Essensversorgung : Kita-Essen: Träger mauscheln weiter

Die Preise für Essen sollen steigen.
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Die Preise für Essen sollen steigen.

Eltern wissen noch nicht, wie viel sie vom kommenden Jahr an zahlen müssen

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24. November 2014, 08:00 Uhr

In 38 Tagen tritt sie in Kraft, die Neuregelung zur Kita-Essen-Versorgung. Dann müssen die Einrichtungen für eine vollwertige und gesunde Vollverpflegung sorgen (SVZ berichtete). Doch noch gibt es viele Fragen, mehrere Umsetzungsmöglichkeiten und zahlreiche Meinungen.

Die Träger der Einrichtungen haben bereits gemeinsam an einem Tisch gesessen und beraten. Wunder Punkt ist die Abrechnung: Die pauschale 17-Tage-Regel soll nach SVZ-Recherchen eine Idee des Jugenddezernenten Dieter Niesen sein. Und genau diese kommt bei den meisten Eltern nicht gut an.

Doch Träger wie die Kita gGmbH wollen die Pauschale. Unabhängig davon, wie oft ein Kind in der Einrichtung ist, würden für 17 Tage Frühstück, Mittag, Vesper, Obst und gegebenenfalls Abendbrot pro Monat abgerechnet. Ein Unding, sagen Eltern. „Wir wissen eigentlich von gar nichts und werden nur vor vollendete Tatsachen gestellt“, ärgert sich Rainer Schiffel. Zwei seiner Kinder besuchen eine Einrichtung der Kita gGmbH, dem größten Träger in der Landeshauptstadt. Schiffel fühlt sich umgangen. „Der Elternrat wurde beispielsweise für die Entgeltverhandlung sehr kurzfristig informiert. Und dann finden die Beratungen von 9 bis 12 Uhr statt. Da ist es gar nicht gewollt, dass Eltern mitwirken“, moniert Schiffel. Aber genau das fordert das Kindertagesförderungsgesetz. „Die Personensorgeberechtigten werden in die Bildungsplanung der Kindertageseinrichtungen und deren Umsetzung einbezogen und sind über bestehende Angebote der Familienbildung und -beratung zu informieren“, heißt es im Gesetz.

Doch Informationen für die Eltern gibt es nicht. Auf SVZ-Nachfrage wollte Anke Preuß, Geschäftsführerin der Kita gGmbH, keine Auskunft geben. „Es steht noch nichts fest, wir verhandeln noch und werden vor Ende des Monats dazu nichts sagen“, ließ sie lediglich lapidar ausrichten.

Bei der Diakonie, die als Träger für 13 Kitas in Schwerin und dem Umland zuständig ist, laufen die Verhandlungen ebenfalls noch. „Wir haben diese Pauschale für 17 Tage im Monat mit dem Jugendamt abgestimmt. Aber auch wir differenzieren zwischen Ganztags- und Halbtagsplätzen“, erklärt Sven Melchert, Verwaltungsleiter des Diakoniewerks. Eine konkrete Information für die Elternvertretung gab es „erst kürzlich“, sagt er. Doch in Stein gemeißelt sei die Pauschale keinesfalls. „Wir werden uns nach einem halben Jahr anschauen, wie effektiv das ist und eventuell etwas ändern“, sagt Melchert.

Bei der Arbeiterwohlfahrt will man sich auch noch nicht festlegen: „Nächste Woche oder Anfang Dezember werden wir das entscheiden und dann die Eltern informieren. Wir haben schon vor Wochen Aushänge in unseren Kitas gemacht und die Kostenerhöhung und die Pauschalregelung angekündigt – es gab keinen Widerstand“, erklärt Axel Mielke, Geschäftsführer der Awo. Klar sei aber: Wird die Pauschalregelung eingeführt, sei es nicht möglich, das Kind im Krankheitsfall für längere Zeit abzumelden. „Dann ist jeder Monat gleich – 17 Tage werden berechnet“, sagt Mielke.

Im Waldorfkindergarten wird derzeit spitz abgerechnet und das soll auch so bleiben. „Die Eltern zahlen nur für die Tage, an denen ihr Kind in der Einrichtung ist“, erklärt Corinna Bentin von der Kita. Ergänzt aber: „In den nächsten Tagen werden wir das noch mal beraten und mit den Eltern sprechen.“

Beim Deutschen Roten Kreuz habe man zwar die Erzieher schon im Frühjahr einbezogen. Eine Entscheidung, wie künftig abgerechnet werde, gibt es aber nicht. Elternbeteiligung? Fehlanzeige.

Einerlei, welcher Träger der Kita in Schwerin: 38 Tage vor der Neuregelung wissen offenbar alle Eltern noch nicht, was sie für die Vollverpflegung zahlen sollen – und wie.

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