Aus dem Gerichtssaal : Kindesmissbrauch: Opfersuche per Internet

Vor dem Landgericht Schwerin muss sich ein mehrfach einschlägig Vorbestrafter wegen Kindesmissbrauch verantworten.

Vor dem Landgericht Schwerin muss sich ein mehrfach einschlägig Vorbestrafter wegen Kindesmissbrauch verantworten.

Mann droht nach wiederholtem Kindesmissbrauch Sicherungsverwahrung

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02. Juni 2016, 21:00 Uhr

Wegen des sexuellen Missbrauchs von drei Kindern muss sich seit Donnerstag ein 36-jähriger Berliner vor dem Schweriner Landgericht verantworten. Er soll im vergangenen Herbst und Winter ein Mädchen in Neubrandenburg und zwei Jungen in Neustadt-Glewe begrabscht beziehungsweise vergewaltigt haben. Die Kinder waren neun und zehn Jahre alt.

Der Mann ist mehrfach einschlägig vorbestraft und hat bereits mehr als fünf Jahre im Gefängnis verbracht. Nach seiner letzten Haftentlassung im Juni vergangenen Jahres bekam er die Auflage, Berlin nicht ohne Genehmigung zu verlassen. Außerdem durfte er sich keiner Schule, keinem Kindergarten oder sonst einem Ort nähern, wo sich Kinder aufhalten. Daran hat er sich nicht gehalten. Der Arbeitslose verschaffte sich per Internet Zugang zu den Kindern. Auf einem Partnervermittlungsportal meldete er sich gezielt bei alleinerziehenden Müttern.

Die Mutter von einem der Opfer ist in psychiatrischer Behandlung. „Ich mache mir immer wieder Vorwürfe, dass ich mein Kind nicht beschützen konnte“, sagte sie vor Gericht. Sie hatte mit dem 36-Jährigen mehrmals telefoniert und ihn für mehrere Wochenenden nach Neustadt-Glewe eingeladen. Die 42-Jährige suchte eine feste Beziehung für sich. Der Angeklagte machte jedoch schon beim ersten Besuch klar, dass er nichts Näheres von ihr wollte – und schlief auf der Couch im Wohnzimmer. Indes brachte er Geschenke für den zehnjährigen Sohn der Frau mit. Auch mit dessen Freunden verstand er sich blendend. „Die Kinder waren von ihm hellauf begeistert“, berichtete die Mutter, „er spielte mit ihnen, hörte ihnen zu, ging auf sie ein.“ Mitte Dezember schlich er sich nachts ins Kinderzimmer und verging sich an dem schlafenden Sohn. Kurz darauf wollte sich das Kind der Mutter anvertrauen. „Aber ich habe die Signale nicht verstanden.“ Im Januar versuchte der Angeklagte, sich auch an einem Freund des Zehnjährigen zu vergreifen.

Parallel besuchte er eine Alleinerziehende in Neubrandenburg, die er ebenfalls per Partnerbörse kennengelernt hatte. Auch an ihrer neunjährigen Tochter vergriff er sich.

Der 36-Jährige flog auf, als sein Opfer in Neustadt-Glewe einer Schulsozialarbeiterin erzählte, was geschehen war. Zeitgleich suchten die Berliner Behörden nach ihm, weil er trotz Verbots Berlin verlassen hatte.

Zu Beginn des Prozesses verständigten sich das Gericht, die Staatsanwältin und der Verteidiger auf ein Strafmaß zwischen fünf und sechs Jahren Haft. Bedingung war, dass der Angeklagte die Taten gesteht und es den Kindern damit erspart, vor Gericht aussagen zu müssen.

Die Staatsanwältin forderte allerdings, den Mann nach der Haft auf unbestimmte Zeit in Sicherheitsverwahrung zu stecken. Möglicherweise wird der Angeklagte jedoch für krank erklärt. Dann könnte der 36-Jährige zur Therapie in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden.

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