Schule in Schwerin : Kinder erklären Gebärdensprache

„Ich heiße Jasmin und bin acht Jahre alt. Und wer bist du?“ Die Drittklässler zeigen vor laufender Kamera, wie man sich mit den Händen verständigen kann.
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„Ich heiße Jasmin und bin acht Jahre alt. Und wer bist du?“ Die Drittklässler zeigen vor laufender Kamera, wie man sich mit den Händen verständigen kann.

Medienprojekt „Ich möchte dir helfen, mich zu verstehen“ der Weinbergschule wurde mit Landespreis ausgezeichnet

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04. März 2016, 12:00 Uhr

Auf dem „Marktplatz Kultur und Schule in MV“ im Staatlichen Museum begegneten sich Heike Papenfuß und Daniela Melzig zum zweiten Mal in ihrem Leben. „Was machen Sie eigentlich genau?“, fragte Lehrerin Papenfuß beherzt und schon wenig später hatte sie mit Künstlerin Melzig ein Medienprojekt für ihre 3. Klasse an der Weinbergschule verabredet. Insgesamt 87 solcher Vereinbarungen kamen auf sechs „Märkten“ in ganz MV zustande. Die Idee von Heike Papenfuß und Daniela Melzig war so gut, dass sie mit einem Landespreis und 1000 Euro ausgezeichnet wurde. Nun wurde die Vision aus dem November Wirklichkeit: „Ich möchte dir helfen, mich zu verstehen“ heißt der Film, in dem achtjährige Förderschüler Erwachsenen die Gebärdensprache beibringen.

Sie treten dabei nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Kameraleute, Fotografen und Bildgestalter in Erscheinung. In einer Woche sind etwa zehn Stunden Filmmaterial entstanden, das Daniela Melzig jetzt auf etwa 15 bis 20 Minuten schneidet. Um die Osterzeit wird der Film zuerst der Klasse und dann der Schulgemeinschaft inklusive der Patenklasse aus der Fritz-Reuter-Schule gezeigt. Stimmen die Kinder zu, wird er eine Woche lang im offenen Kanal „Fernsehen in Schwerin“ ausgestrahlt, wandert in die Mediathek und ist dann für Interessierte jederzeit abrufbar.

Einen Streifen in Fassbinder-Qualität dürfe allerdings niemand erwarten, betont Daniela Melzig. Bei einigen Schüler-Projekten habe sie schon erlebt hat, dass Erwachsene von Kinderfilmen offenbar mehr erwartet hatten. „Die Achtjährigen haben das alles selbst gemacht, wir bieten keinen Lehrfilm auf Profi-Niveau“, sagt die Künstlerin aus Augzin.

Sieben Kinder gehen in die Klasse von Heike Papenfuß: Jonanthan, Simon, Fidelis, Jasmin, Stefanie, Noah und Celina. Fast genau so viele Erwachsene kümmern sich um sie. Drei Kinder haben einen eigenen Betreuer, jedes seine individuellen Probleme und Förderschwerpunkte. Die Gebärdensprache lernen sie seit der ersten Klasse. Sich mit Händen und Gesten verständigen zu können, gehört zum Konzept der Weinbergschule, die mit vollem Namen „Evangelische kooperative Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“ heißt und vom Diakoniewerk Neues Ufer getragen wird.

Das einwöchige Filmprojekt haben die Kinder mit Bravour und viel Spaß gemeistert. Hatten Lehrerin und Betreuerinnen anfangs noch ein bisschen Angst um Daniela Melzigs teure Technik – eine Videokamera, eine Spiegelreflexkamera, eine Webcam und zwei Fotoapparate –, so waren sie bald erstaunt, wie gut und vorsichtig die Schüler damit umgehen können. Ein großer Teil des Films besteht aus Stop-Motion – einzeln abfotogafierte Bilder, die aneinander gereiht werden. Die dafür benötigten Figuren, Bilder und Buchstaben malten die Kinder selbst, legten alles in Position und drückten ab – immer wieder mit erstaunlicher Konzentration und Hingabe. „Gerade Förderschüler beweisen bei den Stop-Motion-Filmen eine große Geduld“, lobt Daniela Melzig.

Heike Papenfuß und ihre Kollegin bereiten sich unterdessen auf die nächste Kunsteinheit vor: Keramikerin Kerstin Behrens aus Sukow kommt zwölf Wochen lang jeweils für zwei Stunden in die dritte Klasse. Mit den Schülern soll sie Themen aus dem Sachkundeunterricht zu Keramiken formen. Der Kurs gehört auch zum Projekt „Künstler für Schüler“.

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