Schandfleck : Kein Zaun ist hoch genug

Verdient den Namen Schandfleck: Die alte SED-Bezirksparteischule auf dem Apachenhügel lockt trotz des Zauns immer wieder Jugendliche, aber auch Vandalen an.
Verdient den Namen Schandfleck: Die alte SED-Bezirksparteischule auf dem Apachenhügel lockt trotz des Zauns immer wieder Jugendliche, aber auch Vandalen an.

Ungebetene Gäste in alter Parteischule: Leerstehende Privat-Gebäude beschäftigen immer wieder das Bauamt

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17. November 2014, 12:00 Uhr

Stimmen aus offenen Fenstern, Rascheln, Menschen in einem Gebäudekomplex, dessen Betreten offiziell verboten ist – in der ehemaligen SED-Bezirksparteischule am Hang kehrt keine Ruhe ein. Knapp zwei Jahr nach dem großen Brand, bei dem eine Decke im ehemaligen Hörsaal einbrach und ein Teil des Gebäudes abbrannte, scheint es wieder ungebetene Gäste zu geben – aber keine neuen Ideen für den Schandfleck.

SVZ-Leserin Sabine Mielke hat auf dem verlassenen Areal nicht nur Rehe gesehen, sondern vor wenigen Tagen auch „böse Geräusche“ gehört. „Da wurde im Haus mit schwerer Technik etwas zertrümmert“, sagt sie. Die Wochen, in denen die Plater Straße wegen der Großbaustelle an der Kreuzung zur Hamburger Allee wenig befahren war, hätten sich für Plünderer, Vandalen und Abenteurer nur so angeboten. Dass in der alten Parteischule manchmal oder regelmäßig Menschen übernachten, davon gehen viele Dreescher ohnehin aus. Erlaubt ist es nicht. Und die Probleme, Beschwerden und Anfragen der vergangenen Jahre füllen auch im Stadthaus dicke Aktenordner. „Thema ist immer wieder die Sicherung des Geländes“, sagt Bauamtsleiter Dr. Günter Reinkober. Und das ist ganz schön groß. 1979 war die SED-Bezirksparteischule eingeweiht worden – mit 10 000 Quadratmeter Fläche. Der Komplex besteht aus mehreren Komponenten: einem Internatsgebäude mit mehr als 170 Schlafräumen, großer Mensa, großem Café und einem Lektionsgebäude mit Hörsaal für rund 500 Studierende.

Zur Wendezeit fiel die Schule an die Treuhand, im Dezember 1992 kaufte die Schweriner Grund GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt, das Objekt für 26 Millionen Mark. Bis 2000 war die Fachhochschule des Bundes für Arbeitsverwaltung Mieter, doch trotzdem geriet die Grund GmbH in Schieflage. Um den drohenden Konkurs abzuwenden, musste 1996 die WGS 98 Prozent der Anteile und damit Schulden übernehmen.

Seit dem Jahr 2000 steht das Gebäude leer. 2007 wechselte er zum bislang letzten Mal den Besitzer, ein Bauantrag für eine Wohnungsanlage mit seniorengerechten Zimmern ist gestellt. Gebaut wurde bisher jedoch nicht. Auch ein Teilabriss nach dem Brand ist nicht erfolgt. „Wir sind mit dem Eigentümer und auch mit der Polizei in Kontakt“, sagt Reinkober. „In der Vergangenheit wurden immer wieder Zaunfelder geklaut, beschädigt oder beiseite gerückt. Es gab auch kleine Brände. Der Eigentümer hat die Zaunfelder jetzt verstärkt, neu verschraubt und außerdem einen Hausmeisterservice beauftragt, der dort regelmäßig vorbeischaut. Aber wer da rein will, der klettert auch über geschlossene Zäune. Und alle Fenster zuzumauern, kann man vom Eigentümer nicht verlangen.“

Sicherungsmaßnahmen in leerstehenden Gebäuden beschäftigten und beschäftigen die Stadt auch noch an anderen Stellen. Reinkober nennt unter anderem das Jagdschloss Schelfwerder, das Kurhaus in Zippendorf und die Hamburger Allee 228. Die Werderstraße 3 und die Bornhövedstraße 8 würden aktuell saniert, da habe sich die Lage also beruhigt, ebenso wie in der alten Schauburg in der Mecklenburgstraße und im Haus Am Packhof 1a, direkt gegenüber dem Stadthaus. Aber auch alte Industriebetriebe locken laut Reinkober unerwünschte Besucher an. Das Lederwarenkombinat in der Handelsstraße gehört dazu. Mittlerweile verschreiben sich auch Internetauftritte diesen „verlorenen Orten“. Sie zeigen Fotos, geben detailgenaue Beschreibungen der Innenräume. Auch die Schweriner Parteischule ist dort zu finden.


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