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Parchimer Firma saniert Kirch Stücker Glockenstuhl : Kirch Stücker Glocke kehrt zurück

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Erst wurde die Kirch Stücker Glocke repariert, jetzt wird der Glockenstuhl restauriert. Nach drei Jahren soll die Glocke endlich wieder erklingen. Dafür legen sich die Spezialisten aus Parchim derzeit ins Zeug.

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2013 | 10:42 Uhr

Kirch Stück | Zu Pfingsten wird es zwar nichts, aber noch im Frühjahr soll die Glocke von Kirch Stück wieder erklingen. Dafür legen sich die Spezialisten der Firma Rogmann aus Parchim derzeit ins Zeug: Sie restaurieren den Glockenstuhl, der hinter den gotischen Mauern des mächtigen Turmes verborgen ist. Rund 30 000 Euro kostet das. Hinzu kommen mehr als 2 000 Euro für eine elektrische Anlage, damit die Glocke nach der Rückkehr nicht mehr per Hand geläutet werden muss.

"So einen großen Glockenstuhl habe ich in einer Dorfkirche noch nicht gesehen", erzählt René Linke. Dabei haben er und seine Kollegen schon eine ganze Reihe solcher Holzkonstruktionen in Mecklenburg und Brandenburg saniert. Bis zu sechs Meter hoch ragt der Glockenstuhl in die Höhe - über zwei Ebenen im Turm. Da für die Sanierung die Zwischendecke entfernt werden musste, ist jetzt das volle Ausmaß der Balkenkonstruktion zu erkennen. In deren Spitze hatten einst drei Glocken ihre Plätze. Um aus der Bronze Waffen zu machen, wurden jedoch zu Kriegszeiten zwei entfernt und eingeschmolzen. "Glücklicherweise blieb der ältesten Glocke dieses Schicksal erspart", berichtet Jürgen Hansen aus Seehof, der Vorsitzende des vor einem Jahr gegründeten Fördervereins für diese Kirche. Auf diesem wertvollen Stück aus dem 14. Jahrhundert zu finden ist auch der Heilige Georg, ihm ist diese Kirche geweiht.

Die Glocke war allerdings schon vor gut drei Jahren verstummt. Das angeschlagene Stück wurde nicht mehr geläutet, um die Schäden nicht zu vergrößern. Im Vorjahr konnte die Glocke zwar für 17 000 Euro geschweißt werden. Doch zurück in den Kirch Stücker Turm ging es nicht. Denn am Eichenholz hatten zwar nicht Wind und Wetter, sehr wohl aber der Zahn der Zeit genagt. Die Kirchengemeinde Groß Trebbow leitete daher die Sanierung des Glockenstuhl ein. "Wir stehen zum Gesamtprojekt für Kirch Stück", unterstreicht Stefan Sieler. Der Hundorfer ist der stellvertretende Vorsitzender des Kirchengemeinderates. Die Kirche an der B 106 soll mit Leben erfüllt, zum plattdeutschen kirchlichen Zentrum werden.

Dabei arbeiten Kirchengemeinden und Förderverein Hand in Hand - und das nicht nur im übertragenen Sinne. So trugen freiwillige Helfer etwa 50 Eimer voller Schutt aus dem Turm, damit die Parchimer Fachleute an ihre Arbeit gehen konnten. Nachdem die Zwischendecke und der Dreck der Jahrhunderte beseitigt waren, gab es aber auch schlechte Nachrichten: Die Schäden an der Holzkonstruktion waren noch größer als angenommen. Vor allen die Balkenköpfe waren weggefault. Etwa ein Fünftel der alten Konstruktion muss ersetzt werden - durch abgelagertes Eichenholz, erläutert René Linke. Der Glockenstuhl wird dabei komplett restauriert: Er bietet auch weiterhin Platz für drei Glocken. "Das ist natürlich auch ein Zeichen der Hoffnung, dass das Geläut in der Zukunft wieder aus drei Glocken bestehen wird", erzählt Hansen. Doch derzeit sind andere Projekte wichtiger. Dazu zählt die elektrische Läuteanlage für die Glocke. Der Förderverein hat der Kirchengemeinde angeboten, 1600 Euro der Kosten zu übernehmen. Denn mit der modernen Technik ist es möglich, die Glocke auch außerhalb der Gottesdienste erklingen zu lassen. So soll es nun kommen. "Weitere 1000 Euro haben wir zur Verfügung gestellt, um die Mehrkosten bei der Glockenstuhlsanierung zu mindern", berichtet Hansen und er fügt stolz hinzu: "Als junger Verein haben wir auch finanziell schon viel erreicht."

Gemeinsam soll dieses Projekt auch zum Abschluss gebracht werden. Bevor die etwa 950 Kilogramm schwere Glocke wieder in den Kirch Stücker Turm gehievt wird, findet am Boden eine Feier nebst Andacht statt. Der Termin dafür steht aber noch nicht fest.

Doch damit sind die Arbeiten in Kirch Stück noch lange nicht beendet: Förderverein und Kirchengemeinde haben sich viel vorgenommen. Im Glockenturm soll zu ebener Erde ein Begegnungszentrum entstehen. Bislang wird dieser Raum als Winterkirche genutzt. Er erhält zunächst seine alte Struktur zurück: Die Zwischendecke hier verschwindet. Damit kann wieder Tageslicht einfallen. Außerdem wird der Fußboden abgesenkt, damit auch Rollstuhlfahrer an kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen problemlos teilnehmen können. Der Einbau einer Fußbodenheizung, von Toiletten und einer Küchenzeile ist vorgesehen. Umgesetzt werden soll das mit Eigenleistungen und 20 000 Euro. Doch auch am gotischen Kirchengebäude selbst ist viel zu tun. Ein Architekt ist beauftragt worden, die Schäden aufzulisten, Kosten zu schätzen und Bauabschnitte vorzuschlagen. "Anfangen müssen wir dort, wo die Bauschäden offensichtlich sind", betont Stefan Sieler. So ist hinter dem Altar ein Riss im Mauerwerk nicht zu übersehen. Und das Dach muss repariert werden.

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