Minderjährige am Schweriner Theater : Kinder als Statisten auf der Bühne?

In der Oper „Hänsel und Gretel“ spielen insgesamt 48 Mädchen und Jungen mit. In der Oper „Hänsel und Gretel“ spielen insgesamt 48 Mädchen und Jungen mit.
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In der Oper „Hänsel und Gretel“ spielen insgesamt 48 Mädchen und Jungen mit.

Im Theater spielen oft Minderjährige in Abendvorstellungen mit – Statisterie-Chefin Hannelies Höchel erklärt die Rahmenbedingungen

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13. Januar 2018, 16:00 Uhr

In der Schweriner Inszenierung der Oper „Hänsel und Gretel“, die in der Weihnachtszeit viele Male im Theater vor ausverkauftem Haus aufgeführt wurde, spielen insgesamt 48 Mädchen und Jungen mit. Für das Musical „Jekyll und Hyde“ wurden gerade Kinderstatisten gesucht und auch in vielen anderen Produktionen des Theaters stehen Minderjährige bei Abendvorstellungen auf der Bühne. „Geht das mit rechten Dingen zu?“, fragen besorgte Bürger.

„Ja, das geht“, lautet die klare Antwort von Hannelies Höchel, der Leiterin der Statisterie des Mecklenburgischen Staatstheaters. Allerding gäbe es sehr detaillierte Regelungen dafür, die im Jugendarbeitsschutzgesetz definiert sind. Dazu gehöre neben der eidesstattlichen Einverständniserklärung der Eltern oder Erziehungsberechtigten auch eine ärztliche Bescheinigung und eine Einverständniserklärung der Schule. „Zudem gibt es Vorschriften zu Ruhezeiten, zur Aufsichtspflicht und vieles mehr, das dem Schutz des Kindes dient“, sagt Höchel. Deshalb seien in vielen Inszenierungen, in denen Kinder mitspielen, Zwei- oder gar Dreifachbesetzungen dieser Rollen vorgesehen. „Und die Einhaltung der Vorschriften wird auch vom Landesamt für Gesundheit und Soziales kontrolliert“, betont sie.

Kommentar Pro

Kunst tut jedem gut

Kinder dürfen spätabends nicht in die Disco, aber auf die Theaterbühne. Mancher mag sagen, dass das nicht richtig sein kann. Doch vergleichen kann man das nicht. Die strengen Regularien und die Kontrolle deren Einhaltung sichern, dass die Mädchen und Jungen keinen Schaden nehmen. Und den Theaterleuten darf auch zugetraut werden, dass sie die Kinder verantwortungsvoll einsetzen. Andererseits ist es für junge Leute ganz bestimmt ein Gewinn, wenn sie schon frühzeitig hinter die Kulissen des Theaters blicken können, wenn sie sehen, dass es harter Arbeit bedarf, ein Stück auf die Bühne zu bringen. Das prägt für das ganze Leben. Kunst und Kultur haben  noch keinem geschadet – ganz im Gegensatz. Und außerdem: Den Kindern macht es sichtlich Spaß, vor großem Publikum auf der Bühne zu stehen.

In der Oper „Salomé“ zum Beispiel wird von einem Kind dem König der abgeschlagene Kopf eines Feindes auf einer Schale präsentiert. „Da haben wir sehr detailliert abgesprochen, was zumutbar ist“, erzählt Höchel. Ausgewählt wurde schließlich ein symbolischer goldener Schädel. „Außerdem ist es so, dass die Kinder die biblische Geschichte ohnehin kennen und sehr genau wissen, was sie alles enthält“, erklärt die langjährige Leiterin der Theaterstatisterie.

Kommentar Kontra

Effekthascherei?

Kinder früh an Kunst heranzuführen, ihnen die faszinierende Welt des Theaters zu öffnen, kann die Entwicklung der Kleinen fördern und prägen. Das Eintauchen in eine neue Welt präsentiert neue Sichtweisen. Es zeigt Kindern, wie lebendig, anschaulich und berührend das gedruckte Wort sein kann, wenn Künstler es in ihr Spiel ummünzen. Daher: Kinder und Theater passen wunderbar zueinander.  Aber ist es nötig, Minderjährige für die Inszenierung eines Horrorstückes auf die Bühne zu holen? Und muss Theater ausgerechnet zur Schlafenszeit der Kleinen sein? Welchen Mehrwert erhoffen sich Regie und Intendanz durch die Kinderszene für den Zuschauer? Würde das Stück ohne Kinder nicht funktionieren? Oder ist es Effekthascherei, weil die Kleinen so putzig sind? Gute Kunst braucht so etwas nicht.

Und sie steuert zu dem Thema gern noch mehr aus ihrem Erfahrungsschatz bei: „Ich bin jetzt 27 Jahre an diesem Haus und habe schon viele Kinder erwachsen werden sehen, mit denen wir gearbeitet haben. Sie alle haben durch die Bühne einen immensen Zuwachs an Selbstbewusstsein und Sicherheit erhalten. Das Erlebnis Theater sorgt immer für einen Entwicklungsschub.“ Das könne jeder Leiter einer Jugendtheatergruppe bestätigen. Und nicht ohne Grund sei Darstellendes Spiel mittlerweile an den Schulen reguläres Unterrichtsfach.

„Wer Interesse hat, bei uns am Theater Statist zu werden, kann gern seine Bewerbung per E-mail an hoechel@ mecklenburgisches-staatstheater.de schicken“, fügt sie dann noch hinzu.

 
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