zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 12:31 Uhr

Langen Brütz : Keine Langeweile in Langen Brütz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vom Ausflug bis zum Kaffeeklatsch: Seit mehr als 20 Jahren organisiert der Seniorenclub jeden Monat eine Veranstaltung

svz.de von
erstellt am 05.Mär.2017 | 23:03 Uhr

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir den Seniorenclub Langen Brütz-Kritzow vor.

Als Christel Kobow gefragt wurde, ob sie mitmachen wolle, einen Seniorenclub für die Dörfer Langen Brütz und Kritzow ins Leben zu rufen, da hat sie ja gesagt. Aber an ein langes Leben eines solchen Vereins, daran hat sie nicht geglaubt. Irgendwann wird das wohl wieder einschlafen, wird keiner mehr da sein, der sich engagieren möchte, war sie sich sicher. Dass sich Christel Kobow geirrt hat, das findet sie gar nicht schlimm, denn im vergangenen Jahr feierte der Club sein 20-jähriges Bestehen.

Eine gusseiserne 20 steht in Klarsichtfolie verpackt auf dem Tisch des Ehepaars Kobow. Eigentlich sollte dieses Geschenk zum Vereinsgeburtstag ihren Platz in der Vitrine des Gemeindehauses in Langen Brütz bekommen. „Aber der Vitrinen-Schlüssel ist nicht aufzufinden“, sagt die 79-Jährige. Also nimmt die Rentnerin das Präsent immer mit, wenn sich die Senioren des Seniorenclubs Langen Brütz-Kritzow dort treffen. Und das machen die Mitglieder regelmäßig.

Christel Kobow blättert in einer Mappe voller Papiere. Rechenschaftsbericht, Aufnahmeanträge, Kalenderblatt. Mit Zettelwirtschaft kennt sich die Rentnerin aus, war fast ihr ganzes Berufsleben Buchhalterin im örtlichen Landwirtschaftsbetrieb. Da ist er ja, der Zettel mit dem Jahresplan 2017. März: Besichtigung der Grabower Süßwaren-Fabrik. April: Kegelnachmittag in Retgendorf. Mai: Besuch des Jagdschlosses Friedrichsmoor. Jeden Monat eine Veranstaltung, so hat es sich eingebürgert bei den Senioren, die auch im Alter aktiv bleiben wollen. „Aber am liebsten treffen wir uns im Gemeindehaus zum gemütlichen Beisammensein“, weiß die gebürtige Ostpreußin. Spielenachmittag, Buchlesungen, Vorträge oder Filmvorführungen – die Aktivitäten der Senioren sind vielfältig. Und bei Kaffee und Kuchen wird dann auch das gemacht, was nicht mehr Gang und Gäbe ist in einem Dorf, das keinen Bäcker, keine Postfiliale und kein Lebensmittelgeschäft mehr hat: Es wird miteinander geredet. Hier trifft man sich. Hier gibt es Neuigkeiten. Hier gibt es Gemeinsamkeiten.

Erst Stellvertreterin des früheren Vorsitzenden Willi Hahn, seit 17 Jahren selbst Clubvorsteherein: Christel Kobow macht diese Art von Ehrenamt Spaß. „Die Sachen, die zu erledigen sind, haben wir auch auf viele Schultern verteilt“, sagt sie, spricht dann von den Veranstaltungen, die jeweils von zwei Vereinsmitgliedern geplant, organisiert und durchgeführt werden. Finanziert werden Ausflüge und andere Aktionen von den Mitgliedsbeiträgen und Fördergeld der Gemeinde. Neben den Veranstaltungen findet auch einmal im Monat eine Vorstandssitzung statt.

70 Mitglieder hatte der Club bei seiner Gründung, 20 weniger sind es heute. „Wir haben Probleme, neue Vereinsmitglieder zu finden“, erklärt die Vorsitzende. „Viele fühlen sich noch nicht alt genug, um dem Club beizutreten.“ Das jüngste Mitglied ist derzeit 55, das älteste 100. Der Altersdurchschnitt liege bei über 70. Aber noch bleibt alles beim Alten im Seniorenclub. Der Jahresplan steht, viele andere sollen noch folgen. Nur der Vitrinen-Schlüssel, der muss doch noch irgendwie aufzutreiben sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen