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Power for Kids in Schwerin : Kinder wollen, dass ihr Freizeittreff wieder öffnet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mädchen und Jungen wollen Alternativangebote der Stadt nicht akzeptieren

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 06:15 Uhr

„Wir können doch nichts dafür, dass Peter B. so etwas gemacht hat“, sagt die 14-jährige Michelle. Seit gut eineinhalb Jahren ist der Freizeittreff des Vereins „Power for Kids“ für sie „ein zweites Zuhause“ geworden. Seit Montag ist dieses Zuhause geschlossen.

Der Verein „Power for Kids“ hat seine Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal ihres ehemaligen Vorsitzenden und langjährigen Mitglieds Peter B. gezogen: Der Treff ist geschlossen, die Vereinsvorsitzende zurückgetreten. Seit 2007 soll sich Peter B. an mindestens 15 Jungen im Alter zwischen 7 und 13 Jahren vergangen haben. Darunter ist ein Siebenjähriger, den er mehrfach vergewaltigt haben soll. Tatorte waren auch Vereinsräume. Weitere Missbrauchsfälle werden nicht ausgeschlossen.

„Man kann nicht in den Menschen hineinsehen, man sieht nur das Äußere. Und das war freundlich“, sagt Michelle. Sie sei gern im Club. Hier habe sie ihre Freunde und Betreuer, „zu denen wir Vertrauen haben“, sagt sie. Es war aber wohl nicht so viel Vertrauen da, dass sich missbrauchte Jungen schon früher gemeldet hätten. Michelle winkt ab: „Das ist keine Vertrauensfrage“, sagt das Mädchen, „die Jungs hatten Angst vor Peter B.“

Marcel, 13 Jahre alt und selbst Opfer des Vereinsgründers, sagt dazu nichts. Aber auch er will seinen Treff zurück. „Wir wohnen alle um die Ecke, sind gleich da und müssen nicht noch Straßenbahn fahren“, sagt er.

Dass die Stadt ihnen, einer eingeschworenen Gemeinschaft von rund 15 Jugendlichen Alternativen angeboten hat, weiß Marcel. Deja vu, Wüstenschiff seien aber für ihn keine Alternativen. Und Kinderschutzbund und Bauspielplatz „ist ja eher was für die Kleinen“, sagt der 13-Jährige. Auch Michelle möchte wie Mandy (17) nicht in einen anderen Treff. „Da sind wir nur die von ,Power for Kids‘. Dort werden wir gemobbt.“ Sie wollen, dass ihr Treff wieder öffnet.

Auch fehlt ihnen Vertrauen in die Politiker. Die alternativen Probenräume für ihre Tanzgruppe „Power Event Group“, der alle drei angehören, in der Andreas-Kirche konnten sie noch nicht nutzen, weil nur Caritas-Chef Rudolf Hubert ihnen den Raum im Kloster öffnen könne. Doch der ist im Urlaub. Dabei müssen sie trainieren: „Am 27. Februar treten wir um 14 Uhr im Schlosspark-Center auf.“

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