Schwerin : Kita gGmbH setzt aufs Wohlfühlen

Mittag im Haus Sonnenschein: Die Kinder werden zur Selbstständigkeit erzogen. Das Essen servieren die Kleinen selbst.
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Mittag im Haus Sonnenschein: Die Kinder werden zur Selbstständigkeit erzogen. Das Essen servieren die Kleinen selbst.

Bei der Suche nach neuen Erziehern wirbt das städtische Unternehmen mit weitaus mehr als Tarifgehalt

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08. August 2016, 12:00 Uhr

„Für die betroffenen Eltern und auch die Kitas und Tagesmütter, die Betreuungsanfragen absagen müssen, ist die Kinderbetreuungssituation in Schwerin eine sehr unerfreuliche. Insbesondere, wenn Mütter nach der Erziehungszeit wieder in den Beruf zurückkehren möchten und dann feststellen müssen, dass der gesetzliche Betreuungsanspruch des Kindes in Schwerin ins Leere läuft“, sagt Christian Feldmann vom Elternbund MV. „Wie ich hörte, gehen zudem Kita-Erzieherinnen altesbedingt in Rente, was die Kita-Träger vor Probleme stellt, Nachwuchspersonal zu gewinnen. Was nützt eine neu gebaute Kita, wenn dafür
kein Personal vorhanden ist?“

Zumindest bei der Kita gGmbH stellt sich die Lage nicht so dramatisch dar, wie der Elternbund befürchtet. „Wir haben uns weiter entwickelt“, sagt Kita-gGmbH-Geschäftsführerin Anke Preuß. Sie gibt aber auch zu, dass es zehn Jahre lang keine Neueinstellungen gegeben habe, was zu einer schwierigen Situation geführt habe. Doch inzwischen seien rund 180 Erzieherinnen eingestellt worden. Allein am Ende dieses Jahres werden es bis zu 28 sein, kündigt Preuß an.

Denn auch wenn die Fluktuation gering sei, mache doch die Verjüngung der Mitarbeiter ein neues Problem für die Personalplanung auf: Die jungen Erzieherinnen werden selbst Mütter. „Fast zehn Prozent unserer Mitarbeiterinnen befinden sich aktuell in der Schwangerschafts- oder Erziehungszeit“, sagt Preuß.

Hinzu komme, dass der ebenso verantwortungsvolle wie auch aufopferungsvolle Beruf es kaum ermögliche, tatsächlich bis zur Rente zu arbeiten. Erst recht nicht bis 73. „Nur die wenigsten schaffen es bis zum 65. Lebensjahr“, lautet die Erfahrung der Kita-gGmbH-Geschäftsführerin. Durchschnittlich zwischen dem 60. und dem 63. Lebensjahr wäre Schluss.

Und stapelweise Bewerbungen liegen auch heute noch nicht auf dem Tisch der kaufmännischen Geschäftsführerin. „Wir gehen deshalb früh an die Ausbildungsstätten und suchen den Kontakt mit den angehenden Erzieherinnen“, berichtet Anke Preuß. Gute Beziehungen würden mit der Beruflichen Schule der Stadt, mit der Ecolea und der Evangelischen Schule bestehen.

Und ist der Kontakt erst einmal da, brauche es oftmals nur wenig Überzeugungsarbeit. „Dennoch müssen wir noch mehr an unserem Marketing arbeiten“, sagt Anke Preuß. „Wir müssen mehr mit unserer Arbeitgeber-Marke werben.“ Denn der Ruf des Unternehmens in der Öffentlichkeit spiele bei jungen Absolventen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, welcher Träger der neue Arbeitgeber werden soll. Neben der Bezahlung nach Tarif punktet die Kita gGmbH im Wettlauf um Fachpersonal vor allem durch das Wohlfühl-Klima in den Teams der einzelnen Einrichtungen. Auch die internen Fortbildungskonzepte kämen an, sagt die Geschäftsführerin. Aber auch die Arbeitszeit spiele eine Rolle. „Und besonders wird von den jungen Erziehern geschätzt, dass wir in den Einrichtungen eine so breite Konzeptvielfalt haben. Das höre ich immer wieder“, sagt Preuß. Ob Sport-Kita oder zweisprachige Einrichtung – die Absolventinnen der Berufsschulen finden in den mehr als 20 Einrichtungen der Kita gGmbH fast immer etwas, was ihren persönlichen Neigungen entspricht. Und der Zulauf junger Erzieher zahlt sich für das städtische Unternehmen aus: Der Altersdurchschnitt der Erzieherinnen in der Kita-gGmbH liegt heute bei 43 Jahren.


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