zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sei auch noch nicht genau geklärt, wer die Kosten für das neue Modell tragen und wie die Azubis angeleitet werden sollen, so die Pädagogische Leiterin.

Die Landesregierung will mit dem neuen Modell für einen schnelleren Nachschub von Fachkräften in Kitas sorgen, orientiert sich nach Angaben von Bildungsministerin Birgit Hesse an Erfahrungen in Baden-Württemberg. Ja, es gäbe einen großen Bedarf an Personal, bestätigt Bruhn-Kokles. So seien bei der Kita gGmbH zum neuen Kita-Jahr rund 20 Stellen zu besetzen. Aber die Erfahrungen aus dem Südwesten der Republik ließen sich nicht ohne weiteres auf den Nordosten übertragen. In Baden-Württemburg würden weitaus weniger Kinder von einer Erzieherin betreut als in MV, könnten Auszubildende leichter in die Abläufe in der Kita eingebaut und in der Berufsschulphase auch ersetzt werden, erläutert die Pädagogische Leiterin.

Kritisch wird bei der Kita gGmbH auch die Absicht der Landesregierung gesehen, etwa Hebammen und Logopäden den Zugang zum Erzieherberuf zu ermöglichen. MV dürfe bei der hohen Qualität der Erzieherausbildung keine Abstriche machen, mahnt Gabriele Will.

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