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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. August 2017 | 19:32 Uhr

Schwerin : Kita-Kosten sorgen für Gesprächsstoff

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kostensteigerung nach Sanierung der Kita „Die Kleinen Schulzen“: Streitgespräch zwischen Elternratschef Klein und Träger-Chef Mielke

Heute Abend soll der Hauptausschuss der Stadtvertretung beschließen, ob die Kita der Arbeiterwohlfahrt „Die kleinen Schulzen“ im Görrieser Schulzenweg die mit der Stadt neu ausgehandelten und jetzt wesentlich höheren Elternentgelte auch einfordern darf. Awo-Geschäftsführer Axel Mielke sagt, dass es Zeit wird, schließlich nutzen die Kinder bereits seit Juni vergangenen Jahres den sanierten Bau. Elternratsvorsitzender Ralf Klein kritisiert vor allem die Informationspolitik des Kita-Trägers und die Zeitabläufe. SVZ-Redaktionsleiter Timo Weber lud die beiden Hauptakteure zum Gespräch.

Axel Mielke: Wir haben im Juni 2011 beim Festempfang zum 40-jährigen Bestehen der Kita erstmals von der notwendigen Sanierung gesprochen. Da waren Sie auch dabei, Herr Klein. Noch ohne konkrete Rechnungen waren wir da von rund 1,5 Millionen Euro Investition ausgegangen. Dann haben wir geplant, gerechnet, nachgebessert und dabei regelmäßig den Elternrat mit ins Boot geholt. Im November 2012 wurde dann dem Elternrat alles vorgestellt, auch dass wir inzwischen von 1,8 Millionen Euro Kosten ausgingen.

Ralf Klein: Sie haben uns hübsche Bilder gezeigt. Dass wir als Elternrat ins Boot geholt wurden, davon kann nicht die Rede sein. Zur Elternratssitzung im November 2012 haben wir Sie eingeladen, mit der Bitte uns den aktuellen Stand der Planungen vorzustellen.

Mielke: Die „hübschen Bilder“ waren ein ausgearbeitetes Innenarchitektur-Konzept. Und wir haben Baukosten vorgestellt. Außerdem habe ich da bereits gesagt, dass die Eltern-Beiträge künftig 50 bis 100 Euro mehr betragen werden.

Klein: Daran kann ich mich nicht erinnern.

Mielke: Dann müssen wir künftig Protokoll führen. Auf jeden Fall stand mit dem Wiederbezug der Kita im Juni vergangenen Jahres fest: Die Sanierung hat tatsächlich 2,047 Millionen Euro gekostet. Diese Summe macht neben den gestiegenen Personal- und Betriebskosten den Betreuungsplatz teurer. Wir haben alle Unterlagen für die neuen Entgelte bereits im Juni im Jugendamt eingereicht.

Klein: Wovon wir nichts erfahren haben…

Mielke: …und haben bis Mitte November verhandelt. Am 28. November gab es die Bestätigung vom Jugendamt, am 17. Dezember ging die Vorlage in die Politik.

Klein: Erst dadurch haben wir von den zum Teil drastischen Erhöhungen für uns Eltern gehört, dass eben der Ganztags-Krippenplatz um mehr als 100 Euro teurer wird. Ich sage Ihnen ganz deutlich: Es gibt Eltern, die jetzt aufgrund der Kosten ihr Kind aus der Einrichtung nehmen müssen. Und das wird schwer. Denn neue freie Plätze in anderen Einrichtungen gibt es erst zum Schuljahresende im Sommer. Was, wenn diese Eltern keine Lösung finden? Deshalb wollen wir die Erhöhung nicht schon ab Februar, sondern erst ab März ansetzen. Und für die verbleibende Zeit bis zum Ende des laufenden Kindergartenjahres eine Staffelung, so dass die vollen Beträge erst ab August erhoben werden sollen.

Mielke: Wir verzichten doch schon seit acht Monaten auf eine angepasste Zahlung. Seit Juni nutzen Sie doch eine nach modernsten Maßstäben sanierte Kindereinrichtung. Und wir zahlen bereits seit Juni Zinsen und Tilgung für unsere Kredite. Wir sind Ihnen deutlich entgegen gekommen. Doch ab dem nächsten Monat muss das Geld endlich fließen.

Klein: Hätten wir im vergangenen Juni schon von der Erhöhung erfahren, hätten die Eltern sich darauf vorbereiten, jeden Euro dreimal umdrehen können. Glauben Sie mir: Es gibt Eltern, die nicht damit gerechnet haben, dass der Betreuungsplatz teurer wird.

Mielke: Wir haben großes Verständnis für die Eltern unserer Einrichtung. Deshalb haben wir den Elternrat rechtzeitig informiert. Außerdem ist zusätzlich ein Brief an alle Eltern rausgegangen, eben weil es nicht nur um zehn oder zwanzig Euro mehr geht. Dass das kurz vor Weihnachten erst passierte, ist unglücklich. Aber vorher hatten wir keine Zahlen.

Klein: Der Elternrat ist nicht dafür zuständig, Ihre Informationen zu transportieren. Wir sind nicht der verlängerte Arm der Awo-Geschäftsführung. Die Eltern haben erst durch den Brief von der Kostenexplosion erfahren.

Mielke: Der Elternrat spiegelt Probleme zur Kita-Leitung und zurück zu den Eltern, dafür ist er demokratisch gewählt. Sonst bräuchten wir ihn doch gar nicht.

Klein: Die Information ist schlicht nicht sauber gelaufen. Das ist ein Fakt. Ich persönlich kann die Erhöhung der Beiträge nachvollziehen. Das heißt nicht, dass ich sie gut finde. Aber ich denke, dass der Hauptausschuss heute Abend seine Zustimmung zur Erhöhung verweigern sollte. Dann können wir noch einmal ganz von vorne anfangen. Vielleicht stehen wir Eltern letztlich sogar schlechter da. Das weiß ich nicht. Aber wir könnten als Eltern von Anfang an mitreden. Diese Möglichkeit lässt das Kindertagesstättenfördergesetz schließlich auch zu. Deshalb muss heute eine Ablehnung zur Preissteigerung an der Kita „Die kleinen Schulzen“ her.

Mielke: Sollten die Mitglieder des Hauptausschusses die Vorlage jetzt ablehnen, werden wir die Schiedsstelle anrufen müssen. Ich glaube aber nicht, dass es so weit kommt. Denn es ist alles verhandelt. Der Jugendhilfeausschuss hat einstimmig dafür votiert. Außerdem würden wir bei einer neuen Aushandlung – im Gegensatz zu jetzt – natürlich alle unsere Kosten auflisten und rückwirkend den Eltern in Rechnung stellen. Das kann nicht ihr Anliegen als Elternvertreter sein.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 08:48 Uhr

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