Grambow : Kein Schuss ins Blaue

In einem der zwei Schießräume gibt es zwei 100-Meter-Röhren, auf der mit der Büchse bis zu einem Gasdruck von 10 000 Joule geschossen werden kann. Jonas Schütt ist Leiter des Schießzentrums und zeigt eine Zielscheibe, an dem die Auszubildenden ihre Treffsicherheit üben.
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In einem der zwei Schießräume gibt es zwei 100-Meter-Röhren, auf der mit der Büchse bis zu einem Gasdruck von 10 000 Joule geschossen werden kann. Jonas Schütt ist Leiter des Schießzentrums und zeigt eine Zielscheibe, an dem die Auszubildenden ihre Treffsicherheit üben.

Leinwand-Rehbock und Kipphase werden jetzt im neuen Indoor-Schießausbildungszentrum auf Gut Grambow ins Visier genommen

svz.de von
29. Juni 2016, 16:00 Uhr

Der   Kipphase aus Metall hat  schon seine ersten Schrotladungen abbekommen, den laufenden Keiler hat es  im Schießkino erwischt und der stehende Rehbock  am Ende der Schießröhre ist durchlöchert.     Ab jetzt   werden auch auf Gut Grambow  starre und bewegliche Ziele  ins Visier genommen, denn  die Jagdschule  hat  nun ein  eigenes Indoor-Schießausbildungszentrum, das heute offiziell eröffnet wird.

  Lennart Thieleke rückt seinen Ohrschutz zurecht und legt das Gewehr an. Gleich wird der Keiler kommen. Von rechts. 50 Meter liegen zwischen dem 15-Jährigen aus Peine und der beweglichen Tier-Silhouette, die ihm helfen soll, sein Ziel nicht nur zu erwischen, sondern auch seine Ausbildung zum Jungjäger  erfolgreich abzuschließen. Wenn er zum  Ende des dreiwöchigen Kurses seine Prüfung macht, dann müssen unter anderem drei von fünf Schüssen auf dieses Ziel sitzen. „Den Zeigefinger etwas gerader halten“, gibt Dr. Helmut Herbold  Tipps. Herbold ist Schulungsleiter auf Gut Grambow und hat in den vergangenen Jahren viele der  etwa 7000 Absolventen auf ihrem Weg zum Jagdschein begleitet.  Um diesen zu bekommen, muss auch gelernt werden,  wie auf was geschossen wird. Der Umgang mit der Waffe, dafür ging es bisher  zu den Freiluft-Schießständen nach   Püttelkow und Grevesmühlen. Das  ist jetzt vorbei. 

   Wenn nicht gerade der Keiler vorbeizieht, flimmern im Schießkino     Wildschwein, Fuchs oder Rothirsch  über eine neun Meter große Leinwand. Treffer werden elektronisch angezeigt, bleihaltige oder -freie Munition wird von einem Wall aus Gummi-Granulat geschluckt. Beamer, Kameras oder Schießscheiben werden ein paar  Meter weiter aus  einem Regieraum heraus gesteuert. Dort ist auch das Revier von Jonas Schütt. Der 31-jährige Holsteiner ist Berufsjäger, Ausbilder und Leiter des  Schießzentrums und begleitet das Projekt seit einem Jahr. Er    hat auch die Alarmanlagen und die Waffenkammer im Blick. „Sicherheit ist das Wichtigste“, sagt Schütt.  Und das gilt auch für den zweiten Schießraum mit seinen zwei 100-Meter-Bahnen, in denen die Kugeln der Lang- und Kurzwaffen im hinteren Teil durch Röhren sausen.  Wie im Nachbarraum auch  hängen hier Luftausströmsäcke, die unter anderem dafür sorgen, dass  die Gase   abgesaugt werden. 

Das Indoor-Schießausbildungszentrum auf Gut Grambow ist kein Schuss ins Blaue.  Rund drei Millionen Euro hat der Betreiber  in  eine  der modernsten  Anlagen dieser  Art  deutschlandweit   investiert, um  sein Ausbildungsangebot auf dem etwa acht Hektar großen Gelände zu bündeln, effektiver und wirtschaftlicher  zu arbeiten. Die Seminarteilnehmer können jetzt auf dem Gelände lernen, essen, schlafen – und eben auch schießen. 

Das Ladengeschäft von Gut Grambow mit Büchsenmacherwerkstatt wird ins  angrenzende Schießanlagen-Gebäude umziehen, seine Fläche auf über 300 Quadratmeter vergrößern. Die  Eröffnung ist für Ende September geplant. „Ein Vorteil des neuen Ladens wird sein, dass Käufer hier die Waffen  sofort  ausprobieren und einstellen können“, sagt Jonas Schütt.

Apropos ausprobieren: Die Schießanlage ist nicht nur für angehende Jäger bestimmt. Wer will, kann sich dort selbst ausprobieren und Kipphase, Keiler oder Rehbock ins Visier nehmen.

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