zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Oktober 2017 | 22:36 Uhr

Schweriner Inseln : Keine Kaninchen, aber Schnecken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerin ist die Stadt der Seen und Wälder – und der Inseln. Heute: Ziegelwerder und Kaninchenwerder stehen unter Naturschutz

von
erstellt am 19.Apr.2017 | 23:46 Uhr

Die Eiszeit hat nicht nur zahlreiche Seen in wunderbarer Landschaft in der Region hinterlassen. Auf dem Schweriner Stadtgebiet gibt es auch einige Inseln. Im Schweriner Innensee sind es Kaninchenwerder und Ziegelwerder.

Die beiden Eilande liegen geradezu eingekuschelt im Süden des Sees. Entstanden sind sie vor 20 000 Jahren mit der so genannten Weichseleiszeit.

Kaninchenwerder ist 37 Hektar groß. Höchste Erhebung ist der Jesarberg mit rund 18 Metern über dem Wasserspiegel. Schon in der Jungsteinzeit gab es Fischer und Jäger auf der Insel. Prähistorische Beile, Bohrer, Meißel, Messer, Schleifsteine, Keile, Lanzen, Pfeilspitzen und Dolche wurden gefunden.

Woher der Name stammt, ist nicht eindeutig. Möglicherweise hängt er mit dem Aussetzen von Kaninchen auf der Insel zusammen. Jedenfalls wurde 1407 in einer Urkunde die Bezeichnung Kaninekenwerder genannt.

Bereits 1561 wurde auf der Insel eine Ziegelei betrieben. Der Betrieb lief aber nicht durchgängig über die Jahrhunderte. Die Gebäude wurden 1853 abgerissen. Bis 1980 wurde auf Kaninchenwerder Landwirtschaft betrieben. 1852 gab es eine erste Fährverbindung, 1870 kamen französiche Kriegsgefangene auf das Eiland. 1874 wurde eine Gaststätte eröffnet. 1895 konnte das erste Mal der Aussichtsturm bestiegen werden. Kaninchenwerder entwickelte sich zum beliebten Ausflugsziel. Noch in den 1980er-Jahren kamen bis zu 20 000 Besucher im Jahr.

Die Nachbarinsel Ziegelwerder ist etwas kleiner. Namensgeber waren Ziegeleibetriebe, für die Ton und Kalk abgebaut wurden. Weil für die Ziegelproduktion viel Brennholz benötigt wurde, war Ziegelwerder im 19. Jahrhundert fast baumlos. Bis 1970 gab es im Norden der Insel zwei Bauerngehöfte.

Die Insel ist derzeit der einzige Ort im Stadtgebiet, an dem die Große Rohrdommel vorkommt. Es gibt Fischotter und 59 Brutvogelarten auf Ziegelwerder.

Auf Kaninchenwerder gibt es Vorkommen von Wildschwein, Fuchs, Reh, Steinmarder und Mink. Vier Fledermausarten wurden nachgewiesen, 66 Brutvogelarten 2003 kartiert. Bemerkenswert: Die hier angesiedelte Weinbergschnecken-Population hat sich gut entwickelt.

Während Kaninchenwerder schon 1935 zusammen mit dem Großen Stein Naturschutzgebiet wurde, steht Ziegelwerder seit 1990 unter Schutz. 2005 wurden beide Inseln in das EU-Vogelschutzgebiet „Schweriner Seen“ integriert und sind nun Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes „Schweriner Innensee und Ziegelaußensee“. Die Restriktionen in diesen Gebieten sind relativ streng. So darf der Südteil der Insel Ziegelwerder nicht betreten werden. Für Wassersportler gelten Befahrensregeln, um die in der Stadt seit Jahren intensiv diskutiert wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen