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Wildtierverbot Schwerin : Keine Oase für Zirkus-Kamele

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zirkus Werona darf Manege nicht auf städtischen Flächen aufbauen, für Berolina wird eine Ausnahme gemacht

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Gerne wäre Mario Sperlich mit seinem Zirkus Werona auf den Festplatz nach Krebsförden gezogen. Stattdessen macht er jetzt Halt in der Yorckstraße, auf einem Privatgelände. Und seine Werbeplakate darf der Zirkus auch nicht an öffentliche Anlagen kleben. Grund dafür ist das Wildtierverbot, das es seit Januar 2016 in Schwerin gibt. Weil er auch Kamele dabei hat, fällt Werona unter dieses Verbot. Sperlich empfindet es als reine Schikane. „Die Amtstierärztin bescheinigt uns vorbildliche Tierhaltung, in jeder Stadt werden unsere Tiere genau kontrolliert. Denen geht es besser als den meisten anderen“, sagt Sperlich. „In Rostock gab es überhaupt keine Probleme mit dem Standort. Aber in Schwerin werden uns nicht nur Steine, sondern Felsbrocken in den Weg gerollt.“ Er selbst sei vor 53 Jahren im Zirkuswagen geboren worden, liebe den Beruf, stecke all sein Geld ins Unternehmen, seine Mitarbeiter und die Tiere, statt zum Beispiel in einen privaten Urlaub. „Wir stecken immer zurück, aber irgendwann können wir nicht mehr. Wir werden nicht subventioniert, wie zum Beispiel Theater, Opern oder Zoos. Wir möchten nur unser Gewerbe ausüben. Warum macht Schwerin es uns so schwer?“

Sperlichs zentrales Argument: Ein Kamel ist kein Wildtier, sondern ein bereits seit Jahrhunderten domestizierter Lastenträger und damit Nutztier. Doch der Beschluss der Stadtvertreter aus dem Januar definiert ganz konkret: „Hierunter fallen insbesondere Affen, antilopenartige Tiere, Amphibien, Bären, Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Greifvögel, Kamele und Kamelartige, Kängurus, Krokodile, Nashörner, Raubkatzen, Reptilien, Robben, Strauße und Zebras.“

Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia beschreibt das anders: „Wildtiere sind – im Gegensatz zu den Haustieren – nicht domestiziert. Allgemein dient der Begriff Wildtier zur Charakterisierung von Tieren, die nicht zahm sind.“ Dazu gehören Mäuse, Rotfuchs und Borkenkäfer. Kamele hingegen zählt Wikipedia zu den Nutztieren. Genauso wie Mario Sperlich. Doch das nutzt ihm nichts.

Sperlich hat mit dem Halt auf dem Privatgelände ein Schlupfloch gefunden. Seine Plakate hängt er an nicht-öffentliche Flächen. Von heute bis zum 9. Oktober bleibt Werona mit seinem Programm „Elsa“ in der Yorckstraße, gut sichtbar an der Kreuzung Umgehungsstraße, Ludwigsluster Chaussee. Täglich um 17 Uhr wird gespielt, sonntags und feiertags um 14 Uhr. Dienstag ist spielfrei, mittwochs und donnerstags ist Familientag mit verbilligten Karten.

Während die Stadt dem „Circus Werona“ ihre Fläche nicht vermieten wollte, macht sie wenige Wochen später beim Zirkus Berolina eine Ausnahme. Hauptamtsleiter Hartmut Wollenteit, der mit diversen Gerichtsurteilen rund um das Wildtierverbot in Deutschland bestens vertraut ist, nimmt das auf seine Kappe: Als es den Beschluss der Stadtvertretung noch nicht gab, habe man dem Zirkus nämlich unverbindlich zugesagt, dass er diesen Herbst wieder nach Krebsförden kommen könne. Das begründe zwar keine rechtlichen Ansprüche. Dem Zirkus den Platz aber trotzdem zu geben, sei ein Gebot der Fairness und der Verhältnismäßigkeit, findet Wollenteit. Die Unabhängigen Bürger (UB) finden das nicht. Sie schoben das Wildtierverbot in Schwerin an. UB-Stadtvertreter Manfred Strauß sagt: „Mit dieser Genehmigung wird das Wildtierverbot für Zirkusbetriebe aufgeweicht. Ohne Not, denn vom Beschluss der Stadtvertretung sind nur bereits geschlossene Verträge ausgenommen, was hier nachweislich nicht vorliegt.“ Strauß kritisierte auch das Verfahren. So habe sich die Oberbürgermeisterin nur vom Hauptausschuss ein Votum zur Ausnahme geholt „und damit den Beschluss der höherrangigen Stadtvertretung ausgehebelt“. Im Hauptausschuss hatten übrigens nur Vertreter der Unabhängigen und die Grünen dagegen gestimmt.

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