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Einblicke in das Leben der alten : Kinder erkunden das Seniorenheim

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gruppen aus den Schweriner Kitas am Friedensberg und Nidulus besuchen einmal im Monat die Seehofer Pflegeeinrichtung

Die Fünf- und Sechsjährigen haben keine Angst vor alten Leuten, auch keine Berührungsängste. „Das sehen wir jeden Monat erneut“, freut Martin Franz, Leiter des Wohn- und Pflegezentrums Seehof. Denn einmal im Monat sind Mädchen und Jungen aus Schwerin – aus dem Naturkindergarten am Friedensberg und aus der Kita Nidulus – in Seehof zu Gast.

Jetzt, im April, sind die „Frechdachse“ vom Friedensberg an der Reihe. „Das ist ein tolles Erlebnis für die Kinder“, erzählt Erzieherin Christin Ratke. Denn nicht jedes Kind hat Großeltern in der Stadt. Und wie alte Menschen in so einem großen Haus gemeinsam wohnen und auch die notwendige Hilfe erhalten, das wissen die meisten der Fünf- und Sechsjährigen nicht. „Wir wollen schon den Jüngsten einen kleinen Einblick in das Leben in einem Altenheim geben“, erzählt Franz. „Und unsere Bewohner freuen sich, wenn die Kinder hier vorbeischauen.“ Dass die Kinder ein bisschen lauter sind, stört die meisten der derzeit 67 Heimbewohner nicht. „Das sind doch Kinder, das ist doch schön“, sagt Harald Weiß. Der 82-Jährige gehört auch zu den Senioren, die gern dabei sind, wenn nach der Besichtigung des Hauses die Kinder etwas zusammen mit den Senioren unternehmen. Mal wird gemeinsam gesungen, mal gebastelt. Auch Kuchenbacken ist sehr beliebt bei Jung und Alt. Auf die zwölf Frechdachse vom Friedensberg warten jetzt ganze besondere Überraschungen: Sie dürfen im angrenzenden Garten nach Ostereiern suchen. Darüber hinaus wird bei ihrem Besuch auch der Streichelzoo im Eingangsbereich des Heimes wiederbelebt. 15 Hühnerküken laufen in dem eingezäunten Areal und tschilpen sehr zur Freude der Bewohner und der Gäste.

Bevor die flauschigen Jungtiere in ihr vorübergehendes Domizil gesetzt werden, gehen sie vorsichtig von Hand zu Hand: Jeder will wenigstens einmal kurz ein Küken halten – ein Glücksmoment für jedes Kind und jeden Senior. Für neun der zwölf Kinder ist es der allererste direkte Kontakt mit einem Küken. Für die meisten der Senioren ist es hingegen eine freudige Erinnerung: Viele hatten zu Hause auf dem Hof Hühner. Vier Wochen lang werden die jungen Tiere hier bleiben. „Dann sind sie so groß, dass sie allein aus dem Gehege kommen“, berichtet Martin Franz. Die jungen Hühner kommen dann auf einen Bauernhof.

Schon zuvor haben die Kinder aber viel Neues im Altenheim entdeckt. Beispielsweise einen Wäschetrockner: Ein normales Geräte steht bei vielen Kindern zu Hause. Doch Beate Ebertus steckt die nasse Wäsche nach dem Waschen in eine riesige Trommeln, in die sogar ein Kind reinpassen würde. Dieses Großgerät braucht die Frau auch, die seit 14 Jahren in der Wäscherei des Heimes arbeitet. Schließlich muss Beate Ebertus immer einen großen Wäscheberg bewältigen – sechs oder sieben Maschinen pro Tag. In der Wäscherei steht zudem noch ein Gerät, das die Kinder bis dahin nicht kannten, selbst den Namen nicht – eine Mangel. Doch nachdem Beate Ebertus erklärt hat, dass sie so viele Wäschestücke schnell schön glatt bekommt, heißt es aus der Runde: „Dann musst du ja nicht bügeln!“ Gleich nebenan in der Küche ist es nicht weniger interessant. Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Abendbrot für die Heimbewohner müssen jeden Tag zubereitet werden. Zu Mittag gibt es zumeist zwei Gerichte, dann essen auch die Mitarbeiter des Heimes und Gäste aus dem Dorf hier. Und an den Besuchstagen kommen noch die Kinder direkt dazu. „Was wünscht Ihr Euch denn?“, fragt Martin Franz. „Nudeln mit Tomatensoße!“ heißt die lautstarke Erwiderung. Martin Franz lächelt. Das hatte er ohnehin erwartet, das war längst vorbereitet. „Schließlich kommen Kindergruppen schon seit drei Jahren jeden Monat zu uns. Es sind immer andere Kinder, aber immer die gleichen Fragen und Wünsche.“

Auch ein freies Zimmer wird besichtigt. Das in der Höhe verstellbare Bett, der Rollstuhl und auch der Nachtstuhl werden bestaunt. Der Fachmann erläutert, wie alles funktioniert, auch der Notruf am Bett und im Bad „Das alles gehört ja nun einmal hierher. Das akzeptieren die Kinder sofort“, berichtet Marin Franz zufrieden. Und auch Erzieherin Christin Ratke zieht eine positive Bilanz. „Von dem Besuch werden unsere Frechdachse sicher auch viel zu Hause ihren Eltern und ihren Großeltern erzählen.“

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erstellt am 14.Apr.2014 | 23:06 Uhr

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