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21. November 2017 | 03:49 Uhr

Kettensägen kreischen in Waisengärten

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erstellt am 12.Feb.2013 | 04:26 Uhr

Werdervorstadt | Während die Stadtverwaltung den Bebauungsplan für den ersten der drei Abschnitte für das neue Wohngebiet Waisengärten auf der Schwaneninsel gerade öffentlich ausgelegt hat, um vor der Entscheidung der Stadtvertretung Bürger, Vereine und Verbände zu befragen, hat sie zeitgleich die Kettensägen anwerfen lassen. Nach den gekündigten Gartenlauben fallen seit Wochenbeginn in den Waisen gärten auch die Bäume.

"Damit ist der Startschuss für die Entwicklung eines neuen und modernen Stadtquartiers am Wasser gefallen", heißt es in der offiziellen Mitteilung des Eigentümers, der Entwicklungsgesellschaft Schwerin (EGS). "Unser Anspruch ist es, für Schweriner und solche, die es mal werden wollen, einen neuen Stadtteil am Wasser zu erschließen, in dem sie sich wohl fühlen", so Geschäftsführer Robert Erdmann. Voraussichtlich im Frühjahr werde mit der Erschließung im ersten Bauabschnitt, der rund 3,4 Hektar umfasst, begonnen.

"Ein Baubeginn vor Abschluss und Auswertung der Bürger- und Verbandsbeteiligung ist aus unserer Sicht nicht rechtskonform", sagt Jürgen Friedrich vom Bund für Umwelt und Naturschutz Schwerin (BUND). Laut Paragraf 33 des Baugesetzbuches regele die so genannte Planreife, dass auch schon während der Aufstellung eines Bebauungsplanes die in ihm enthaltenen Punkte als Genehmigungsgrundlage hinzuzuziehen seien - wenn die Bürgerbeteiligung bereits durchgeführt wurde und es "mit großer Sicherheit feststeht, dass das Vorhaben den zukünftigen Festsetzungen des Bebauungsplanes entspricht". Doch genau das sei hier nicht gegeben, kritisiert der Experte. "Es bestehen beispielsweise Zweifel an der Sinnhaftigkeit und dem Erfolg der Schutzmaßnahmen für den Moorfrosch", sagt Friedrich.

Für rechtlich in Ordnung hält die Baumfällung der Leiter des städtischen Rechtsamtes, Hartmut Wollenteit. Der Eigentümer habe die Fällung beantragt und genehmigt bekommen. Es handele sich um einen reinen Verwaltungsakt, nicht um eine politische Entscheidung, zu der die Stadtvertretung hinzu gezogen werden müsste.

Der Grund für die kurzfristig angesetzte Aktion liegt auf der Hand: Zwischen März und September dürfen keine Bäume gefällt werden. Der Bebauungsplan kann frühestens im März beschlossen werden. Die Bagger sollen gleich danach anrollen - was Bäume verhindert hätten. Die Erschließung wäre ohne das jetzige Ansetzen der Kettensäge auf den Herbst verschoben worden.

Und so dürfen Bürger, Vereine, Verbände und letztlich auch die Stadtvertreter nun über einen B-Plan mit Umweltbericht beraten, in dem detailliert und wortreich Bäume aufgelistet sind, die es gar nicht mehr gibt.

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