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Träger können die Erwartungen nur schwer erfüllen : Kita-Plätze: Eltern in der Warteschleife

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Janine Steinicke ist enttäuscht. Sie findet in Schwerin und Umgebung keinen Betreuungsplatz für ihren vierjährigen Sohn Finn-Hendrick. Obwohl sie einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz habe.

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erstellt am 05.Aug.2013 | 07:05 Uhr

Schwerin | Janine Steinicke ist enttäuscht. Die Heimkehrerin findet in Schwerin und Umgebung keinen Betreuungsplatz für ihren vierjährigen Sohn Finn-Hendrick - "obwohl ich mich in zehn Einrichtungen beworben, bei einigen sogar persönlich vorgestellt habe, gab es nur Absagen", sagt sie. Eigentlich hat die Mutter seit 1996 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz (§ 24 des SGB VIII, Artikel 1), seit 1. August gilt dieser sogar für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr für einen Sechs-Stunden-Betreuungsplatz. Aber die Realität sieht im Falle von Janine Steinicke anders aus - und auch die Rückkehrer-Agentur "mv4you" konnte der jungen Mutter nicht helfen.

Zwar hatte die Stadtverwaltung noch vor wenigen Wochen versichert, für jedes Kind einen Betreuungsplatz einzurichten. "Das lässt sich statistisch natürlich gut verkaufen", sagt Anke Preuß, Kaufmännische Geschäftsführerin der Kita gGmbH. Doch die Realität bei den Trägern der Krippen und Kindertagesstätten ist eine andere. In Schwerin werden jedes Jahr etwa 740 Kinder geboren. Bislang waren in Schwerin 40 Prozent der Kinder eines Jahrganges in Krippen betreut worden, theoretisch müssen jetzt für 100 Prozent Plätze geschaffen werden. "Aber nicht alle Eltern wollen ihr Kind in eine Krippe geben", so Anke Preuß. Also muss die Stadtverwaltung den künftigen Bedarf schätzen. Hinzu kommt, dass das System, nach dem die Träger Kinder aufnehmen und auf ihre Einrichtungen verteilen, "komplex" ist, wie Anke Preuß erklärt. Wenn mit Beginn des Schuljahres mehrere Kita-Kinder mit einem Schwung zu Schulkindern werden, gibt es in den Kindergärten viele freie Plätze. Diese werden allerdings nicht auf einen Schlag neu besetzt. Der Grund: Krippenkinder wechseln nicht gruppenweise in die Kita, "sondern jedes, wenn es das dritte Lebensjahr vollendet hat, also über das Jahr verteilt", erklärt Anke Preuß weiter. In der Folge verfügen Kitas zu Schuljahresbeginn noch über freie Plätze. Bis zu den Sommerferien müssen die Träger allerdings sehr flexibel auf die Bedürfnisse reagieren. Kurz vor den Sommerferien sind viele Kitas mehr als ausgebucht, bis mit dem neuen Schuljahr wieder ein Schwung Kita-Kinder zu Schulanfängern wird. "Träger müssen sehr flexibel auf die Bedarfe reagieren", sagt auch Thomas Tweer, Geschäfts führer des Diakoniewerks Neues Ufer. Wenn die Politik nun von der Stadt fordert, noch flexibler auf die Bedürfnisse der Eltern einzugehen, müsste diese Aufgabe wiederum von den Trägern umgesetzt werden. Doch diese stoßen schon jetzt an die Grenzen ihrer Kapazitäten. So werden die Plätze in Schwerin schon vorrangig an Eltern vergeben, die in der Landeshauptstadt gemeldet sind. Die Träger versuchen, Geschwister in derselben Einrichtung unterzubringen, wie Thomas Tweer bestätigt. "Wenn es geht, versuchen wir auch, die Wege für die Eltern so kurz wie möglich zu halten", ergänzt Anke Preuß.

Rückkehrerin Janine Steinicke hatte deutlich zu spüren bekommen, wie sehr die Träger unter Druck stehen. Für eine Vollzeitstelle war die junge Mutter extra aus Bayern zurück in den Nordosten gekommen. Mit Hilfe der Schweriner Volkszeitung hat sie inzwischen einen Kindergartenplatz beim Diakoniewerk für ihren Sohn Finn-Hendrick gefunden. Am 15. August kann sie ihren neuen Job antreten.

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