Keine Besserung in Sicht : Kieslaster rollen im Minuten-Takt

200-mal pro  Tag rollt ein Laster von Consrade  durch die Lewitzdörfer  gen Süden, um Kies zur A-14-Baustelle zu bringen.
200-mal pro Tag rollt ein Laster von Consrade durch die Lewitzdörfer gen Süden, um Kies zur A-14-Baustelle zu bringen.

In Plate und Banzkow regt sich Unmut über hohe Belastung durch Transporte zur A-14-Baustelle: Keine Besserung in Sicht

svz.de von
28. März 2014, 08:00 Uhr

„Unsere Häuser vibrieren, die Gläser klirren in den Schränken.“ Heidemarie Brandt aus Plate empfindet die derzeitige Verkehrssituation an der Kreisstraße durch ihr Dorf als unerträglich. Denn alle zwei bis drei Minuten rollt vor ihrer Haustür ein 40-Tonner vorbei. Die Laster bringen Kies aus der Grube bei Consrade zur A-14-Baustelle nahe Fahrbinde. Das geht seit Wochen so, montags bis freitags von 5.30 bis 19 Uhr, schildert Heidemarie Brandt. „Oft fahren mehrere Lastfahrzeuge hintereinander und mit unangemessener Geschwindigkeit. Das alles ist für die Anwohner nicht zumutbar.“

So wie Heidemarie Brandt ist bei vielen Anwohnern zwischen Consrade und Goldenstädt die Schmerzgrenze erreicht, ja überschritten. „Anfangs war es noch ruhig. Doch inzwischen beschweren sich jeden Tag Bürger bei mir über die Kiestransporte“, berichtet Plates Bürgermeister Hans Bauer. Seiner Banzkower Amtskollegin Irina Berg geht es ebenso. „Wir hatten ja alle geglaubt, dass das nur eine kurze Zeit andauert. Doch offenbar geht es immer so weiter – ohne dass mit uns darüber geredet worden ist.“ Der Unmut wächst, sogar Protestaktionen an der Kreisstraße gab es bereits, berichtet Berg. Dabei haben die Banzkower und Plater nichts gegen den Weiterbau der A 14 in Richtung Süden. Doch die Verkehrsbelastung durch die Kiestransporter wollen viele Betroffene nicht länger hinnehmen. Hinzu kommen Befürchtungen, dass die Kreisstraße 12 kaputt gefahren wird.

„Wir haben die Situation im Blick, können aber leider keine Alternative anbieten“, sagt Steffen Wehner, Pressesprecher aus dem Schweriner Verkehrsministerium. 5000 Tonnen Kies werden derzeit täglich in Consrade gefördert und mit Hilfe von 200 Laster-Fahrten zur A 14 gebracht. „Das ist die maximale Abbau-Kapazität“, erläutert Manfred Borowy vom Straßenbauamt Schwerin. Und noch das ganze Jahr über soll so weitergemacht werden. Dass die Kieslaster von Consrade aus die Straße durch die Lewitzdörfer nehmen, um zum nördlichsten Abschnitt der A-14-Baustelle zu kommen, sei rechtlich gesehen in Ordnung. „Solch eine Kreisstraße ist dafür zugelassen“, betont Wehner. Da für die Anlieferung der Kieses bei der Auftragsvergabe keine Transport-Route vorgeschrieben wurde, wählen die Unternehmen die Strecke selbst. Und das ist nicht nur von Consrade aus der Fall: Auch bei Sülte wird in etwa die gleiche Menge Kies abgebaut und über die B 106 zur A-14-Baustelle gebracht.

Hans Bauer würde es gerne sehen, wenn vom Consrader Kiesweg aus ein bestehender Schleichweg zur B 106 geöffnet würde. Dann müssten die Laster nicht durch so viele Dörfer rollen. Doch Wehner macht dem Plater Bürgermeister wenig Hoffnung: Da der Schleichweg auch die Zugstrecke quert, müsste erst eine Verkehrsvereinbarung mit der Bahn getroffen werden. Also nehmen die Kiestransporter weiterhin die K 12 und fahren alle zwei, drei Minuten durch die Lewitzdörfer. Die Sorge, dass die Straßen durch diese zusätzliche Belastung Schaden nehmen, kann Steffen Wehner zwar verstehen, aber helfen kann das Land auch da nicht. Im A-14-Projekt jedenfalls ist dafür kein Geld vorgesehen.

Dabei hätte es zu dieser Verkehrsbelastung gar nicht kommen müssen: Statt den Kies am Rande von Schwerin zu gewinnen und zur A 14 zu fahren, sollten ursprünglich Lagerstätten direkt an der Trasse aufgemacht und genutzt werden. Doch diese Variante scheiterte, weil im Vergabeverfahren die jetzige Baufirma das bessere Angebot vorlegte und den Zuschlag erhielt.

KOMMENTAR
von Werner Mett

Projekt-Ideen schnell bündeln
Augen zu und durch: Das ist keine Lösung für die Belastung  durch  Kiestransporte zur A-14-Baustelle.  Und  eigentlich gab es eine clevere Idee, dieses Problem gar nicht entstehen zu lassen: Kiesabbau in   Gruben direkt an der Trasse.   Doch das Unternehmen, das sich die Schürfrechte bei Fahrbinde und Groß Laasch  sicherte, unterlag bei der Projekt-Vergabe.  Der Kies bleibt im Boden, die Idee verpufft. Es sei denn, die  Konkurrenten aus dem Bieterverfahren werden an einen Tisch  geholt und bündeln ihre Projekte. Keine leichte Aufgabe, aber dennoch sollte Verkehrsminister Christian Pegel  sich dieser stellen – und das bitte schnell.

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