Leezen : Kindersport ist der Renner

„Eine Stunde lang können sich Eltern intensiv mit ihren Kindern beschäftigen – das ist das Geheimnis“, sagt Manuela Müller.
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„Eine Stunde lang können sich Eltern intensiv mit ihren Kindern beschäftigen – das ist das Geheimnis“, sagt Manuela Müller.

Zum Bewegungsangebot für Kinder und Eltern in Leezen kommen wöchentlich etwa 80 Kinder – aber die Turnhalle ist ein Sorgenkind der Gemeinde

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13. Mai 2018, 05:00 Uhr

Wer an einem Montagnachmittag um 17 Uhr die Sporthalle im Dorf Leezen betritt, gerät unvermutet in ein quirliges Gewusel. Etwa 80 Kinder und ihre Eltern oder Großeltern tummeln sich in der modernen Turnhalle bei Sportspielen an sieben Stationen. Da balancieren Zweijährige an der Hand von Papa auf dem Schwebebalken, mit Hilfe von Mama klettern Drei- und Vierjährige über einen Kasten oder der Großvater schubst seine einjährige Enkelin auf der Schaukel an. „Eigentlich sind sogar 120 Kinder angemeldet“, erklärt Manuela Müller, die den wöchentlichen Kurs zusammen mit Antje Dobeleit anbietet. „Zum Glück kommen nicht immer alle.“ Aus Schwerin, Brüel, Dobin am See, Godern und natürlich aus der Gemeinde selbst fahren die Familien nach Leezen: „Sogar Andreas Lembcke vom Theater kommt“, erzählt Manuela Müller stolz. Sie ist nicht nur Vorsitzende des Leezener Sportvereins, sondern auch stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde. Wie für Teampartnerin Antje Dobeleit gehört Sport seit ihrer Kindheit fest zu ihrem Leben. Sie trainierte in Oberhof Kugelstoßen, Antje Dobeleit war von drei bis 16 Jahren Turnerin bei Lok Schwerin.

„Egal ob es regnet oder die Sonne scheint – dieser Termin muss sein. Meiner Großen macht das seit eineinhalb Jahren so großen Spaß“, erklärt Ulrike Miltz aus Leezen. „Die Große“ heißt Amy und ist drei Jahre, ihr kleiner Bruder Luis rennt ebenfalls mit Gleichaltrigen durch die Halle.

„,Gemeinsam mit den Kindern’ ist unser Motto“, sagt Müller. Eltern und Großeltern hätten die seltene Chance, sich eine Stunde intensiv mit den Kindern zu beschäftigen. Sieben Euro kostet der Spaß für die Familien im Monat.

Doch trotz der Erfolgsstory Kindersport bereitet die Turnhalle der Gemeinde Leezen Sorgen. Knapp 50 000 Euro Unterhaltskosten belasten jährlich den Haushalt. Mit dieser Größenordnung habe beim Bau vor zwölf Jahren niemand gerechnet, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin. Doch das größte Problem sei die mangelnde Auslastung, glaubt sie. „Wir haben hier nur eine einzügige Grundschule und sonst keinen Schulsport. Tagsüber und am frühen Nachmittag bis 15 Uhr steht die Halle meistens leer, auch am Wochenende ist nicht viel los.“ Die gesamte Halle koste pro Stunde 60 Euro, könne aber auch drittelweise gemietet werden. „Kindertraining kostet nur die Hälfte“, so Müller.

Der große Fußballverein Traktor, den Antje Dobeleits Vater Günter 50 Jahre lang leitete, trainiert aber nicht mehr in Leezen. „Wir gehen nicht nach Leezen, weil wir dort keine Trainingszeiten bekommen, die für Eltern und Kinder passen“, erklärte Jan Grüder, Vorsitzender der Spielvereinigung Cambs-Leezen auf Nachfrage.

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