Sperlings-retter : Kita-Kinder warten auf ihre Spatzen

„Komm, kleiner Piepmatz.“ Die Vorschulkinder der Kita „Kirschblüte“ wünschen sich eine Spatzenfamilie. Mit Ferngläsern halten sie nach den Vögeln Ausschau.
„Komm, kleiner Piepmatz.“ Die Vorschulkinder der Kita „Kirschblüte“ wünschen sich eine Spatzenfamilie. Mit Ferngläsern halten sie nach den Vögeln Ausschau.

Kleine Sperlingsretter gehen mit gutem Beispiel voran und bieten den bedrohten Singvögeln ein Zuhause – Mitstreiter gesucht

von
01. März 2014, 16:00 Uhr

Das fröhliche „Tschilp, tschilp, tschilp“ ist in Schwerin selten geworden. Dabei lieben Spatzen die Menschen, leben gern in bewohnten Gebieten und haben viele Fans – vor allem unter den kleinen Schwerinern. So wünschen sich die Vorschulkinder der Kita „Kirschblüte“, bald ein oder zwei Piepmatz-Familien in der Weststadt mit einem Spatzen-Reihenhaus ein neues Heim geben zu können. Die 19-jährige Luisa hofft, dass das Holzhaus bald bezogen wird und sie während ihres Freiwilligen Soziales Jahres mit den Mädchen und Jungen Vogelfamilien beobachten kann. In der hintersten Ecke des Kita-Geländes, ein bisschen verdeckt von Grün und hoch genug, damit die Katzen nicht rankommen, hängt einer von 50 Nistkästen in ganz Schwerin. Die Deutsche Wildtier Stiftung will mit der Aktion „Spatzenretter gesucht“ den Vögeln besseren Lebensraum schaffen.

Der Bestand dieser Singvögel hat sich in den vergangenen 25 Jahren um bis zu 50 Prozent reduziert. Er steht sogar auf der Vorwarnstufe der Roten Liste für gefährdete Brutvögel. Die Spatzen brüten gern bei den Menschen, bevorzugen Hohlräume, die sie an den vielen sanierten, glatten Hausfassaden einfach nicht mehr finden. Die fleißigen Vogeleltern ziehen bei guten Bedingungen pro Jahr bis zu vier Bruten mit jeweils drei bis sieben Küken auf. Anfang April geht es los. Nach zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die jungen Vogelkinder. Und so ein frisch geschlüpfter Piepmatz wiegt weniger als ein Stückchen Zucker, hat einen Bärenhunger und muss richtig viel futtern. Damit er groß und stark wird, stehen vor allem eiweißhaltige Insekten auf dem Futterplan. Das bedeutet allerdings viel Stress für die Eltern. Bis zu 400 Mal pro Tag fliegen Mama und Papa Spatz das Nest an. Dabei verfüttern sie bis zu 250 Insekten – und das jeden Tag. Weite Wege können die Erwachsenen dabei nicht auf sich nehmen. Sie suchen meist im Umkreis von 50 Metern um ihr Spatzennest herum nach Fressbarem. Leider gibt es inzwischen immer weniger Insekten, so dass das sympathische Geschwätz der Sperlinge nur noch selten aus den Büschen zu hören ist. Besonders lieben die Tiere dichte Hecken aus einheimischen Sträuchern wie Heckenrosen, Nutzpflanzen wie Brombeere und blühende Pflanzen wie Lavendel und Margeriten. Die erwachsenen Vögel, die bis zu 15 Zentimeter groß werden können, picken sich auch schon einmal gern ein paar Brotkrumen und nehmen ein ausgelassenes Wasserbad in Pfützen sowie extra aufgestellten Schalen. Sie sind sehr reinlich und lieben auch Staubbäder, um ihr Federkleid frei von Parasiten zu halten.

Wenn die Brutsaison im Herbst vorbei ist, verlassen die Haussperlinge nicht etwa ihr Häuschen. Sie beginnen schon im Oktober mit dem Großreinemachen und bereiten alles für das nächste große Brüten im Frühjahr vor. Familienbande sind stark bei den Sperlingen. Ein Paar bleibt meist ein ganzes Leben lang zusammen. Und wenn sie einmal ein Zuhause bezogen haben, richten sie sich dort dauerhaft ein. Für die Kita-Kinder der „Kirschblüte“ gibt es also das ganze Jahr über richtig viel zu beobachten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen