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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 00:21 Uhr

Biotop : Kinderstube des Schweriner Sees

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tierische Wasser-Kita: Fischkinder knabbern an den Füßen, Köcherfliegen schaukeln am Strand, gruselige Larven schlummern im Morast

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 16:00 Uhr

Das kitzelt. Kleine Jungfische zupfen Hautschüppchen von den Füßen. Die Besucher stehen mitten in der Kinderstube von Brachsen, Plötzen, Rotfedern und Stichlingen. Das natürliche Fußpeeling gibt es ganz umsonst im Schweriner See, „in flachen, sandigen Uferbereichen, die ruhig gelegen sind“, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Schwerin.

Der Landesverband hat „tiefe, nährstoffarme Seen Norddeutschlands“ zu den Biotopen des Monats ernannt (SVZ berichtete). Der Schweriner See ist einer von ihnen. Grund genug für SVZ und BUND in die tierische Kinderstube des viertgrößten Sees Deutschlands abzutauchen. Das Gute: Die Wasser-Kita steht allen offen.

Kleine Köcherfliegenlarven schaukeln im Spülsaum, der Wasserkante zwischen See und Land an den Badestellen. Die merkwürdigen Wiegen bestehen aus zusammengeklebten Pflanzenteilen und Steinchen. Die Kinderstube der Insekten ist etwas bizarr und fast ein bisschen gruselig. Waten Besucher mit den Füßen durch Schlamm und Morast, machen ihre Zehen Bekanntschaft mit Larven von Eintags-, Köcher-, Stein- und Schlammfliegen, Libellen, Mücken und Wasserkäfern. Hübsch ist allerdings anders, aber Larven von Stein- und Eintagsfliegen weisen auf eine gute Wassergüte hin. Kleine, rote Zuckermückenlarven im Schlamm sprechen dagegen für eine Wasserbelastung. Das ist kein gutes Umfeld für Armleuchteralgen, die vor allem klare, kalkhaltige und nährstoffarme Seen lieben. An den Algen erkennen Neugierige auch, wie gut es um ihre Badestelle bestellt ist. Wenn Ähriges Tausendblatt und Kamm-Laichkraut am Bein krabbelt, vor allem Weiße Seerosen an der Oberfläche schaukeln, ist das Wasser wohl zu nährstoffreich und belastet.

Unterdessen hüpfen im Gras am Uferbereich kleine Heuschrecken und surren Libellen durch den Schilfgürtel. Die Hälfte aller Arten in Mecklenburg-Vorpommern sind gefährdet. Genaues Hinsehen lohnt sich auch hier.

Nicht erschrecken: Schnecken, Käfer und Spinnen fühlen sich in der Kinderstube am Schweriner See natürlich genauso zu Hause. Sie sind ein gefundenes Fressen für viele Wasservogelarten. Einigen geht es zurzeit nicht so gut. Sie befinden sich in der Mauser. Der Haubentaucher zum Beispiel verliert zwischen Juli und September wichtige Federn seiner Flügel und kann bis zu vier Wochen nicht fliegen. Um nicht gefressen zu werden, schwimmen die Vögel in der Zeit in großen Gruppen auf dem Schweriner See. Nährt sich ein Boot, tauchen die scheuen Tiere unter. Das ist purer Stress für die schönen Vögel. Aufregend für Neugierige kann dagegen ein Abendspaziergang am Ufer sein: Mit viel Glück hört und sieht man einen Fischotter. Laut BUND sind die sehr seltenen Tiere am Schweriner See wieder heimisch.

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