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Betreuungsgeld für Schwerin : Kita-Träger hält an PC-Kauf fest

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerin erhält fast 700 000 Euro Betreuungsgeld vom Bund – die Hälfte soll in bessere Arbeitsbedingungen der Erzieher fließen

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erstellt am 25.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Ist es richtig, die Hälfte des in diesem Jahr vom Bund zur Verfügung gestellten Betreuungsgeldes in Technik für die Kita gGmbH zu investieren, wie es eine interfraktionelle Arbeitsgruppe vorschlägt, oder sollten besser für ein halbes Jahr die Elternbeiträge für einen Krippenplatz um rund 50 Euro gesenkt werden, wie es die SPD-Fraktion möchte? Die Entscheidung trifft die Stadtvertretung.

„Das nicht verwendete Betreuungsgeld soll mittelfristig für die Verbesserung der Kinderbetreuung eingesetzt werden. Eine Elternentlastung wäre nur kurzfristig gesehen und die Eltern, die wenig verdienen und dadurch vom Elternbetrag befreit sind, hätten von diesem Geld nichts“, argumentiert der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Wolfgang Block.

Und er wirbt für den Kauf von Mini-PCs für den städtischen Kita-Träger: „Nach dem Kindertagesförderungsgesetz ist für die Erzieherinnen eine wöchentliche Arbeitszeit von 2,5 Stunden für die Dokumentation der Kinderentwicklung vorgesehen. Das geschieht nicht nur bei der Kita gGmbH bisher in Papierform. Dadurch liegt der tägliche Arbeitsaufwand tatsächlich viel höher.“ Durch den Einsatz der modernen Technik würde Arbeitszeit von rund 10 000 Stunden gespart, die für die Betreuung der Kinder eingesetzt werde.

Auch Kita-gGmbH-Geschäftsführerin Anke Preuß argumentiert mit dem Zeitfaktor, spricht darüber hinaus aber auch von den erweiterten Möglichkeiten, die detaillierte Arbeitsmappe für jedes Kind zu erstellen, die es zum Ende der Kindergartenzeit für jede Familie gibt – eine Dokumentation mit Bildern und Videos, die die Entwicklung des Kindes aufzeigen. „Ein Mini-PC mit der Möglichkeit der Fotografie und Videografie und einem funktionierenden Office-Programm mit standardisierten Vorlagen etc., der jeweils einer Gruppe – nicht jede Erzieherin – zugeordnet wird und stets und unmittelbar im Zugriff einer Erzieherin ist, stellt ein Arbeitsmittel zur Zeitersparnis und Qualitätsentwicklung dar“, so Anke Preuß.

Diese Entwicklungsdokumentation wird durch die Erzieherinnen über alle Betreuungsjahre hinweg erarbeitet. Sie dient unter anderem den Entwicklungsgesprächen mit Eltern. „Hilfreich hierbei ist, Videosequenzen über die Entwicklungsschritte des Kindes den Eltern zeigen zu können“, sagt die Kita-Chefin. „Eine zunehmende Rolle spielt auch die alltagsintegrierte Sprachförderung. Viele Kinder sprechen nicht mehr in ganzen Sätzen, aber auch Fachkräfte verwenden häufig – insbesondere in Stresssituationen – nur noch kurze Wortgruppen. Deshalb ist es neben anderen Methoden wichtig, dass eben auch die Videografie zum Einsatz kommt. Um einen regen und stetigen Fachaustausch zur Qualitätsentwicklung zu gewährleisten, ist es hilfreich sich selbst in Aktion zu erleben.“

Nach Vorstellung des Jugendhilfeausschuss-Vorsitzenden Block sollte die Kit gGmbH auch nur den Anfang machen. „Da auch für 2018 nicht verwendetes Betreuungsgeld für Schwerin bereitsteht, hoffe ich, dass auch andere Träger die Idee und dieses Projekt aufgreifen.“ Es ermögliche den Erzieherinnen, Qualität zu sichern und weiterzuentwickeln bzw. Zeitressourcen für die individuelle Förderung der Kinder zu schaffen. Das sieht auch die Kita-Chefin so: „Das Projekt ist nachhaltig, es kommt Mitarbeitern, Eltern und vor allem Kindern zugute.“

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