Seefeld : Katzenjammer auf der Plantage

Katzen anlocken und einfangen: Lottihof-Mitarbeiterinnen Doreen Huff (l.) und Auszubildende Darlin Müller stellen auf einer Obstplantage in Boddin Fallen auf.
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Katzen anlocken und einfangen: Lottihof-Mitarbeiterinnen Doreen Huff (l.) und Auszubildende Darlin Müller stellen auf einer Obstplantage in Boddin Fallen auf.

Viele Streuner aus Boddin sind jetzt im Seefelder Lottihof und im Tierheim Roggendorf untergebracht

svz.de von
26. September 2017, 12:00 Uhr

Was für ein Gewusel auf einer Obstplantage in Boddin. Dort wuchsen nicht nur Früchte heran, sondern auch Katzen, die sich auf dem Gelände ungestört vermehrt hatten. Um die unkontrollierte Population der Vierbeiner einzudämmen, machte sich ein Team vom Seefelder Lottihof mit Verstärkung des Tierschutzvereins Sternberg auf den Weg, um die verwilderten Katzen einzufangen.

„Wie mit uns abgesprochen, hatten Mitarbeiter dort schon die Katzen einige Zeit lang angefüttert und so warteten viele der Katzen auf ihre abendliche Fütterung“, sagt Christine Geburtig, Betreiberin des Seefelder Tiergnadenhofs Lottihof. Zwölf ausgewachsene und zehn Katzenwelpen konnten mit Katzenfallen und Körben eingefangen werden. Die ausgewachsenen Tiere wurden ins Tierheim Roggendorf gebracht, dort einen Tag später von einer Tierärztin kastriert. Bis auf den scheuen Kater wurde alle Katzen wieder zurück nach Boddin gebracht, wo die Eigentümerin der Obstplantage die Katzen weiterhin versorgen wolle. Der Kater und die Katzenbabys sind jetzt in der neuen Quarantäneanlage auf dem Lottihof untergebracht. „Dort warten sie jetzt darauf, dass ihnen jemand ein neues und schönes Zuhause bietet“, so Christine Geburtig. Die Aktion in Boddin habe gezeigt, so die Lottihof-Betreiberin, wie wichtig die Kastration von Katzen sei. „Nicht auszudenken, wie viele Katzen auf der Plantage in den kommenden Monaten geboren worden wären, denn von den ausgewachsenen Tieren waren sieben weiblich. In Boddin hat sich die Eigentümerin des Betriebs an den Kastrationskosten beteiligt. „Wir würden uns freuen, wenn viele Betriebe oder auch private Katzenhalter sich ein Beispiel daran nehmen könnten“, so Geburtig.

Katzen, die durch die Gegend streunen – ihre Zahl wird in Deutschland auf zwei Millionen geschätzt. Seit Jahren fordern Tierschutzverbände und Tierheimbetreiber eine bundesweite Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen.

„Wir können nicht verstehen, warum sich unsere Politiker so schwer tun, diese umzusetzen“, sagt Christine Geburtig, die sich auch im Verein „Aktion Tier“ engagiert und verweist auf bundesweit viele Städte und Gemeinden, die solche Verordnungen schon haben. „Dadurch würden Tierschutzvereinen und Gemeinden viele Kosten für die Unterbringung erspart bleiben“, so Geburtig. Auch das Elend der Katzen würde vermindert, denn wo sich große Populationen bilden, gäbe es auch viele Krankheiten.

Mecklenburg-Vorpommern hatte im Dezember 2015 die Katzenschutzgebiets-Ermächtigungslandesverordnung veröffentlicht. Sie gibt den Landkreisen und kreisfreien Städten auf Grundlage des Paragrafen 13 b des Tierschutzgesetzes die Möglichkeit, in betroffenen Gebieten auch gegenüber Katzenhaltern zwangsweise Maßnahme wie Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Katstrationspflichten durchzusetzen, sofern durch freiwillige Maßnahmen absehbar keine Besserung der Situation erreicht wird. „Die Hürden des entsprechenden Paragrafen sind jedoch trotz allem so hoch, dass bisher nur in Rostock ein Erlass einer Katzenschutzverordnung gelungen ist“, heißt es aus dem Schweriner Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt. Die Problematik der Finanzierung der Kastrationskosten sei unbestritten, heißt es aus dem Ministerium. Doch die für 2016 und 2017 veranschlagten 20  000 Euro für die Unterstützung des „Projektes des Deutschen Tierschutzbundes zur Kastration von freilebenden Katzen“ seinen jedoch zum kommenden Haushaltsjahr ersatzlos gestrichen. „Entgegen einer Zusage im Koalitionsvertrag“, teilt das Landwirtschaftsministerium mit.



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