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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Dezember 2017 | 13:06 Uhr

Zeitzeugen : Kirchturmuhren brauchen Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„De Klockenschauster“ Hans-Joachim Dikow organisiert mit Kirchgemeinde Stralendorf-Wittenförden Benefizkonzert in Schwerin

von
erstellt am 10.Sep.2014 | 16:00 Uhr

Der Aufstieg in den Kirchturm ist alles andere als bequem. 1217 entstand der erste Kirchenbau in Wittenförden. 1473 kam die älteste der drei Glocken in den damals hölzernen Kirchturm. Von 1853 bis 1855 entstand die große, neugotische Kirche, deren Turm durch Blitzschlag zweimal zerstört wurde. Erst 1999 erhielt er die jetzige achteckige Pyramidenspitze. Die Kirchturmuhr, die in der Gemeinde vor den Toren Schwerins die Zeit anzeigt, stammt laut Kirchenchronik aus dem Jahr 1856, berichtet Pastor Roland von Engelhardt. Seine Kirchengemeinde Stralendorf-Wittenförden umfasst das Kirchdorf Wittenförden mit den Ortschaften Klein Rogahn, Hof Wandrum und Neu Wandrum sowie das Kirchdorf Stralendorf mit den Ortschaften Groß Rogahn, Walsmühlen und Zülow. Rund 800 Gemeindeglieder gehören dazu. Um die Uhr erreichen zu können – und das ist zum Aufziehen alle fünf Tag nötig – muss man steile Holztreppen mit schmalen Stufen erklimmen. Vom Glockenstuhl zur Turmuhr führt nur eine wacklige Sprossenleiter.

Für eine fast 160-Jährige sieht die Uhr nicht nur ziemlich gut aus, sie verrichtet auch noch zuverlässig ihre Arbeit. Das sieht „De Klockenschauster“ Hans-Joachim Dikow gleich auf den ersten Blick. Der Uhrmachermeister aus der Schweriner Münzstraße ist gemeinsam mit Pastor von Engelhardt in die Höhe geklettert, um das Schmuckstück zu betrachten. Er weiß, viele Kirchturmuhren im Land sind in schlimmerem Zustand. Doch auch die Wittenfördener braucht Hilfe. „Das Stahlseil läuft auf Rillen. Und wenn schon ein paar Tage nach dem jüngsten Aufzug vergangenen sind, springt es leicht aus der Führung“, berichtet von Engelhardt. Deshalb soll ein Motor die Uhr künftig aufziehen – und zwar täglich.

Solche und noch viel umfangreichere Hilfen benötigen viele Kirchturmuhren im Land. Hans-Joachim Dikow hat gemeinsam mit Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz deshalb das Projekt „Kirchturmuhren in Not“ mit der damaligen evangelisch-lutherischen Landeskirche ins Leben gerufen. Derzeit werde aufgearbeitet, wo Hilfe am dringendsten nötig ist. Mit Fachvorträgen und Ausstellungen soll die Öffentlichkeit parallel für dieses Thema sensibilisiert werden. Und Geld muss her. Dikow hatte im vergangenen Jahr eine Shanty-Nacht mit gleich drei Chören auf die Beine gestellt. 1600 Euro waren für „Kirchturmuhren in Not“ zusammengekommen.

In diesem Jahr gibt es erneut ein Benefizkonzert. Am Sonnabend, 20. September, spielen von 19.30 Uhr an die Schelfoniker, das Erwachsenenorchester des Schweriner Konservatoriums, im Goldenen Saal des Justizministeriums in der Puschkinstraße. Gastgeber ist die Kirchengemeinde Stralendorf-Wittenförden.

Auf dem Programm stehen Werke von Sibelius, Holst, Britten, Jenkins, Pez, Gluck, Albinoni, Hertel und Searle. Solistin wird die 13-jährige Oboistin Carla Henze mit dem Oboenkonzert B-Dur von Tommaso Albinoni sein. Die musikalische Palette des Abends reicht von skandinavischer und britischer Musik des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu deutschen Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Karten für 12,50 Euro gibt es beim „Klockenschauster“ in der Münzstraße, in der Tourist-Information am Markt, im Kultur-Informations-Zentrum im Brandensteinschen Palais in der Puschkinstraße und im Pfarrhaus Wittenförden.

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