Nach Kindesentziehung in Schwerin : Kind beim Vater – Frau soll in Psychiatrie

<strong>Noch während Polizisten  das Appartement-Haus</strong> in der Kepler straße durchsuchten und Mieter und Anwohner befragten, wurde der Junge nur 200 Meter entfernt gefunden. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
Noch während Polizisten das Appartement-Haus in der Kepler straße durchsuchten und Mieter und Anwohner befragten, wurde der Junge nur 200 Meter entfernt gefunden. Reinhard Klawitter

Die Frau, die am Dienstagabend einen fremden Jungen aus der Straßenbahn einfach mitgenommen haben soll, soll in die geschlossene Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses eingewiesen werden.

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08. März 2013, 11:15 Uhr

Muesser Holz | Die Frau, die am Dienstagabend einen fremden Jungen aus der Straßenbahn einfach mitgenommen haben soll, soll in die geschlossene Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses eingewiesen werden. Das hat die Staatsanwaltschaft beim Schweriner Amtsgericht beantragt. Hintergrund ist offenbar, dass die 36-Jährige der Polizei bereits als psychisch auffällig bekannt war.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ist die Beschuldigte bereits einschlägig aufgefallen. Sie soll am 11. Januar ein sechsjähriges Mädchen im Bereich der Ziolkowskistraße an die Hand genommen und es aufgefordert zu haben, sie zu begleiten. Dann soll die Frau das Kind gegen dessen Willen zu einem Hausaufgang gezogen, dort bei unbeteiligten Mietern geklingelt und das Kind im Haus festgehalten haben, bis die herbeigerufene Polizei die Situation klärte und das Kind der mittlerweile herbeigeeilten Mutter wieder in Obhut gab. Die Polizei hatte aufgrund dieses Vorfalls eine so genannte Gefährderansprache durchgeführt. Die 36-Jährige wurde auf die Konsequenzen ihres Handelns hingewiesen. In beiden Fällen, im Januar als auch jetzt, war die Frau, die selbst drei in Pflegefamilien untergebrachte Kinder hat, stark betrunken. Das machte ihre Vernehmung im aktuellen Fall sehr schwierig, sagte Stefan Urbanek, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. Die Beschuldigte habe die Tat zunächst bestritten, was weitere Ermittlungen erforderlich machte.

Unterdessen konnte auch der Begleiter der Beschuldigten identifiziert werden. Er wurde vorläufig festgenommen. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft ebenfalls wegen der Entziehung Minderjähriger und prüft weitere „strafprozessuale Maßnahmen“ – sprich den Antrag auf einen Haftbefehl. Ein Ergebnis ist für den heutigen Tag zu erwarten, so Urbanek.

Der fünfjährige Pascal-Fabian hatte am Dienstagabend mit seinem im Rollstuhl sitzenden Vater die Straßenbahn der Linie 2 betreten. An der Haltestelle Neu Zippendorf soll die 36-Jährige das Kind trotz Verbotes des Vaters animiert haben, mit ihr und ihrem Begleiter auszusteigen. Der körperlich beeinträchtigte Vater des Kindes konnte nicht folgen. Daraufhin setzte eine groß angelegte Fahndung der Polizei ein. An den Ermittlungen waren bis zu 100 Beamte beteiligt. Nach zwölf Stunden waren das Kind und die Frau gefunden. Der Schweriner Ronny W. hatte die beiden im Einkaufsmarkt im Mueßer Holz entdeckt. Dort hatte die Polizei Fahndungsfotos ausgehängt. Er hielt die Frau fest, um Pascal-Fabian kümmerte sich derweil seine Freundin. Die herbeigerufene Polizei hatte nur einen kurzen Weg, denn keine 200 Meter entfernt durchsuchte sie gerade ein Appartementhaus nach den Beiden. Fährtenhunde hatten die Beamten dort hingeführt.

Der Fünfjährige kam zunächst in die Polizeiinspektion und ist inzwischen vom Jugendamt wieder seinem Vater übergeben worden.

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