Kraaker debattieren über Windenergie : Keine Windräder vor der Haustür

Neue Windräder: In vielen Orten werden solche Vorhaben nicht gern gesehen.
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Neue Windräder: In vielen Orten werden solche Vorhaben nicht gern gesehen.

Einwohner befürchten Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität

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05. März 2016, 04:45 Uhr

Stühle und Bänke im Beratungsraum der Feuerwehr Kraak reichten am Donnerstagabend nicht aus, um allen Zuhörern Platz zu bieten. Mehrere Besucher der Informationsveranstaltung der Gemeinde Rastow mussten sich mit einem Stehplatz begnügen. Allen war das Thema wichtig, ging es doch um Windkraftanlagen bei Kraak.

Rastows Bürgermeister Ralf Egbert Scharlaug ging zunächst auf die finanzielle Situation der Kommune ein. In diesem Jahr müsse die Gemeinde mit einem Haushaltsdefizit von rund 390 000 Euro rechnen. „Wir brauchen mehr Einnahmen, um unsere Aufgaben erfüllen zu können“, erklärte er. Für die Feuerwehr zum Beispiel müsste neue Einsatzkleidung angeschafft werden. Das Dach der Regionalen Schule müsste dringend saniert und die Sporthalle gedämmt werden. Zusätzliche Einnahmen kämen da recht. Dank der Photovoltaikanlagen am Bahnhof bei Rastow fließen jährlich 12 000 Euro in die Gemeindekasse. Scharlaug könne sich auch vorstellen, dass Gemeinde und Bürger in Form einer GmbH oder Genossenschaft eine Betreibergesellschaft für einen Windpark gründen und daraus Einnahmen erzielen.

Der Hintergrund: Der Regionale Planungsverband hat zwischen Hoort und Kraak einen Windeignungsraum ausgewiesen: 429 Hektar auf dem Gebiet beider Kommunen. Die Rede ist von rund 20 Windkraftanlagen. In Hoort hat sich die Gemeindevertretung bereits für den Bau von solchen Anlagen ausgesprochen. Da es sich hier um Gemeindeflächen handelt, könnte die Kommune allein durch die Verpachtung regelmäßige Einnahmen erzielen.

In der Gemeinde Rastow ist man jetzt dabei, das Thema ausführlicher zu erörtern. Die Kommune, so Scharlaug, müsse damit rechnen, dass eines Tages hier Windkraftanlagen gebaut werden, wenn die Flächen als Eignungsraum bestätigt werden. Es gäbe aber die Möglichkeit, vorher Einfluss zu nehmen: mit einem Zielabweichungsverfahren.

Die Flächen bei Kraak gehören der Landwirtschaftlichen Erzeugergenossenschaft (LEG) Rastow und privaten Landeigentümern. LEG-Geschäftsführer Gerd Schütte erklärte in Kraak, dass sein Unternehmen am Bau von Windkraftanlagen Interesse habe, es derzeit aber keine konkrete Planung gäbe, weil man nicht wisse, wie das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz aussehen werde. Bürgermeister Scharlaug selbst würde es begrüßen, wenn sich heimische Firmen in Sachen Windkraftanlagen einbringen.

Die Gemeinde hatte für diesen Abend Hans Detlef Feddersen von der Firma ee-Nord aus Nordfriesland eingeladen. Er ist Mitbegründer der ersten Bürgerwindparkgesellschaft - in seiner Gemeinde. Er zeigte sowohl Vorteile eines Bürgerwindparks wie Pachteinnahmen, als auch Nachteile aus – zum Beispiel Beeinträchtigung der Landschaft. Beeinträchtigungen sehen die Kraaker viele auf sich zukommen, sollte ein Windpark in der Nähe gebaut werden. Gleich mehrere Einwohner erinnerten daran, dass sie schon jetzt erhebliche Lärmbelästigungen durch die Autobahn 24 hinnehmen müssten. So sei es kaum möglich, nachts mit offenem Fenster zu schlafen. Der Kraaker Matthias Kühn vom Initiativkreis „Kraak gegen Windkraft“ und auch Ortsteilvorsteher Matthias Fiedelmann machten darauf aufmerksam, dass die Lebensqualität eingeschränkt werde. Kühns Fazit: Die Kraaker lehnen auf Grund zahlreicher ungeklärter Fragen das Projekt ab. Für seine Ausführungen erhielt er besonders viel Applaus.

Bürgermeister Scharlaug erinnerte, dass der Regionale Planungsverband die Eignungsflächen ausweise, die Gemeinde wurde lediglich informativ beteiligt, entscheiden könne sie nicht. Die Gemeindevertreter werden sich auf der nächsten Sitzung mit der Problematik befassen, dann soll auch über das geplante Zielabweichungsverfahren abgestimmt werden.

Die 27-seitige Broschüre mit dem „Entwurf zur ersten Stufe des Beteiligungsverfahrens zur Teilfortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Westmecklenburg“ liegt bis zum 30. Mai öffentlich aus – auch im Amt Ludwigslust-Land. Ebenso sind die Unterlagen im Internet unter http://www.raumordnung-mv.de oder unter http://www.westmecklenburg-schwerin.de/ zu finden.

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