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Standsicherheit nicht geprüft : Kippen die Bootsschuppen um?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Es gibt Unsicherheiten um die Standsicherheit von teils mehr als 40 Jahre alten Wasserbauten an den Schweriner Seen

An den Seen auf dem Gebiet der Landeshauptstadt gibt es rund 2000 Bootshäuser. Mal sind es ganz Anlagen, mal stehen sie einzeln. Sehr viele davon sind 40 Jahre alt und älter. Wie steht es da um ihre Standfestigkeit? Denn der Wasserstand der Seen schwankt im Jahr etwa 40 bis 50 Zentimeter – Gift für die Pfahlköpfe. Und etliche Bootsschuppen wurden über die Jahre verändert. Es wurde an-, um- und ausgebaut.

„Für die Sicherheit der Bootshäuser sind die Eigentümer selbst verantwortlich“, sagt Bauamtsleiter Günther Reinkober. „Wir führen dazu auch immer wieder Gespräche mit den rund 40 Vereinen.“ Reinkober ist überzeugt, dass die Schweriner Bootshäuser „permanent gehegt, gepflegt und instand gesetzt“ werden.

Mancher Nutzer in einer Reihenbootshausanlage sieht das aber anders. Beispiel Ziegelinnensee: Hier wurden an einige Schuppen einer Reihenanlage Balkone angebaut. „Die ersten waren illegal“, sagt Reinkober. „Wir haben dann mit dem Verein Gestaltungsgrundsätze erarbeitet und Balkone genehmigt – nur Balkone.“ Inzwischen sind sieben von zwölf Boxen mit einem Anbau ausgestattet. Allerdings: Die Statik dafür wurde nur rechnerisch, nicht aber nach dem tatsächlichem Zustand der Schuppen ermittelt. Und auf eine Ausführungsplanung verzichtete der Prüfingenieur auch. Wie die Balkone gebaut wurden, wurde nicht mehr überprüft. „Nach der seit 2006 geltenden Landesbauordnung müssen wir das auch nicht“, sagt Günther Reinkober. „Verantwortlich sind der Bauherr, der Ingenieur, der die Unterlagen erarbeitet hat, und der Prüfingenieur.“ Der Amtsleiter ist aber überzeugt, dass alles in Ordnung ist. „Der Prüfingenieur ist ein sehr vorsichtiger Mensch, der wird sich keine Fehler erlauben.“ Die Konstruktion sei standsicher. Doch es gibt Bootshausbesitzer, die daran zweifeln. Könnten die Bootshäuser nicht doch wegen der Balkonlast nach vorn kippen? Denn die Statik wurde immer nur für einen Bootsliegeplatz berechnet, die Schuppen hängen aber alle zusammen. „Bisher ist es in Schwerin noch nie passiert, dass ein Reihenbootshaus zusammengebrochen ist“, erinnert sich Günther Reinkober. „Wir hatten mal den Einsturz eines Einzelbootshauses. Aber das war auch über zehn Jahre hinweg nicht gepflegt worden.“

Inzwischen beschäftigen sich aber bereits Gerichte mit den Balkonen, mit Vordächern, mit der Standsicherheit von Bootsschuppen. Es gab Rückbauforderungen der Stadt und Richter, die keine Gefahr sahen. Ein endgültiger Ausgang des Rechtsstreits ist noch offen.

 

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erstellt am 25.Jun.2014 | 08:00 Uhr

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